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H. G. Wells

Die Zeitmaschine

The Time Machine · 1895 · Lesezeit ca. 2 std 40 min

Kapitel 1

Die Maschine

Lesezeit ca. 15 min

Der Zeitreisende (denn so sollte man ihn bezeichnen) erklärte uns gerade ein geheimnisvolles Thema. Seine grauen Augen leuchteten und funkelten, und sein sonst so blasses Gesicht war errötet und lebhaft. Das Feuer brannte hell, und der sanfte Schein der Glühbirnen in den Silberlilien fing die Bläschen auf, die in unseren Gläsern blitzten und vorbeiflogen. Unsere Stühle, die seine Patente waren, umarmten und herzten uns eher, als dass sie vorschlugen sich auf sie zu setzen, und es herrschte jene luxuriöse Atmosphäre nach dem Essen, in der die Gedanken anmutig frei von den Fesseln der Präzision schweifen. Er erklärte es uns, den Punkten mit seinem schlanken Zeigefinger Nachdruck verleihend, während wir dasaßen und träge seine Ernsthaftigkeit über dieses neue Paradoxon (wie wir dachten) und seine Fekundität bewunderten.

»Sie müssen mir aufmerksam folgen. Ich werde ein oder zwei Ideen in Frage stellen müssen, die fast allgemein anerkannt sind. Die Geometrie zum Beispiel, die man Ihnen in der Schule beigebracht hat, beruht auf einem Irrtum.«

»Ist das nicht eine ziemlich große Sache, mit der wir anfangen sollen?«, sagte Filby, ein streitlustiger Mensch mit roten Haaren.

»Ich möchte nicht, dass Sie irgendetwas akzeptieren, wofür es keinen vernünftigen Grund gibt. Sie werden bald so viel zugeben, wie ich von Ihnen benötige. Sie wissen natürlich, dass eine mathematische Linie, eine Linie der Dicke Null, keine reale Existenz hat. Das hat man Ihnen beigebracht? Ebenso wenig wie eine mathematische Ebene. Diese Dinge sind reine Abstraktionen.«

»Das ist schon richtig«, sagte der Psychologe.

»Auch ein Würfel, der nur Länge, Breite und Dicke hat, kann keine reale Existenz haben.«

»Da möchte ich widersprechen«, sagte Filby. »Natürlich kann ein fester Körper existieren. Alle realen Dinge …«

»So denken die meisten Menschen. Aber warten Sie einen Moment. Kann ein augenblicklicher Würfel existieren?«

»Ich kann Ihnen nicht folgen«, sagte Filby.

»Kann ein Würfel, der überhaupt keine Zeit dauert, eine reale Existenz haben?«

Filby wurde nachdenklich.

»Natürlich«, fuhr der Zeitreisende fort, »muss jeder reale Körper eine Ausdehnung in vier Richtungen haben: er muss Länge, Breite, Dicke – und Dauer haben. Aber durch eine natürliche Schwäche des Fleisches, die ich Ihnen gleich erklären werde, neigen wir dazu, diese Tatsache zu übersehen. In Wirklichkeit gibt es vier Dimensionen: drei, die wir die drei Ebenen des Raumes nennen, und eine vierte: die Zeit. Wir neigen jedoch dazu, eine unwirkliche Unterscheidung zwischen den drei erstgenannten Dimensionen und der letzteren zu treffen, weil sich unser Bewusstsein vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens ununterbrochen in einer Richtung entlang der Zeit bewegt.«

»Das«, sagte ein sehr junger Mann, der sich krampfhaft bemühte, seine Zigarre über der Lampe wieder anzuzünden, »das … ist in der Tat offensichtlich.«

»Nun, es ist bemerkenswert, dass dies so weitgehend übersehen wird«, fuhr der Zeitreisende, mit einem leichten Anflug von Heiterkeit, fort. »Das ist es, was mit der Vierten Dimension gemeint ist, auch wenn manche Leute, die von der Vierten Dimension sprechen, nicht wissen, dass sie sie meinen. Es ist nur eine andere Art, die Zeit zu betrachten. Es gibt keinen Unterschied zwischen der Zeit und einer der drei Raumdimensionen, außer dass sich unser Bewusstsein in ihr bewegt. Aber einige törichte Menschen haben diese Idee in den falschen Hals bekommen. Sie haben alle gehört, was sie über die vierte Dimension sagen?«

»Ich nicht«, sagte der Bürgermeister.

»Es ist ganz einfach. Der Raum, wie ihn unsere Mathematiker sehen, hat drei Dimensionen, die man Länge, Breite und Dicke nennen kann, und ist immer durch drei Ebenen definierbar, die alle im rechten Winkel zueinander stehen. Einige Philosophen haben jedoch die Frage gestellt, warum gerade drei Dimensionen – warum nicht eine weitere Richtung im rechten Winkel zu den anderen drei – und haben sogar versucht, eine vierdimensionale Geometrie zu konstruieren. Professor Simon Newcomb hat dies erst vor etwa einem Monat vor der New Yorker Mathematischen Gesellschaft dargelegt. Sie wissen, wie wir auf einer flachen Oberfläche, die nur zwei Dimensionen hat, eine Figur eines dreidimensionalen Körpers darstellen können, und in ähnlicher Weise denken sie, dass sie mit Modellen von drei Dimensionen eine von vier darstellen könnten – wenn sie die Perspektive der Sache beherrschen könnten. Verstehen Sie?«

»Ich glaube schon«, murmelte der Bürgermeister, zog die Brauen zusammen und versank in einen Zustand der Introspektion, wobei sich seine Lippen bewegten wie bei einem, der mystische Worte wiederholt. »Ja, ich glaube, ich verstehe es jetzt«, sagte er nach einiger Zeit und sein Gesicht hellte sich kurz auf.

»Nun, es macht mir nichts aus, Ihnen zu sagen, dass ich mich seit einiger Zeit mit dieser Geometrie der Vier Dimensionen beschäftige. Einige meiner Ergebnisse sind kurios. Hier ist zum Beispiel das Porträt eines Mannes im Alter von acht Jahren, ein anderes mit fünfzehn, ein weiteres mit siebzehn, eins mit dreiundzwanzig und so weiter. All dies sind offensichtlich Abschnitte, sozusagen dreidimensionale Darstellungen seines vierdimensionalen Wesens, das eine feste und unveränderliche Sache ist. Die Wissenschaftler«, fuhr der Zeitreisende nach der Pause, die nötig war, um dies zu begreifen, fort, »wissen sehr wohl, dass Zeit nur eine Art Raum ist. Hier ist ein populärwissenschaftliches Diagramm, eine Wetteraufzeichnung. Diese Linie, die ich mit meinem Finger verfolge, zeigt die Bewegung des Barometers. Gestern war es so hoch, gestern Abend ist es gefallen, heute Morgen ist es wieder gestiegen, und weiter langsam nach oben bis hierher. Sicherlich hat das Quecksilber diese Linie in keiner der allgemein anerkannten Dimensionen des Raumes gezogen? Aber gewiss doch hat es eine solche Linie gezogen, und diese Linie, so müssen wir schließen, verlief entlang der Zeit-Dimension.«

»Aber«, sagte der Mediziner und starrte angestrengt auf eine Kohle im Feuer, »wenn Zeit wirklich nur eine vierte Dimension des Raumes ist, warum wird sie dann, und warum wurde sie schon immer, als etwas anderes betrachtet? Und warum können wir uns in der Zeit nicht so bewegen wie in den anderen Dimensionen des Raums?«

Der Zeitreisende lächelte. »Sind Sie sicher, dass wir uns im Raum frei bewegen können? Wir können nach rechts und links gehen, vorwärts und rückwärts, und die Menschen haben das schon immer getan. Ich gebe zu, wir bewegen uns frei in zwei Dimensionen. Aber was ist mit oben und unten? Die Gravitation schränkt uns dort ein.«

»Nicht ganz«, sagte der Mediziner. »Es gibt Ballons.«

»Aber vor den Ballons hatte der Mensch, abgesehen von krampfhaften Sprüngen und den Ungleichmäßigkeiten der Oberfläche, keine Freiheit, sich vertikal zu bewegen.«

»Dennoch konnten sie sich ein wenig auf und ab bewegen«, sagte der Mediziner. »Leichter, viel leichter nach unten als nach oben. Aber in der Zeit kann man sich überhaupt nicht bewegen, man kann dem gegenwärtigen Augenblick nicht entkommen.«

»Mein lieber Herr, genau da liegen Sie falsch. Das ist genau der Punkt, an dem sich die ganze Welt geirrt hat. Wir entfernen uns immer vom gegenwärtigen Augenblick. Unsere geistigen Existenzen, die immateriell sind und keine Dimensionen haben, bewegen sich in der Zeitdimension mit gleichmäßiger Geschwindigkeit von der Wiege bis zur Bahre. Genauso wie wir abwärts reisen würden, wenn wir unsere Existenz fünfzig Meilen über der Erdoberfläche beginnen würden.«

»Aber die große Schwierigkeit ist diese«, unterbrach der Psychologe. »Man kann sich in alle Richtungen des Raumes bewegen, aber nicht in der Zeit.«

»Das ist der Keim meiner großen Entdeckung. Aber Sie haben Unrecht, wenn Sie sagen, dass wir uns nicht in der Zeit bewegen können. Wenn ich mich zum Beispiel sehr lebhaft an eine Begebenheit erinnere, gehe ich in den Augenblick zurück, in dem sie sich ereignet hat: ich werde geistesabwesend, wie Sie sagen. Ich springe für einen Moment zurück. Natürlich haben wir keine Möglichkeit, für längere Zeit zurückzubleiben, genauso wenig wie ein Wilder oder ein Tier in der Lage ist, einen Meter über dem Boden zu bleiben. Aber ein zivilisierter Mensch ist in dieser Hinsicht besser dran als ein Wilder. Er kann in einem Ballon gegen die Schwerkraft aufsteigen, und warum sollte er nicht hoffen, dass er letztendlich in der Lage sein wird, sein Abdriften entlang der Zeitdimension zu stoppen oder zu beschleunigen, oder sogar umzukehren und in die andere Richtung zu reisen?«

»Oh, das ist …«, begann Filby.

»Warum nicht?«, fragte der Zeitreisende.

»Es ist gegen die Vernunft«.

»Welche Vernunft?«

»Sie können mit Worten zeigen, dass schwarz weiß ist«, sagte Filby, »aber Sie werden mich nie überzeugen.«

»Möglicherweise nicht«, sagte der Zeitreisende. »Aber jetzt sehen Sie das Ziel meiner Untersuchungen über die Geometrie der Vier Dimensionen. Vor langer Zeit hatte ich eine vage Vorstellung von einer Maschine …«

»Um durch die Zeit zu reisen!«, rief der junge Mann aus.

»… die sich gleichgültig in jede Richtung von Raum und Zeit bewegt, wie es der Fahrer bestimmt.«

Filby begnügte sich mit einem Lachen.

»Aber ich habe einen experimentellen Nachweis«, sagte der Zeitreisende.

»Das wäre für den Historiker äußerst praktisch«, schlug der Psychologe vor. »Man könnte zum Beispiel zurückreisen und den anerkannten Bericht über die Schlacht von Hastings überprüfen!«

»Denken Sie nicht, dass Sie damit Aufmerksamkeit erregen würden?«, sagte der Mediziner. »Unsere Vorfahren hatten keine große Toleranz für Anachronismen.«

»Man könnte sein Griechisch aus dem Munde von Homer und Plato lernen«, dachte der Jüngste.

»In diesem Fall würden sie Sie sicherlich im Little Go auseinandernehmen. Die deutschen Gelehrten haben das Griechische so sehr verbessert.«

»Dann ist da noch die Zukunft«, sagte der Jüngste. »Denken Sie nur! Man könnte sein ganzes Geld anlegen, es verzinst anhäufen lassen und dann vorwärts eilen!«

»Um eine Gesellschaft zu entdecken«, sagte ich, »die auf einer streng kommunistischen Grundlage aufgebaut ist.«

»Von allen wilden, extravaganten Theorien!«, begann der Psychologe.

»Ja, so schien es mir, und so habe ich nie davon gesprochen, bis …«

»Experimenteller Nachweis!«, rief ich. »Sie wollen das beweisen?«

»Das Experiment!«, rief Filby, der langsam müde wurde.

»Zeigen Sie uns doch mal Ihr Experiment«, sagte der Psychologe, »auch wenn das alles Humbug ist, wie Sie wissen.«

Der Zeitreisende lächelte uns an. Dann ging er, immer noch mit einem schwachen Lächeln, die Hände tief in den Hosentaschen, langsam aus dem Zimmer, und wir hörten seine Hausschuhe den langen Gang zu seinem Labor hinunterschlurfen.

Der Psychologe sah uns an. »Ich frage mich, was er hat?«

»Irgendeinen Taschenspielertrick«, sagte der Mediziner, und Filby versuchte, uns von einem Zauberkünstler zu erzählen, den er in Burslem gesehen hatte, aber bevor er seine Vorrede beendet hatte, kam der Zeitreisende zurück, und Filbys Anekdote brach zusammen.

Das Ding, das der Zeitreisende in der Hand hielt, war ein glitzernder Metallrahmen, kaum größer als eine kleine Uhr, und sehr fein gearbeitet. Es enthielt Elfenbein und eine durchsichtige kristalline Substanz. Und jetzt muss ich mich klar ausdrücken, denn das, was nun folgt – es sei denn, man akzeptiert seine Erklärung –, ist absolut unerklärlich. Er nahm einen der kleinen achteckigen Tische, die im Raum verstreut standen, und stellte ihn vor das Feuer, mit zwei Beinen auf dem Kaminvorleger. Auf diesen Tisch stellte er den Mechanismus. Dann zog er einen Stuhl heran und setzte sich. Der einzige andere Gegenstand auf dem Tisch war eine kleine schattierte Lampe, deren helles Licht auf das Modell fiel. Außerdem standen vielleicht ein Dutzend Kerzen herum: zwei in Messingleuchtern auf dem Kaminsims und mehrere in Wandleuchtern, sodass der Raum hell erleuchtet war. Ich setzte mich in einen niedrigen Sessel, der dem Feuer am nächsten war, und schob ihn so weit nach vorn, dass ich fast zwischen dem Zeitreisenden und dem Kamin stand. Filby saß hinter ihm und schaute ihm über die Schulter. Der Mediziner und der Bürgermeister beobachteten ihn im Profil von rechts, der Psychologe von links. Der sehr junge Mann stand hinter dem Psychologen. Wir waren alle in Alarmbereitschaft. Es erscheint mir unglaublich, dass man uns unter diesen Umständen irgendeinen Trick vorspielen konnte, wie raffiniert auch immer er erdacht und ausgeführt wurde.

Der Zeitreisende sah uns an und dann den Mechanismus.

»Und?«, sagte der Psychologe.

»Dieses kleine Ding«, sagte der Zeitreisende, stützte seine Ellbogen auf den Tisch und presste seine Hände über dem Gerät zusammen, »ist nur ein Modell. Es ist mein Plan für eine Maschine, die durch die Zeit reist. Sie werden bemerken, dass es merkwürdig schief aussieht und dass dieser Balken ein seltsames Funkeln hat, als wäre er irgendwie unwirklich.« Er deutete mit dem Finger auf die Stelle. »Außerdem ist hier ein kleiner weißer Hebel, und hier ist noch einer.«

Der Mediziner erhob sich von seinem Stuhl und schaute sich das Ding an. »Es ist wunderschön gemacht«, sagte er.

»Es hat zwei Jahre gedauert, es herzustellen«, erwiderte der Zeitreisende. Dann, als wir alle das Verhalten des Mediziners nachgeahmt hatten, sagte er: »Jetzt möchte ich, dass Sie genau verstehen, dass dieser Hebel, wenn er gedrückt wird, die Maschine in die Zukunft gleiten lässt, und dieser andere die Bewegung umkehrt. Dieser Sattel stellt den Sitz eines Zeitreisenden dar. Ich werde jetzt den Hebel betätigen, und die Maschine wird starten. Sie wird verschwinden, in die zukünftige Zeit reisen und wieder verschwinden. Sehen Sie sich das Ding genau an. Sehen Sie sich auch den Tisch an und überzeugen Sie sich davon, dass es keine Tricks gibt. Ich möchte dieses Modell nicht verschwenden und dann als Quacksalber abgestempelt werden.«

Es gab vielleicht eine Minute des Innehaltens. Der Psychologe schien mit mir sprechen zu wollen, überlegte es sich dann aber anders. Dann streckte der Zeitreisende den Finger nach dem Hebel aus. »Nein«, sagte er plötzlich. »Helfen Sie mir.« Er wandte sich an den Psychologen, nahm dessen Hand in die seine und forderte ihn auf, seinen Zeigefinger auszustrecken. So war es der Psychologe selbst, der das Modell der Zeitmaschine auf seine langwierige Reise schickte. Wir alle sahen, wie sich der Hebel drehte. Ich bin mir absolut sicher, dass es keine Tricks gab. Es gab einen Windhauch, und die Lampenflamme sprang. Eine der Kerzen auf dem Kaminsims wurde ausgeblasen, und die kleine Maschine drehte sich plötzlich, wurde undeutlich, war vielleicht für eine Sekunde wie ein Geist zu sehen, wie ein Strudel aus schwach glitzerndem Messing und Elfenbein, und dann war sie weg – verschwunden! Bis auf die Lampe war der Tisch leer.

Alle schwiegen eine Minute lang. Dann sagte Filby, er sei verdammt.

Der Psychologe erwachte aus seiner Benommenheit und schaute plötzlich unter den Tisch.

Daraufhin lachte der Zeitreisende fröhlich. »Und?«, sagte er mit einer Reminiszenz an den Psychologen. Dann stand er auf, ging zu der Tabakdose auf dem Kaminsims und begann, mit dem Rücken zu uns, seine Pfeife zu füllen.

Wir starrten uns gegenseitig an. »Hören Sie«, sagte der Mediziner, »meinen Sie das ernst? Glauben Sie ernsthaft, dass diese Maschine in der Zeit gereist ist?«

»Gewiss«, sagte der Zeitreisende und beugte sich zum Feuer, um das Holzstäbchen anzuzünden. Dann drehte er sich um, zündete seine Pfeife an und blickte in das Gesicht des Psychologen. (Der Psychologe nahm sich eine Zigarre und versuchte, sie ungeschnitten anzuzünden, um zu zeigen, dass er nicht verstört war). »Außerdem habe ich da drinnen eine große Maschine fast fertig«, er deutete auf das Labor ,«und wenn sie zusammengebaut ist, will ich eine Reise auf eigene Rechnung machen.«

»Sie wollen sagen, dass diese Maschine in die Zukunft gereist ist?«, fragte Filby.

»In die Zukunft oder in die Vergangenheit – ich weiß es nicht genau.«

Nach einer Pause hatte der Psychologe eine Eingebung. »Sie muss in die Vergangenheit gereist sein, wenn sie irgendwo hingegangen ist«, sagte er.

»Warum?«, fragte der Zeitreisende.

»Weil ich annehme, dass sie sich nicht im Raum bewegt hat, und wenn sie in die Zukunft gereist wäre, wäre sie immer noch hier, da sie durch diese Zeit gereist sein muss.«

»Aber«, sagte ich, »wenn sie in die Vergangenheit gereist wäre, wäre sie schon sichtbar gewesen, als wir zum ersten Mal in diesen Raum kamen, und letzten Donnerstag, als wir hier waren, und den Donnerstag davor, und so weiter!«

»Ernsthafte Einwände«, bemerkte der Bürgermeister mit einem Anflug von Unparteilichkeit und wandte sich dem Zeitreisenden zu.

»Keineswegs«, sagte der Zeitreisende und wandte sich an den Psychologen: »Sie denken, Sie können das erklären. Es ist eine Präsentation außerhalb des Messbaren, wissen Sie, eine verdünnte Präsentation.«

»Natürlich«, sagte der Psychologe und beruhigte uns. »Das ist ein einfacher Punkt der Psychologie. Daran hätte ich denken müssen. Es ist ganz einfach und hilft dem Paradoxon auf wunderbare Weise. Wir können sie nicht sehen, und wir können diese Maschine ebenso wenig schätzen, wie wir die Speichen eines sich drehenden Rades oder eine durch die Luft fliegende Kugel sehen können. Wenn sie fünfzig- oder hundertmal schneller durch die Zeit reist als wir; wenn sie eine Minute durchläuft, während wir eine Sekunde durchlaufen, wird der Eindruck, den sie erzeugt, natürlich nur ein Fünfzigstel oder ein Hundertstel dessen sein, was sie erzeugen würde, wenn sie nicht in der Zeit reisen würde. Das ist klar genug.« Er fuhr mit der Hand durch den Raum, in dem sich die Maschine befunden hatte. »Sehen Sie?«, sagte er und lachte.

Wir saßen da und starrten etwa eine Minute lang auf den leeren Tisch. Dann fragte uns der Zeitreisende, was wir von dem Ganzen hielten.

»Heute Abend klingt es noch plausibel«, sagte der Mediziner, »aber warten Sie bis morgen. Wartet auf den gesunden Menschenverstand des Morgens.«

»Wollen Sie die Zeitmaschine selbst sehen?«, fragte der Zeitreisende. Und damit nahm er die Lampe in die Hand und führte den langen, zugigen Korridor zu seinem Laboratorium hinunter. Ich erinnere mich lebhaft an das flackernde Licht; seinen seltsamen, breiten Kopf in der Silhouette; den Tanz der Schatten, wie wir alle ihm folgten – verwundert, aber zweifelnd –, und wie wir dort im Laboratorium eine größere Ausgabe des kleinen Mechanismus sahen, den wir vor unseren Augen hatten verschwinden sehen. Teile waren aus Nickel, Teile aus Elfenbein, Teile waren sicherlich aus Bergkristall gefeilt oder gesägt worden. Das Ding war im Großen und Ganzen vollständig, aber die verdrehten kristallinen Stäbe lagen unvollendet auf der Bank neben einigen Zeichnungen, und ich nahm einen davon in die Hand, um ihn mir genauer anzusehen. Es schien Quarz zu sein.

»Sehen Sie«, sagte der Mediziner, »ist das Ihr voller Ernst? Oder ist das ein Trick – wie das Gespenst, das Sie uns letztes Weihnachten gezeigt haben?«

»Mit dieser Maschine«, sagte der Zeitreisende und hielt die Lampe in die Höhe, »beabsichtige ich, die Zeit zu erforschen. Ist das deutlich? Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so ernst.«

Keiner von uns wusste so recht, wie er es auffassen sollte.

Ich erhaschte Filbys Blick über die Schulter des Mediziners, und er zwinkerte mir feierlich zu.

Kapitel 2

Der Zeitreisende

Lesezeit ca. 10 min

Ich glaube, dass damals keiner von uns so recht an die Zeitmaschine glaubte. Tatsache ist, dass der Zeitreisende einer jener Männer war, die zu schlau sind, um geglaubt zu werden: man hatte nie das Gefühl, alles um ihn herum zu sehen; man vermutete immer eine subtile Zurückhaltung, eine Raffinesse im Hinterhalt hinter seiner deutlichen Offenheit. Hätte Filby das Modell gezeigt und die Sache mit den Worten des Zeitreisenden erklärt, hätten wir ihm weit weniger Skepsis entgegengebracht. Denn wir hätten seine Beweggründe erkennen können: ein Schweinemetzger könnte Filby verstehen. Aber der Zeitreisende hatte mehr als nur einen Hauch von Verrücktheit in seinem Wesen, und wir misstrauten ihm. Dinge, die einem weniger geschickten Mann den Rahmen gesprengt hätten, wirkten in seinen Händen wie Tricks. Es ist ein Fehler, die Dinge zu leicht zu nehmen. Die Leute, die ihn ernst nahmen, fühlten sich nie ganz sicher in seinem Benehmen; sie waren sich irgendwie bewusst, dass ihm zu vertrauen war, als würde man ein Kinderzimmer mit Kristallglas ausstatten. Ich glaube nicht, dass jemand von uns in der Zeit zwischen diesem und dem nächsten Donnerstag viel über Zeitreisen gesprochen hat, obwohl die sonderbaren Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, zweifellos den meisten von uns durch den Kopf gingen: ihre Plausibilität, das heißt, ihre praktische Unglaubwürdigkeit, die merkwürdigen Möglichkeiten des Anachronismus und der völligen Verwirrung, die sich daraus ergeben. Ich für meinen Teil habe mich besonders mit dem Trick des Modells beschäftigt. Ich erinnere mich, dass ich darüber mit dem Mediziner gesprochen habe, den ich am Freitag im Linnean getroffen habe. Er sagte, er habe etwas Ähnliches in Tübingen gesehen und betonte vor allem das Erlöschen der Kerze. Aber wie der Trick funktionierte, konnte er nicht erklären.

Am nächsten Donnerstag ging ich wieder nach Richmond – ich nehme an, dass ich einer der ständigen Gäste des Zeitreisenden war – und fand bei meiner späten Ankunft vier oder fünf Männer bereits in seinem Salon versammelt. Der Mediziner stand vor dem Kamin, in der einen Hand ein Blatt Papier, in der anderen seine Uhr. Ich schaute mich nach dem Zeitreisenden um, und …

»Es ist jetzt halb acht«, sagte der Mediziner. »Ich nehme an, wir sollten zu Abend essen?«

»Wo ist …«, sagte ich und nannte den Namen unseres Gastgebers.

»Ihr seid gerade erst gekommen? Es ist ziemlich seltsam. Er ist notgedrungen aufgehalten worden. Er bittet mich in dieser Nachricht, mit dem Abendessen um sieben zu beginnen, wenn er nicht zurück ist. Er sagt, er wird es erklären, wenn er kommt.«

»Es wäre schade, das Abendessen verderben zu lassen«, sagte der Redakteur einer bekannten Tageszeitung, woraufhin der Doktor läutete.

Der Psychologe war die einzige Person, außer dem Doktor und mir, die an dem letzten Abendessen teilgenommen hatte. Die anderen Männer waren Blank, der erwähnte Redakteur, ein gewisser Journalist und ein weiterer – ein stiller, schüchterner Mann mit Bart –, den ich nicht kannte und der, soweit ich das beobachten konnte, den ganzen Abend über nicht den Mund aufmachte. Bei Tisch wurde über die Abwesenheit des Zeitreisenden spekuliert, und ich schlug halb im Scherz Zeitreisen vor. Der Redakteur wollte das erklärt haben, und der Psychologe erzählte hölzern von dem »genialen Paradoxon und Trick«, den wir in der Woche zuvor bezeugt hatten. Er war mitten in seinen Ausführungen, als sich die Tür vom Flur aus langsam und lautlos öffnete.

Ich saß der Tür gegenüber und sah sie zuerst. »Hallo!« sagte ich. »Na endlich!« Die Tür öffnete sich weiter, und der Zeitreisende stand vor uns. Ich stieß einen Schrei der Überraschung aus.

»Gütiger Himmel, Mann, was ist denn los?«, rief der Mediziner, der ihn als nächster sah. Und der ganze Tisch drehte sich zur Tür.

Er war in einem erbärmlichen Zustand. Sein Mantel war staubig und schmutzig und an den Ärmeln grün verschmiert. Sein Haar war unordentlich und, wie mir schien, grauer – entweder durch Staub und Schmutz oder weil seine Farbe tatsächlich verblasst war. Sein Gesicht war scheußlich blass. Am Kinn hatte er eine braune, halb verheilte Wunde. Sein Gesichtsausdruck war ausgezehrt und gezeichnet, wie von großem Leid. Einen Moment lang zögerte er in der Tür, als wäre er vom Licht geblendet worden. Dann betrat er das Zimmer. Er hinkte genauso, wie ich es bei fußkranken Landstreichern gesehen habe. Wir starrten ihn schweigend an und erwarteten, dass er sprechen würde.

Er sagte kein Wort, sondern kam mühsam zum Tisch und machte eine Bewegung in Richtung des Weins. Der Redakteur füllte ein Glas mit Champagner und schob es ihm zu. Er trank es aus, und es schien ihm gut zu tun, denn er blickte in die Runde, und der Geist seines alten Lächelns flackerte über sein Gesicht.

»Was in aller Welt haben Sie getrieben, Mann?«, fragte der Doktor. Der Zeitreisende schien es nicht zu hören.

»Lassen Sie sich nicht von mir stören«, sagte er mit einer gewissen schwankenden Artikulation. »Mir geht es gut.« Er hielt inne, streckte sein Glas nach mehr aus und leerte es mit einem Schluck. »Das ist gut«, sagte er. Seine Augen wurden heller, und seine Wangen färbten sich leicht. Sein Blick überflog unsere Gesichter mit einer gewissen dumpfen Zustimmung und wanderte dann durch das warme und gemütliche Zimmer. Dann sprach er wieder, immer noch so, als würde er sich Wort für Wort vorantasten. »Ich werde mich waschen und anziehen, und dann komme ich herunter und erkläre alles … Hebt mir etwas von dem Hammelfleisch auf. Ich bin hungrig auf ein Stück Fleisch.«

Er schaute zu dem Redakteur hinüber, der ein seltener Besucher war, und hoffte, dass es ihm gut ging. Der Redakteur begann mit einer Frage. »Ich werde es Ihnen gleich sagen«, sagte der Zeitreisende. »Ich fühle mich – seltsam! Bin gleich wieder in Ordnung.«

Er stellte sein Glas ab und ging auf die Tür zur Treppe zu. Wieder bemerkte ich seine Lahmheit und das weiche, dämpfende Geräusch seiner Schritte, und als ich mich aufrichtete, sah ich seine Füße, als er hinausging. Er trug nichts außer einem Paar zerfledderter, blutverschmierter Socken. Dann schloss sich die Tür hinter ihm. Ich wollte ihm fast folgen, bis ich mich daran erinnerte, dass er jegliches Aufsehen um seine Person verabscheute. Eine Minute lang war ich vielleicht in Gedanken versunken. Dann hörte ich den Redakteur sagen: »Merkwürdiges Verhalten eines angesehenen Wissenschaftlers«, wobei er (gemäß seiner Gewohnheit) an Schlagzeilen dachte. Und das lenkte meine Aufmerksamkeit zurück auf den hellen Esstisch.

»Was ist los mit ihm?«, fragte der Journalist. »Ist er unter die Bettler gegangen? Ich kann nicht folgen.« Ich begegnete dem Blick des Psychologen und las meine eigene Interpretation in seinem Gesicht. Ich dachte an den Zeitreisenden, der schmerzhaft die Treppe hinaufhumpelte. Ich glaube nicht, dass jemand anderes seine Lahmheit bemerkt hatte.

Der erste, der sich von dieser Überraschung erholte, war der Mediziner, der die Glocke nach den heißen Tellern läutete – der Zeitreisende hasste es, Diener beim Abendessen warten zu lassen. Daraufhin wandte sich der Redakteur mit einem Grunzen seinem Messer und seiner Gabel zu, und der Stille Mann folgte ihm. Das Abendessen wurde fortgesetzt. Das Gespräch verlief eine Zeit lang sehr laut, mit Lücken der Verwunderung, und dann wurde der Redakteur in seiner Neugierde glühend.

»Ergänzt unser Freund sein bescheidenes Einkommen als Straßenkehrer? Oder hat er seine Nebukadnezar-Phase?« erkundigte er sich.

»Ich bin mir sicher, dass es die Sache mit der Zeitmaschine ist«, sagte ich und nahm den Bericht des Psychologen über unser letztes Treffen auf.

Die neuen Gäste waren offen gesagt ungläubig. Der Redakteur erhob Einwände.

»Was war das für eine Zeitreise? Ein Mann kann sich doch nicht mit Staub bedecken, indem er sich in einem Paradoxon wälzt, oder?« Und dann, als ihm die Idee kam, griff er zur Karikatur. Gab es denn in der Zukunft keine Kleiderbürsten?

Auch der Journalist wollte um keinen Preis glauben und schloss sich dem Redakteur der einfachen Arbeit an, die ganze Sache ins Lächerliche zu ziehen. Sie waren beide die neue Art von Journalisten – sehr fröhliche, pietätlose junge Männer.

»Unser Sonderkorrespondent von übermorgen berichtet«, sagte der Journalist – oder besser gesagt rief –, als der Zeitreisende zurückkam. Er trug normale Abendgarderobe, und von der Veränderung, die mich erschreckt hatte, war nichts übrig geblieben außer seinem hageren Blick.

»Ich sage«, sagte der Redakteur lachend, »diese Burschen hier sagen, Sie seien bis Mitte nächster Woche gereist! Erzählen Sie uns alles über den kleinen Rosebery, ja? Was verlangen Sie für alles?«

Der Zeitreisende kam ohne ein Wort an den für ihn reservierten Platz. Er lächelte leise, auf seine alte Art. »Wo ist mein Hammel?«, sagte er. »Wie schön es ist, wieder eine Gabel in Fleisch zu stecken!«

»Geschichte!«, rief der Redakteur.

»Von wegen Geschichte!«, sagte der Zeitreisende. »Ich will etwas zu essen haben. Ich werde kein Wort sagen, bevor ich nicht etwas Pepton in meine Arterien bekommen habe. Danke. Und das Salz.«

»Ein Wort«, sagte ich. »Sind Sie in der Zeit gereist?«

»Ja«, sagte der Zeitreisende mit vollem Mund und nickte mit dem Kopf.

»Ich würde einen Schilling pro Zeile für eine wortgetreue Notiz geben«, sagte der Redakteur.

Der Zeitreisende schob sein Glas in Richtung des Stillen Mannes und brachte es mit seinem Fingernagel zum Klingen, woraufhin der Stille Mann, der sein Gesicht angestarrt hatte, krampfhaft zuckte und ihm Wein einschenkte. Der Rest des Abendessens verlief unangenehm. Mir selbst lagen immer wieder plötzliche Fragen auf den Lippen, und ich wage zu behaupten, dass es den anderen auch so ging. Der Journalist versuchte, die Spannung abzubauen, indem er Anekdoten über Hettie Potter erzählte. Der Zeitreisende widmete seine Aufmerksamkeit seinem Abendessen und zeigte den Appetit eines Landstreichers. Der Mediziner rauchte eine Zigarette und beobachtete den Zeitreisenden durch seine Wimpern. Der Stille Mann wirkte noch unbeholfener als sonst und trank aus purer Nervosität mit Regelmäßigkeit und Entschlossenheit Champagner.

Schließlich schob der Zeitreisende seinen Teller beiseite und sah sich um. »Ich glaube, ich muss mich entschuldigen«, sagte er. »Ich war einfach am Verhungern. Ich hatte eine höchst erstaunliche Zeit.« Er streckte seine Hand nach einer Zigarre aus und schnitt das Ende ab. »Aber kommen Sie ins Raucherzimmer. Es ist eine zu lange Geschichte, um sie über fettigen Tellern zu erzählen.« Er läutete im Vorbeigehen die Glocke und wies den Weg in den Nebenraum.

»Sie haben Blank, Dash und Chose von der Maschine erzählt?«, sagte er zu mir, lehnte sich in seinem Sessel zurück und nannte die drei neuen Gäste.

»Aber das Ding ist ein reines Paradoxon«, sagte der Redakteur.

»Ich kann mich heute Abend nicht streiten. Es macht mir nichts aus, Ihnen die Geschichte zu erzählen, aber ich kann mich nicht streiten. Ich werde«, fuhr er fort, »Ihnen die Geschichte, die mir widerfahren ist, erzählen, wenn Sie wollen, aber Sie dürfen mich nicht unterbrechen. Ich möchte sie erzählen. Unbedingt. Das meiste wird wie eine Lüge klingen. So soll es sein! Es ist die Wahrheit – jedes Wort davon. Ich war um vier Uhr in meinem Labor, und seither … habe ich acht Tage gelebt … Tage, wie sie kein Mensch je zuvor gelebt hat! Ich bin erschöpft, aber ich werde nicht schlafen, bis ich Ihnen diese Sache erzählt habe. Dann werde ich zu Bett gehen. Aber keine Unterbrechungen! Ist das abgemacht?«

»Einverstanden«, sagte der Redakteur, und der Rest von uns stimmte mit »Einverstanden« zu.

Und damit begann der Zeitreisende seine Geschichte, wie ich sie geschildert habe. Zuerst lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und sprach wie ein müder Mann. Danach wurde er lebhafter. Wenn ich das niederschreibe, spüre ich nur zu deutlich die Unzulänglichkeit von Feder und Tinte – und vor allem meine eigene Unzulänglichkeit –, um seine Qualität auszudrücken. Sie lesen, nehme ich an, aufmerksam genug, aber Sie können weder das weiße, aufrichtige Gesicht des Sprechers im hellen Kreis der kleinen Lampe sehen, noch die Intonation seiner Stimme hören. Sie können nicht wissen, wie sein Gesichtsausdruck den Wendungen seiner Erzählung folgte! Die meisten von uns Zuhörern befanden sich im Schatten, denn die Kerzen in der Rauchstube waren nicht angezündet worden, und nur das Gesicht des Journalisten und die Beine des Stillen von den Knien abwärts waren beleuchtet. Anfangs blickten wir uns hin und wieder an. Nach einiger Zeit hörten wir damit auf und fixierten nur noch das Gesicht des Zeitreisenden.

Kapitel 3

Die Reise

Lesezeit ca. 10 min

»Letzten Donnerstag habe ich einigen von Ihnen von den Prinzipien der Zeitmaschine erzählt und sie Ihnen selbst gezeigt, unvollständig in der Werkstatt. Da steht sie nun, ein wenig abgenutzt – wahrlich. Eine der Elfenbeinstangen ist gesprungen und eine Messingschiene verbogen, aber der Rest ist intakt. Ich erwartete, sie am Freitag fertigzustellen. Aber am Freitag, als ich mit dem Zusammenbau fast fertig war, stellte ich fest, dass einer der Nickelstäbe genau einen Zoll zu kurz war, und den musste ich neu anfertigen lassen, sodass sie erst heute Morgen fertig wurde. Heute um zehn Uhr begann die erste aller Zeitmaschinen ihre Karriere. Ich klopfte sie ein letztes Mal ab, probierte alle Schrauben noch einmal aus, gab noch einen Tropfen Öl auf den Quarzstab und setzte mich in den Sattel. Ich nehme an, ein Selbstmörder, der sich eine Pistole an den Schädel hält, empfindet die gleiche Verwunderung über das, was als Nächstes kommen wird, wie ich damals. Ich nahm den Starthebel in die eine und den Stopphebel in die andere Hand, drückte den ersten und unmittelbar auch den zweiten. Ich schien zu taumeln, spürte ein albtraumhaftes Gefühl des Fallens, und als ich mich umschaute, sah ich das Labor genau so wie vorher. War etwas passiert? Einen Moment lang vermutete ich, dass mein Verstand mich getäuscht hatte. Dann bemerkte ich die Uhr. Eben noch, so schien es, war es etwa eine Minute nach zehn gewesen – jetzt war es fast halb drei!

Ich holte tief Luft, biss die Zähne zusammen, griff mit beiden Händen nach dem Starthebel und fuhr mit einem dumpfen Knall los. Das Labor wurde unklar und verdunkelte sich. Mrs. Watchett kam herein und ging, anscheinend ohne mich zu sehen, zur Gartentür. Ich schätze, sie brauchte etwa eine Minute, um den Raum zu durchqueren, aber mir schien sie wie eine Rakete durch den Raum zu schießen. Ich drückte den Hebel in seine äußerste Position. Die Nacht kam wie das Verlöschen einer Lampe, und in einem anderen Moment kam der Morgen. Das Labor wurde blass und dunstig, dann schwächer und immer schwächer. Der folgende Tag wurde schwarz, dann wieder Tag, wieder Nacht, wieder Tag, schneller und schneller. Ein wirbelndes Gemurmel erfüllte meine Ohren, und eine seltsame, stumme Verwirrung legte sich auf meinen Geist.

Ich fürchte, ich kann die besonderen Empfindungen des Zeitreisens nicht vermitteln. Sie sind außerordentlich unangenehm. Es ist genau das gleiche Gefühl, das man auf einer Achterbahn hat – ein hilfloses Vorwärtsstürmen! Ich spürte die gleiche schreckliche Vorahnung eines bevorstehenden Zusammenstoßes. Als ich an Tempo zulegte, folgte die Nacht dem Tag wie der Schlag eines schwarzen Flügels. Die düstere Andeutung des Labors schien bald von mir abzufallen, und ich sah die Sonne schnell über den Himmel hüpfen, sie jede Minute überspringen, und jede Minute einen Tag bedeuten. Ich nahm an, dass das Labor zerstört worden und ich ins Freie gekommen war. Ich hatte einen undeutlichen Eindruck von Gerüsten, aber ich war schon zu schnell unterwegs, um mir irgendwelcher sich bewegender Dinge bewusst zu sein. Die langsamste Schnecke, die je gekrochen ist, raste zu schnell für mich vorbei. Die blinkende Abfolge von Dunkelheit und Licht war für das Auge äußerst schmerzhaft. In der zwischenzeitlichen Dunkelheit sah ich den Mond, der sich schnell durch seine Viertel drehte, von neu bis voll, und hatte einen schwachen Blick auf die kreisenden Sterne. Als ich weiterging und immer schneller wurde, verschmolz der Wechsel von Nacht und Tag zu einem einzigen, ununterbrochenen Grau; der Himmel nahm eine wunderbare, tiefblaue Farbe an, eine herrlich leuchtende Farbe wie die der frühen Dämmerung; die zuckende Sonne wurde zu einem Feuerstreifen, einem leuchtenden Bogen im Raum; der Mond zu einem schwächeren, schwankenden Band, und von den Sternen konnte ich nichts sehen, außer hin und wieder einen helleren Kreis, der im Blau flackerte.

Die Landschaft war neblig und undeutlich. Ich befand mich immer noch auf dem Hügel, auf dem dieses Haus jetzt steht, und die Schulter erhob sich grau und düster über mir. Ich sah Bäume, die wie Dampfschwaden wuchsen und sich veränderten, mal braun, mal grün; sie wuchsen, breiteten sich aus, zitterten und verschwanden. Ich sah riesige Gebäude, die sich schwach und hell erhoben und wie Träume vergingen. Die ganze Oberfläche der Erde schien sich zu verändern – sie schmolz und floss unter meinen Augen. Die kleinen Zeiger auf den Zifferblättern, die meine Geschwindigkeit anzeigten, drehten sich schneller und schneller. Bald bemerkte ich, dass sich der Sonnengürtel von Sonnenwende zu Sonnenwende in einer Minute oder weniger auf und ab bewegte und dass meine Geschwindigkeit folglich mehr als ein Jahr pro Minute betrug. Minute für Minute blitzte der weiße Schnee über die Welt, verschwand und wurde von dem hellen, kurzen Grün des Frühlings gefolgt.

Die unangenehmen Empfindungen des Anfangs waren jetzt weniger heftig. Sie gingen schließlich in eine Art hysterischen Rausch über. Ich bemerkte zwar ein unbeholfenes Schwanken der Maschine, das ich mir nicht erklären konnte. Aber mein Geist war zu verwirrt, um darauf zu achten, und so stürzte ich mich mit einer Art Wahnsinn in die Zukunft. Zuerst dachte ich kaum daran, anzuhalten, dachte an nichts anderes als an diese neuen Empfindungen. Doch bald wuchs eine neue Reihe von Eindrücken in mir heran – eine gewisse Neugierde und damit auch ein gewisses Grauen – bis sie mich schließlich ganz in Besitz nahmen. Was für seltsame Entwicklungen der Menschheit, was für wunderbare Fortschritte gegenüber unserer rudimentären Zivilisation, dachte ich, würden sich nicht zeigen, wenn ich die trübe, schwer fassbare Welt, die sich vor meinen Augen bewegte, näher betrachten würde! Ich sah große und prächtige Bauwerke um mich herum aufsteigen, massiver als alle Gebäude unserer Zeit, und doch, wie es schien, aus Schimmer und Nebel gebaut. Ich sah, wie ein sattes Grün den Hang hinauffloss und dort ohne jede winterliche Unterbrechung stehen blieb. Selbst durch den Schleier meiner Verwirrung hindurch schien die Erde sehr schön zu sein. Und so kam ich auf die Idee, anzuhalten.

Das besondere Risiko lag in der Möglichkeit, dass ich in dem Raum, den ich oder die Maschine einnahmen, irgendeine Substanz fand. Solange ich mit hoher Geschwindigkeit durch die Zeit reiste, spielte das kaum eine Rolle; ich war sozusagen verdünnt. Ich glitt wie Dampf durch die Zwischenräume der dazwischenliegenden Substanzen! Aber zum Stillstand zu kommen, bedeutete, dass ich mich Molekül für Molekül in das einklemmen musste, was mir im Weg lag. Es bedeutete, meine Atome in so engen Kontakt mit denen des Hindernisses zu bringen, dass eine tiefgreifende chemische Reaktion – möglicherweise eine weitreichende Explosion – daraus resultieren und mich und meinen Apparat aus allen möglichen Dimensionen heraussprengen würde – ins Unbekannte. Diese Möglichkeit war mir immer wieder in den Sinn gekommen, während ich die Maschine baute, aber damals hatte ich sie fröhlich als unvermeidbares Risiko akzeptiert – eines der Risiken, die ein Mann eingehen muss! Jetzt, da das Risiko unumgänglich war, sah ich es nicht mehr in demselben fröhlichen Licht. Denn die absolute Fremdartigkeit des Ganzen, das unangenehme Rütteln und Schwanken der Maschine und vor allem das Gefühl, ständig zu fallen, hatten mir unwillkürlich den Nerv geraubt. Ich sagte mir, dass ich niemals anhalten könnte, und mit einem Anflug von Gereiztheit beschloss ich, sofort anzuhalten. Wie ein ungeduldiger Narr zerrte ich an dem Hebel, woraufhin sich das Ding überschlug und ich kopfüber durch die Luft geschleudert wurde.

In meinen Ohren klang es wie ein Donnerschlag. Ich war wohl einen Moment lang wie betäubt. Um mich herum zischte ein erbarmungsloser Hagel, und ich saß auf dem weichen Rasen vor der umgekippten Maschine. Alles schien noch grau zu sein, aber bald bemerkte ich, dass die Verwirrung in meinen Ohren verschwunden war. Ich sah mich um. Ich befand mich auf einer scheinbar kleinen Rasenfläche in einem Garten, umgeben von Rhododendronbüschen, und ich bemerkte, dass ihre malvenfarbenen und violetten Blüten unter dem Aufprall der Hagelkörner in einem Schauer herabfielen. Der abprallende, tanzende Hagel hing in einer Wolke über der Maschine und zog wie Rauch über den Boden. Im Handumdrehen war ich nass bis auf die Haut. ›Schöne Gastfreundschaft‹, sagte ich, ›für einen Mann, der unzählige Jahre gereist ist, um dich zu sehen‹.

In diesem Moment dachte ich, wie dumm ich war, nass zu werden. Ich stand auf und sah mich um. Eine kolossale Gestalt, die offenbar in einen weißen Stein gemeißelt war, ragte undeutlich hinter den Rhododendren durch den dunstigen Regen hervor. Aber alles andere auf der Welt war unsichtbar.

Meine Empfindungen sind schwer zu beschreiben. Als die Hagelsäulen dünner wurden, sah ich die weiße Gestalt immer deutlicher. Sie war sehr groß, denn eine Silberbirke berührte ihre Schulter. Sie war aus weißem Marmor und hatte die Form einer geflügelten Sphinx, aber die Flügel wurden nicht senkrecht an den Seiten getragen, sondern waren ausgebreitet, sodass sie zu schweben schien. Der Sockel, so schien es mir, war aus Bronze und dick mit Grünspan überzogen. Das Gesicht war mir zugewandt. Die blicklosen Augen schienen mich zu beobachten. Auf den Lippen war der schwache Schatten eines Lächelns zu erkennen. Es war stark verwittert, was einen unangenehmen Hauch von Krankheit vermittelte. Ich stand eine Weile da und schaute es an – vielleicht eine halbe Minute oder eine halbe Stunde. Es schien sich zu bewegen und wieder zu verschwinden, je nachdem, ob der Hagel dichter oder dünner vor ihm herfuhr. Ich riss meine Augen für einen Moment davon los und sah, dass der Hagelvorhang fadenscheinig geworden war und der Himmel sich mit dem Versprechen der Sonne aufhellte.

Ich blickte wieder zu der kauernden weißen Gestalt hinauf, und die ganze Kühnheit meiner Reise wurde mir plötzlich bewusst. Was würde zum Vorschein kommen, wenn der dunstige Vorhang weggezogen würde? Was könnte den Menschen nicht alles widerfahren sein? Was, wenn die Grausamkeit zu einer gemeinsamen Leidenschaft geworden wäre? Was, wenn die Rasse in dieser Zeit ihre Menschlichkeit verloren und sich zu etwas Unmenschlichem, Gefühllosen und überwältigend Mächtigem entwickelt hätte? Ich könnte wie ein wildes Tier aus der alten Welt erscheinen, nur noch schrecklicher und widerlicher, weil wir uns so ähnlich sind – eine widerliche Kreatur, die man unaufhörlich erschlagen muss.

Schon sah ich andere gewaltige Gebilde – riesige Gebäude mit verschlungenen Brüstungen und hohen Säulen, mit einem bewaldeten Hügel, der durch den nachlassenden Sturm schemenhaft auf mich zukam. Ich wurde von einer panischen Angst ergriffen. Verzweifelt wandte ich mich der Zeitmaschine zu und bemühte mich, sie neu zu justieren. Als ich dies tat, stießen die Sonnenstrahlen durch das Gewitter. Der graue Regenschauer wurde beiseite gefegt und verschwand wie der Schleier eines Gespenstes. Über mir, im intensiven Blau des Sommerhimmels, wirbelten einige schwache braune Wolkenfetzen ins Nichts. Die großen Gebäude um mich herum zeichneten sich klar und deutlich ab, glänzend von der Nässe des Gewitters und weiß hervorgehoben durch die ungeschmolzenen Hagelkörner, die sich entlang ihrer Bahnen auftürmten. Ich fühlte mich nackt in einer fremden Welt. Ich fühlte mich so, wie sich vielleicht ein Vogel in der klaren Luft fühlt, wenn er weiß, dass der Falke über ihm schwebt und herabstoßen wird. Meine Angst steigerte sich zur Raserei. Ich machte eine Atempause, biss die Zähne zusammen und griff erneut heftig mit Handgelenk und Knie nach der Maschine. Sie gab unter meinem verzweifelten Ansturm nach und kippte um. Sie schlug heftig gegen mein Kinn. Eine Hand auf dem Sattel, die andere auf dem Hebel, stand ich schwer keuchend in der Haltung, wieder aufzusteigen.

Aber mit der Aussicht auf einen schnellen Rückzugs erholte sich mein Mut. Ich schaute neugieriger und weniger ängstlich auf diese Welt der fernen Zukunft. In einer kreisrunden Öffnung, hoch oben in der Mauer des näheren Hauses, sah ich eine Gruppe von Gestalten, die in reiche, weiche Gewänder gekleidet waren. Sie hatten mich gesehen, und ihre Gesichter waren auf mich gerichtet.

Dann hörte ich Stimmen, die sich mir näherten. Aus dem Gebüsch bei der Weißen Sphinx kamen die Köpfe und Schultern von rennenden Männern. Einer von ihnen tauchte auf einem Weg auf, der direkt zu der kleinen Rasenfläche führte, auf der ich mit meiner Maschine stand. Es war eine schlanke Gestalt – vielleicht vier Fuß groß – bekleidet mit einer violetten Tunika, die in der Taille mit einem Ledergürtel zusammengehalten wurde. An den Füßen trug er Sandalen oder Kothurne, die ich nicht genau unterscheiden konnte. Seine Beine waren bis zu den Knien nackt, und sein Kopf war kahl. Als ich das bemerkte, fiel mir zum ersten Mal auf, wie warm die Luft war.

Er erschien mir als ein sehr schönes und anmutiges Geschöpf, aber unbeschreiblich zerbrechlich. Sein errötetes Gesicht erinnerte mich an die schönere Art von Schwindsüchtigen – jene hektische Schönheit, von der wir früher so viel gehört haben. Bei seinem Anblick gewann ich plötzlich wieder Zuversicht. Ich nahm meine Hände von der Maschine.

Kapitel 4

Die Eloi

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»In nächsten Moment standen wir uns gegenüber: ich und dieses zerbrechliche Ding aus der Zukunft. Er kam direkt auf mich zu und lächelte mir in die Augen. Das Fehlen jeglicher Anzeichen von Angst in seiner Haltung fiel mir sofort auf. Dann wandte er sich an die beiden anderen, die ihm folgten, und sprach zu ihnen in einer seltsamen, sehr sanften und flüssigen Sprache.

Es kamen noch andere, und bald war eine kleine Gruppe von vielleicht acht oder zehn dieser exquisiten Geschöpfe um mich herum. Einer von ihnen sprach mich an. Merkwürdigerweise kam mir in den Sinn, dass meine Stimme zu rau und tief für sie war. Ich schüttelte also den Kopf und deutete auf meine Ohren. Er trat einen Schritt vor, zögerte und berührte dann meine Hand. Dann spürte ich weitere weiche kleine Tentakel auf meinem Rücken und meinen Schultern. Sie wollten sich vergewissern, dass ich echt war. Es hatte überhaupt nichts Beunruhigendes an sich. In der Tat hatten diese hübschen kleinen Menschen etwas an sich, das Vertrauen erweckte: eine anmutige Sanftheit, eine gewisse kindliche Leichtigkeit. Außerdem sahen sie so zerbrechlich aus, dass ich mir vorstellen konnte, ein ganzes Dutzend von ihnen wie Kegel umzuwerfen. Aber ich machte eine plötzliche Bewegung, um sie zu warnen, als ich ihre kleinen rosafarbenen Hände die Zeitmaschine ertasten sah. Glücklicherweise erinnerte ich mich, als es noch nicht zu spät war, an eine Gefahr, die ich bis dahin vergessen hatte, und griff über die Stangen der Maschine, schraubte die kleinen Hebel ab, die sie in Bewegung setzen würden, und steckte sie in meine Tasche. Dann drehte ich mich wieder um, um zu sehen, was ich für die Kommunikation tun konnte.

Als ich ihre Gesichtszüge genauer betrachtete, sah ich einige weitere Besonderheiten in ihrer Dresdner-Porzellan-artigen Hübschheit. Ihr Haar, das gleichmäßig gelockt war, endete scharf im Nacken und an den Wangen; es gab nicht die geringste Andeutung davon im Gesicht, und ihre Ohren waren ungewöhnlich winzig. Die Münder waren klein, mit leuchtend roten, eher dünnen Lippen, und die kleinen Kinne liefen spitz zu. Die Augen waren groß und gütig, und – das mag von meiner Seite selbstgefällig erscheinen – ich hatte sogar den Eindruck, dass es ihnen an dem Interesse fehlte, das ich erwartet hätte.

Da sie keine Anstalten machten, mit mir zu kommunizieren, sondern einfach lächelnd um mich herumstanden und in leisen Tönen zueinander sprachen, begann ich das Gespräch. Ich zeigte auf die Zeitmaschine und auf mich selbst. Dann, als ich einen Moment zögerte, wie ich die Zeit ausdrücken sollte, zeigte ich auf die Sonne. Sofort folgte eine hübsche kleine Gestalt in lila-weißem Schachbrettmuster meiner Geste und imitierte dann, zu meinem Erstaunen, das Geräusch eines Donners.

Einen Moment lang war ich verblüfft, obwohl die Bedeutung seiner Geste klar war. Plötzlich kam mir die Frage in den Sinn: Waren diese Kreaturen Dummköpfe? Ihr werdet kaum verstehen, wie mich das getroffen hat. Sehen Sie, ich hatte immer damit gerechnet, dass die Menschen des Jahres achthundertzweitausend uns in Wissen, Kunst, allem unglaublich weit voraus sein würden. Plötzlich stellte mir einer von ihnen eine Frage, die zeigte, dass er sich auf dem intellektuellen Niveau eines unserer fünfjährigen Kinder befand – er fragte mich nämlich, ob ich in einem Gewitter von der Sonne gekommen sei! Das Urteil, das ich über ihre Kleidung, ihre zarten, leichten Gliedmaßen und ihre zerbrechlichen Gesichtszüge gefällt hatte, war damit hinfällig. Eine Welle der Enttäuschung durchströmte mein Gemüt. Einen Moment lang hatte ich das Gefühl, dass ich die Zeitmaschine umsonst gebaut hatte.

Ich nickte, zeigte auf die Sonne und gab ihnen eine so lebhafte Darstellung eines Donnerschlags, dass sie erschraken. Sie zogen sich alle etwa einen Schritt zurück und verbeugten sich. Dann kam einer lachend auf mich zu. Er trug eine Kette mit wunderschönen Blumen, die mir völlig neu waren, und legte sie mir um den Hals. Die Idee wurde mit wohlklingendem Jubel aufgenommen, und bald liefen sie alle hin und her, um Blumen zu holen, und warfen sie lachend auf mich, bis ich fast in Blüten erstickt war. Wer so etwas noch nie gesehen hat, kann sich kaum vorstellen, welch zarte und wunderbare Blumen unzählige Jahre der Kultivierung hervorgebracht hatten. Dann schlug jemand vor, ihr Spielzeug im nächstgelegenen Gebäude auszustellen, und so wurde ich an der Sphinx aus weißem Marmor vorbei, die mich die ganze Zeit über mit einem Lächeln über mein Erstaunen zu beobachten schien, zu einem riesigen grauen Gebäude aus behauenem Stein geführt. Während ich sie begleitete, kam mir die Erinnerung an meine zuversichtliche Erwartung einer zutiefst ernsten und intellektuellen Nachwelt mit unwiderstehlicher Heiterkeit in den Sinn.

Das Gebäude hatte einen riesigen Eingang und war insgesamt von kolossalen Ausmaßen. Am meisten beschäftigte mich natürlich die wachsende Schar kleiner Menschen und die großen offenen Portale, die schattenhaft und geheimnisvoll vor mir gähnten. Mein allgemeiner Eindruck von der Welt, die ich über ihren Köpfen sah, war eine verworrene Wüste aus schönen Büschen und Blumen: ein lange vernachlässigter und doch unkrautfreier Garten. Ich sah eine Reihe von hohen Rispen mit seltsamen weißen Blüten, die vielleicht einen Fuß breit waren, wenn man die wächsernen Blütenblätter betrachtete. Sie wuchsen wild verstreut zwischen den bunten Sträuchern, aber wie gesagt, ich habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht näher untersucht. Die Zeitmaschine stand verlassen auf dem Rasen zwischen den Rhododendren.

Der Bogen des Portals war reich geschnitzt, aber natürlich betrachtete ich die Schnitzereien nicht sehr genau, obwohl ich glaubte, Andeutungen von alten phönizischen Dekorationen zu sehen, als ich hindurchging, und es fiel mir auf, dass sie sehr stark gebrochen und verwittert waren. Mehrere hell gekleidete Menschen kamen mir in der Tür entgegen, und so traten wir ein: ich in schmuddeliger Kleidung aus dem neunzehnten Jahrhundert, grotesk genug aussehend, mit Blumen geschmückt und umgeben von einer wirbelnden Masse heller, zartfarbiger Gewänder und strahlend weißer Glieder, in einem melodiösen Wirbel von Lachen und lachender Rede.

Die große Tür öffnete sich in eine verhältnismäßig große Halle, die mit braunen Tüchern behängt war. Das Dach lag im Schatten, und die Fenster, teils mit farbigem Glas verglast, teils unverglast, ließen ein gedämpftes Licht herein. Der Fußboden bestand aus riesigen Blöcken eines sehr harten weißen Metalls, weder aus Platten noch aus Fliesen, und er war so stark abgenutzt, wie ich nach dem Hin- und Hergehen vergangener Generationen beurteilen konnte, dass er entlang der stärker frequentierten Wege tief ausgetreten war. Quer zur Längsrichtung standen unzählige Tische aus polierten Steinplatten, die vielleicht einen Fuß über den Boden ragten, und auf denen sich Haufen von Früchten befanden. Einige erkannte ich als eine Art hypertrophierte Himbeere und Orange, aber der größte Teil war fremdartig.

Zwischen den Tischen war eine große Anzahl von Kissen verstreut. Darauf setzten sich meine Führer und gaben mir ein Zeichen, es ihnen gleichzutun. Ohne großes Zeremoniell begannen sie, die Früchte mit den Händen zu essen, indem sie die Schalen und Stiele usw. in die runden Öffnungen an den Seiten der Tische warfen. Ich war nicht abgeneigt, ihrem Beispiel zu folgen, denn ich fühlte mich durstig und hungrig. Dabei sah ich mich in aller Ruhe im Saal um.

Und was mir vielleicht am meisten auffiel, war sein baufälliges Aussehen. Die Buntglasfenster, die nur ein geometrisches Muster zeigten, waren an vielen Stellen zerbrochen, und die Vorhänge, die am unteren Ende hingen, waren dick mit Staub bedeckt. Die Ecke des Marmortisches neben mir war zerbrochen. Dennoch war der Gesamteindruck äußerst reichhaltig und malerisch. Es waren vielleicht ein paar hundert Menschen, die in der Halle speisten, und die meisten von ihnen, die so nah wie möglich bei mir saßen, beobachteten mich mit Interesse; ihre kleinen Augen leuchteten über den Früchten, die sie aßen. Alle waren in das gleiche weiche und doch feste, seidige Material gekleidet.

Sie ernährten sich übrigens ausschließlich von Obst. Diese Menschen aus der fernen Zukunft waren strenge Vegetarier, und während ich bei ihnen war, musste ich mich trotz einiger fleischlicher Gelüste auch frugivor verhalten. In der Tat fand ich später heraus, dass Pferde, Rinder, Schafe und Hunde dem Ichthyosaurus in die Ausrottung gefolgt waren. Aber die Früchte waren sehr köstlich. Vor allem eine Frucht, die die ganze Zeit, in der ich dort war, Saison zu haben schien – ein mehliges Ding in einer dreiseitigen Schale – war besonders gut, und ich machte sie zu meinem Hauptnahrungsmittel. Anfangs war ich verwirrt von all diesen seltsamen Früchten und den seltsamen Blumen, die ich sah, aber später begann ich ihre Bedeutung zu erkennen.

(Aber ich erzähle Ihnen jetzt von meinem Obstessen in ferner Zukunft.) Sobald sich mein Appetit ein wenig gelegt hatte, beschloss ich, einen entschlossenen Versuch zu unternehmen, die Sprache dieser neuen Menschen zu lernen. Das war natürlich das nächste, was zu tun war. Die Früchte schienen mir ein geeigneter Ausgangspunkt zu sein, und ich hielt eine davon hoch und begann mit einer Reihe von fragenden Lauten und Gesten. Ich hatte beträchtliche Schwierigkeiten, mein Anliegen zu vermitteln. Zuerst wurden meine Bemühungen mit einem überraschten Blick oder unauslöschlichem Gelächter quittiert, aber bald schien ein blondes kleines Wesen meine Absicht zu begreifen und wiederholte einen Namen. Sie mussten sich gegenseitig die Sache ausführlich erklären, und meine ersten Versuche, die exquisiten kleinen Laute ihrer Sprache zu erzeugen, sorgten für große Erheiterung. Ich fühlte mich jedoch wie ein Lehrer inmitten von Kindern und blieb hartnäckig, und bald standen mir zumindest eine Reihe von Substantiven zur Verfügung; dann kam ich zu den Demonstrativpronomen und sogar zum Verb »essen«. Aber es war eine langsame Arbeit, und die kleinen Leute wurden bald müde und wollten von meinen Verhören weg, also beschloss ich, eher aus der Not heraus, sie ihre Lektionen in kleinen Dosen geben zu lassen, wenn sie Lust dazu hatten. Und es waren sehr kleine Dosen, wie ich fand, denn ich habe noch nie so träge und so leicht ermüdbare Menschen getroffen.

Bald entdeckte ich etwas Seltsames an meinen kleinen Gastgebern, nämlich ihr Desinteresse. Sie kamen zu mir mit eifrigen Schreien des Erstaunens, wie Kinder, aber wie Kinder hörten sie bald auf, mich zu untersuchen und schweiften davon, um sich ein anderes Spielzeug zu suchen. Als das Abendessen und meine Gesprächsanfänge beendet waren, bemerkte ich zum ersten Mal, dass fast alle, die mich anfangs umringt hatten, verschwunden waren. Es ist merkwürdig, wie schnell ich diese kleinen Leute zu ignorieren begann. Sobald mein Hunger gestillt war, ging ich wieder durch das Portal hinaus in die sonnenbeschienene Welt. Ich begegnete immer mehr dieser Zukunftsmenschen, die mir ein Stück weit folgten, über mich schwatzten und lachten und mich dann, nachdem sie freundlich gelächelt und gestikuliert hatten, wieder sich selbst überließen.

Die Stille des Abends herrschte über die Welt, als ich aus der großen Halle trat, und die Szene wurde vom warmen Schein der untergehenden Sonne erhellt. Zuerst war alles sehr verwirrend. Alles war so ganz anders als die Welt, die ich kannte – sogar die Blumen. Das große Gebäude, das ich verlassen hatte, lag am Hang eines breiten Flusstals, aber die Themse hatte sich vielleicht um eine Meile von ihrer jetzigen Position entfernt. Ich beschloss, auf den Gipfel eines etwa anderthalb Kilometer entfernten Bergrückens zu steigen, von dem aus ich einen weiteren Blick auf diesen unseren Planeten im Jahr achthundertzweitausendsiebenhundertundeins nach Christus werfen konnte. Denn das war, wie ich erklären sollte, das Datum, das die kleinen Zifferblätter meiner Maschine anzeigten.

Während ich ging, achtete ich auf jeden Eindruck, der den ruinösen Zustand der Welt erklären könnte, in dem ich sie vorfand – denn sie war ruinös. Ein kleines Stück den Hügel hinauf war zum Beispiel ein großer Granithaufen, der durch Aluminiummassen zusammengehalten wurde, ein riesiges Labyrinth aus steilen Wänden und zerklüfteten Trümmern, zwischen denen sich dicke Haufen sehr schöner pagodenartiger Pflanzen befanden – vielleicht Brennnessel –, die aber an den Blättern wunderschön braun gefärbt waren und nicht stechen konnten. Offensichtlich handelte es sich um die verfallenen Überreste eines großen Bauwerks, dessen Zweck ich nicht bestimmen konnte. Hier sollte ich später eine sehr merkwürdige Erfahrung machen – die erste Andeutung einer noch merkwürdigeren Entdeckung –, aber darüber werde ich an der richtigen Stelle sprechen.

Als ich mich von einer Terrasse aus, auf der ich mich eine Weile ausruhte, umschaute, stellte ich plötzlich fest, dass keine kleinen Häuser zu sehen waren. Offenbar war das einzelne Haus, vielleicht sogar der Haushalt, verschwunden. Hier und da standen palastartige Gebäude im Grünen, aber das Haus und das Cottage, die so charakteristisch für unsere englische Landschaft sind, waren verschwunden.

›Kommunismus‹, sagte ich zu mir selbst.

Und gleich darauf kam mir ein weiterer Gedanke. Ich blickte auf das halbe Dutzend kleiner Gestalten, die mir folgten. Dann erkannte ich blitzartig, dass sie alle die gleiche Kleidung, das gleiche weiche, haarlose Gesicht und die gleiche mädchenhafte Rundung der Glieder hatten. Es mag vielleicht seltsam erscheinen, dass ich das nicht schon früher bemerkt hatte. Aber alles war so seltsam. Jetzt sah ich die Tatsache klar und deutlich. In der Tracht und in allen Unterschieden der Beschaffenheit und des Auftretens, die heute die Geschlechter voneinander trennen, waren sich diese Menschen der Zukunft gleich. Und die Kinder schienen in meinen Augen nur die Miniaturen ihrer Eltern zu sein. Ich kam also zu dem Schluss, dass die Kinder dieser Zeit äußerst frühreif waren, zumindest körperlich, und ich fand später reichlich Bestätigung für meine Ansicht.

Als ich die Leichtigkeit und Sicherheit sah, in der diese Menschen lebten, hatte ich das Gefühl, dass diese große Ähnlichkeit der Geschlechter doch das war, was man erwarten würde; denn die Stärke des Mannes und die Sanftheit der Frau, die Institution der Familie und die Differenzierung der Berufe sind lediglich kämpferische Notwendigkeiten eines Zeitalters der physischen Kraft. Wo die Bevölkerung ausgeglichen und im Überfluss vorhanden ist, wird das Kinderkriegen eher zum Übel als zum Segen für den Staat. Wo Gewalt nur selten vorkommt und die Nachkommenschaft gesichert ist, gibt es weniger Notwendigkeit – ja, es gibt überhaupt keine Notwendigkeit – für eine effiziente Familie, und die Spezialisierung der Geschlechter in Bezug auf die Bedürfnisse ihrer Kinder verschwindet. Wir sehen einige Anfänge davon sogar in unserer eigenen Zeit, und in diesem zukünftigen Zeitalter war es vollendet. Ich muss Sie daran erinnern, dass dies damals meine Spekulation war. Später sollte ich erkennen, wie weit sie von der Realität entfernt ist.

Während ich über diese Dinge nachdachte, wurde meine Aufmerksamkeit von einem hübschen kleinen Bauwerk angezogen, das wie ein Brunnen unter einer Kuppel aussah. Ich dachte kurz darüber nach, wie seltsam es ist, dass Brunnen noch existieren, und nahm dann den Faden meiner Spekulationen wieder auf. Oben auf dem Hügel waren keine großen Gebäude zu sehen, und da meine Gehfähigkeit offensichtlich ein Wunder war, war ich bald zum ersten Mal allein. Mit einem seltsamen Gefühl der Freiheit und des Abenteuers stieß ich bis zum Kamm vor.

Dort fand ich eine Sitzgelegenheit aus einem gelben Metall, das ich nicht erkannte, das an einigen Stellen mit einer Art rosafarbenem Rost korrodiert und halb von weichem Moos überwuchert war; die Armlehnen waren so geformt und gefeilt, dass sie wie Greifenköpfe aussahen. Ich setzte mich darauf und betrachtete die weite Aussicht auf unsere alte Welt im Sonnenuntergang dieses langen Tages. Es war ein so lieblicher und schöner Anblick, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden, und der Westen war flammendes Gold, durchzogen von einigen horizontalen Streifen in Purpur und Karminrot. Unten lag das Tal der Themse, in dem der Fluss wie ein Band aus brüniertem Stahl lag. Ich habe bereits von den großen Palästen gesprochen, die inmitten des bunten Grüns verstreut lagen, einige in Ruinen, andere noch bewohnt. Hier und da erhob sich eine weiße oder silbrige Gestalt in dem verwilderten Garten der Erde, hier und da tauchte die scharfe vertikale Linie einer Kuppel oder eines Obelisken auf. Es gab keine Hecken, keine Zeichen von Eigentumsrechten, keine Anzeichen von Landwirtschaft; die ganze Erde war ein Garten geworden.

Als ich so sah, begann ich die Dinge, die ich gesehen hatte, zu interpretieren, und so, wie sie sich mir an diesem Abend darstellten, war meine Interpretation in etwa diese. (Im Nachhinein stellte ich fest, dass ich nur eine Halbwahrheit bekommen hatte – oder nur einen flüchtigen Blick auf eine Facette der Wahrheit.)

Es schien mir, als würde ich die Menschheit beim Abklingen erleben. Der rötliche Sonnenuntergang ließ mich an den Sonnenuntergang der Menschheit denken. Zum ersten Mal wurde mir eine merkwürdige Konsequenz der sozialen Anstrengungen bewusst, die wir gegenwärtig unternehmen. Und doch, wenn ich darüber nachdenke, ist es eine logische Konsequenz. Stärke ist das Ergebnis von Not. Sicherheit setzt eine Prämie auf Schwäche. Das Werk der Verbesserung der Lebensbedingungen – der wahre zivilisatorische Prozess, der das Leben immer sicherer macht – hatte sich stetig auf einen Höhepunkt zubewegt. Ein Triumph der geeinten Menschheit über die Natur folgte dem anderen. Dinge, die heute nur Träume sind, wurden zu Projekten, die bewusst in Angriff genommen und vorangetrieben wurden. Und die Ernte war das, was ich sah!

Schließlich befinden sich die sanitären Einrichtungen und die Landwirtschaft von heute noch in einem rudimentären Stadium. Die Wissenschaft unserer Zeit hat nur einen kleinen Teil des Krankheitsfeldes des Menschen in Angriff genommen, aber dennoch breitet sie ihre Tätigkeiten sehr beständig und beharrlich aus. Unsere Landwirtschaft und unser Gartenbau vernichten nur hier und da ein Unkraut und kultivieren vielleicht eine Handvoll gesunder Pflanzen, während sie die größere Zahl um die Balance kämpfen lassen. Wir verbessern unsere Lieblingspflanzen und -tiere – und das sind nur wenige – allmählich durch selektive Züchtung: jetzt ein neuer und besserer Pfirsich, jetzt eine kernlose Traube, jetzt eine süßere und größere Blume, jetzt eine bequemere Rinderrasse. Wir verbessern sie schrittweise, denn unsere Ideale sind vage und zögernd, und unser Wissen ist sehr begrenzt; denn auch die Natur ist schüchtern und langsam in unseren ungeschickten Händen. Eines Tages wird all dies besser organisiert sein. Das ist die Tendenz der Strömung, trotz der Strudel. Die ganze Welt wird intelligent, gebildet und kooperativ sein. Die Dinge werden sich immer schneller in Richtung der Unterwerfung der Natur bewegen. Am Ende werden wir weise und vorsichtig das Gleichgewicht des tierischen und pflanzlichen Lebens neu justieren, um unseren menschlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Diese Anpassung, sage ich, muss geschehen sein, im Raum der Zeit, den meine Maschine übersprungen hatte. Die Luft war frei von Mücken, die Erde frei von Unkraut oder Pilzen. Überall gab es Früchte und süße und herrliche Blumen. Leuchtende Schmetterlinge flogen hierhin und dorthin. Das Ideal der Präventivmedizin war erreicht. Die Krankheiten waren ausgerottet. Während meines gesamten Aufenthalts sah ich keine Anzeichen für ansteckende Krankheiten. Und ich werde Ihnen später sagen müssen, dass sogar der Prozess des Verfalls und der Verwesung durch diese Veränderungen tiefgreifend beeinflusst wurde.

Auch soziale Errungenschaften hatten sich eingestellt. Ich sah die Menschen in prächtigen Unterkünften untergebracht, herrlich gekleidet, und bis jetzt hatte ich sie noch nicht bei einer Arbeit angetroffen. Es gab keine Anzeichen eines Kampfes, weder eines sozialen noch eines wirtschaftlichen Kampfes. Das Geschäft, die Werbung, der Verkehr, der ganze Kommerz, der den Körper unserer Welt ausmacht, war verschwunden. An diesem goldenen Abend war es nur natürlich, dass ich mich auf die Idee eines sozialen Paradieses stürzte. Das Problem der Bevölkerungszunahme war gelöst, und die Bevölkerung hatte aufgehört, sich zu erhöhen, so vermutete ich.

Aber mit dieser Veränderung der Bedingungen gehen zwangsläufig Anpassungen an die Veränderung einher. Was ist die Ursache für die menschliche Intelligenz und Vitalität, es sei denn, die biologische Wissenschaft ist eine Ansammlung von Irrtümern? Not und Freiheit: Bedingungen, unter denen die Aktiven, Starken und Scharfsinnigen überleben und die Schwächeren untergehen. Bedingungen, die das loyale Bündnis tüchtiger Menschen, Selbstbeherrschung, Geduld und Entschlossenheit erfordern. Die Institution der Familie und die darin aufkommenden Emotionen, die heftige Eifersucht, die Zärtlichkeit für die Nachkommen, die elterliche Hingabe, fanden alle ihre Rechtfertigung und Unterstützung in den drohenden Gefahren für die Jugend. Wo liegen nun diese drohenden Gefahren? Es entsteht ein Gefühl, und es wird wachsen, gegen die Eifersucht in der Ehe, gegen die wilde Mutterschaft, gegen Leidenschaften aller Art; unnötige Dinge jetzt, und Dinge, die uns unangenehm sind, wilde Überbleibsel, Zwietracht in einem raffinierten und angenehmen Leben.

Ich dachte an die körperliche Schwäche der Menschen, ihren Mangel an Intelligenz und diese großen, üppigen Ruinen, und das bestärkte mich in meinem Glauben an eine vollkommene Eroberung der Natur. Denn nach dem Kampf kommt die Stille. Die Menschheit war stark, energisch und intelligent gewesen und hatte ihre üppige Lebenskraft eingesetzt, um die Bedingungen, unter denen sie lebte, zu verändern. Und nun kam die Reaktion auf die veränderten Bedingungen.

Unter den neuen Bedingungen des perfekten Komforts und der Sicherheit würde die rastlose Energie, die bei uns Stärke ist, zur Schwäche werden. Selbst in unserer Zeit sind bestimmte Neigungen und Wünsche, die einst zum Überleben notwendig waren, eine ständige Quelle des Scheiterns. Körperlicher Mut und die Liebe zum Kampf zum Beispiel sind für einen zivilisierten Menschen keine große Hilfe – sie können sogar hinderlich sein. Und in einem Zustand des körperlichen Gleichgewichts und der Sicherheit wäre Macht, sowohl geistige als auch körperliche, fehl am Platz. Unzählige Jahre lang gab es meiner Meinung nach keine Kriegsgefahr oder einzelne Gewalt, keine Gefahr durch wilde Tiere, keine zehrende Krankheit, die eine starke Konstitution erfordert hätte, und keine Notwendigkeit von Mühen. Für ein solches Leben sind die Schwachen ebenso gut gerüstet wie die Starken, ja sie sind nicht mehr schwach. Sie sind sogar besser ausgerüstet, denn die Starken würden von einer Energie erdrückt werden, für die es kein Ventil gibt. Zweifellos war die exquisite Schönheit der Gebäude, die ich sah, das Ergebnis des letzten Anstiegs der nun zwecklosen Energie der Menschheit, bevor sie sich in vollkommener Harmonie mit den Bedingungen, unter denen sie lebte, niederließ – die Blüte jenes Triumphes, der den letzten großen Frieden einleitete. Das ist immer das Schicksal der Energie in Sicherheit gewesen; sie geht in die Kunst und in die Erotik, und dann kommen Trägheit und Verfall.

Selbst dieser künstlerische Impuls würde schließlich absterben – war in der Zeit, die ich sah, fast gestorben. Sich mit Blumen zu schmücken, zu tanzen, im Sonnenlicht zu singen: so viel war vom künstlerischen Geist übrig, und nicht mehr. Selbst das würde am Ende in einer zufriedenen Untätigkeit verblassen. Wir werden auf dem Schleifstein des Schmerzes und der Notwendigkeit gehalten, und es schien mir, dass hier dieser hasserfüllte Schleifstein endlich zerbrochen war!

Als ich in der hereinbrechenden Dunkelheit dastand, dachte ich, dass ich mit dieser einfachen Erklärung das Problem der Welt gemeistert hatte – das ganze Geheimnis dieser feinen Menschen ergründet hatte. Möglicherweise waren die Kontrollen, die sie sich für die Bevölkerungszunahme ausgedacht hatten, zu gut gelungen, und ihre Zahl hatte sich eher verringert als stabil gehalten. Das wäre die Erklärung für die verlassenen Ruinen. Meine Erklärung war sehr einfach und plausibel – wie die meisten falschen Theorien!

Kapitel 5

Die Morlocks

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»Als ich so dastand und über diesen allzu vollkommenen Triumph des Menschen nachdachte, stieg der gelbe Dreiviertelmond aus einem Überfluss an silbernem Licht im Nordosten auf. Die hellen kleinen Gestalten hörten auf, sich unter mir zu bewegen, eine geräuschlose Eule huschte vorbei und ich fröstelte vor der Kälte der Nacht. Ich beschloss, hinabzusteigen und einen Platz zum Schlafen zu suchen.

Ich suchte nach dem Gebäude, das ich kannte. Dann wanderte mein Blick zu der Gestalt der Weißen Sphinx auf dem bronzenen Sockel, die im Licht des aufgehenden Mondes immer deutlicher wurde. Ich konnte die Silberbirke dagegen sehen. Da war das Gewirr von Rhododendronbüschen, schwarz im fahlen Licht, und da war der kleine Rasen. Ich blickte noch einmal auf den Rasen. Ein seltsamer Zweifel erschreckte meine Selbstzufriedenheit. ›Nein‹, sagte ich fest zu mir selbst, ›das war nicht der Rasen.‹

Aber es war der Rasen. Denn das weiße, aussätzige Gesicht der Sphinx war darauf gerichtet. Können Sie sich vorstellen, was ich fühlte, als mir diese Überzeugung bewusst wurde? Natürlich nicht. Die Zeitmaschine war weg!

Auf einmal, wie ein Schlag ins Gesicht, bestand die Möglichkeit, meine eigene Zeit zu verlieren und in dieser fremden neuen Welt hilflos zu sein. Der bloße Gedanke daran war ein echtes körperliches Gefühl. Ich spürte, wie er mich an der Kehle packte und mir den Atem raubte. Im nächsten Moment rannte ich, in einem Anfall von Angst, mit großen Sprüngen den Abhang hinunter. Einmal stürzte ich kopfüber und schnitt mir ins Gesicht. Ich verlor keine Zeit, die Blutung zu stillen, sondern sprang auf und rannte weiter, wobei mir ein warmes Rinnsal über Wange und Kinn lief. Während ich rannte, sagte ich mir immer wieder: ›Sie haben sie nur ein wenig bewegt. Sie unter die Büsche geschoben, damit sie nicht mehr im Weg ist.‹

Trotzdem rannte ich mit aller Kraft. Mit der Gewissheit, die manchmal mit übermäßiger Angst einhergeht, wusste ich die ganze Zeit, dass diese Gewissheit töricht war. Wusste instinktiv, dass die Maschine außerhalb meiner Reichweite war. Jeder Atemzug schmerzte. Ich schätze, dass ich die ganze Strecke vom Hügelkamm bis zu der kleinen Rasenfläche, vielleicht zwei Meilen, in zehn Minuten zurückgelegt habe. Und ich bin kein junger Mann mehr. Während ich rannte, fluchte ich laut über meine vertrauensvolle Torheit, die Maschine zu verlassen und dabei meinen guten Atem zu verschwenden. Ich rief laut, aber niemand antwortete. Kein einziges Wesen schien sich in dieser mondbeschienenen Welt zu rühren.

Als ich die Rasenfläche erreichte, wurden meine schlimmsten Befürchtungen wahr. Es war keine Spur von der Maschine zu sehen. Ich fühlte mich ohnmächtig und fror, als ich mich dem leeren Raum zwischen dem schwarzen Gewirr von Büschen gegenübersah. Ich rannte wütend darum herum, als ob die Maschine in einer Ecke versteckt sein könnte, und blieb dann abrupt stehen, mit den Händen in den Haaren. Über mir ragte die Sphinx auf dem bronzenen Sockel: weiß, leuchtend, aussätzig, im Licht des aufgehenden Mondes. Sie schien meiner Bestürzung spöttisch entgegenzulächeln.

Ich hätte mich damit trösten können, dass ich mir vorstellte, die kleinen Leute hätten die Maschine für mich in eine Art Schutzraum gestellt, wenn ich mich nicht von ihrer körperlichen und geistigen Unzulänglichkeit überzeugt hätte. Das war es, was mich bestürzte: das Gefühl einer bisher ungeahnten Macht, durch deren Eingreifen meine Erfindung verschwunden war. Doch in einem Punkt war ich mir sicher: wenn nicht ein anderes Zeitalter ein exaktes Duplikat hergestellt hätte, hätte sich die Maschine nicht in der Zeit bewegen können. Die Befestigung der Hebel – ich werde Ihnen die Methode später zeigen – verhinderte, dass sich jemand auf diese Weise an ihr zu schaffen machte, wenn sie entfernt wurde. Sie hatte sich bewegt und war nur im Raum versteckt. Aber wo könnte sie sein?

Ich glaube, ich muss eine Art Wutanfall gehabt haben. Ich erinnere mich, wie ich zwischen den mondbeschienenen Büschen rund um die Sphinx hin und her rannte und dabei ein weißes Tier aufschreckte, das ich im schwachen Licht für ein kleines Reh hielt. Ich erinnere mich auch, wie ich spät in der Nacht mit der geballten Faust auf die Büsche einschlug, bis meine Knöchel aufgeschürft waren und von den gebrochenen Zweigen bluteten. Dann ging ich schluchzend und tobend in meiner Seelenpein hinunter zu dem großen Gebäude aus Stein. Die große Halle war dunkel, still und verlassen. Ich rutschte auf dem unebenen Boden aus und fiel über einen der Malachittische, wobei ich mir fast das Schienbein brach. Ich zündete ein Streichholz an und ging weiter, vorbei an den staubigen Vorhängen, von denen ich Ihnen erzählt habe.

Dort fand ich einen zweiten großen Saal, der mit Kissen bedeckt war, auf denen ein paar der kleinen Leute schliefen. Zweifellos fanden sie mein zweites Erscheinen seltsam genug, als ich plötzlich aus der stillen Dunkelheit mit unartikulierten Geräuschen und dem Flackern eines Streichholzes auftauchte; denn sie hatten das Feuer vergessen. ›Wo ist meine Zeitmaschine?‹ begann ich und brüllte wie ein wütendes Kind, legte die Hände auf sie und schüttelte sie. Das muss für sie sehr seltsam gewesen sein. Einige lachten, die meisten sahen zutiefst verängstigt aus. Als ich sie um mich herumstehen sah, kam mir in den Sinn, dass ich das Dümmste tat, was mir unter den gegebenen Umständen möglich war, indem ich versuchte, das Gefühl der Angst wiederzubeleben. Denn aus ihrem Verhalten bei Tageslicht schloss ich, dass die Angst vergessen sein musste.

Ich warf das Streichholz auf den Boden, stieß einen der Leute um und stolperte wieder durch den großen Speisesaal hinaus ins Mondlicht. Ich hörte Schreie der Angst und ihre kleinen Füße rannten und stolperten in alle Richtungen. Ich erinnere mich nicht mehr an alles, was ich tat, als der Mond den Himmel hinaufkroch. Ich vermute, es war die Unerwartetheit meines Verlustes, die mich wahnsinnig machte. Ich fühlte mich hoffnungslos von meiner eigenen Art abgeschnitten – ein fremdes Tier in einer unbekannten Welt. Ich muss hin- und hergerissen gewesen sein, habe geschrien und Gott und das Schicksal angefleht. Ich erinnere mich an eine schreckliche Müdigkeit, als die lange Nacht der Verzweiflung verging; daran, dass ich an diesem und jenem unmöglichen Ort suchte; daran, dass ich zwischen mondbeschienenen Ruinen herumtastete und seltsame Kreaturen in den schwarzen Schatten berührte, und schließlich daran, dass ich in der Nähe der Sphinx auf dem Boden lag und vor absoluter Erbärmlichkeit weinte. Ich hatte nichts als Kummer und Elend übrig. Dann schlief ich ein, und als ich wieder aufwachte, war es voller Tag, und ein paar Spatzen hüpften um mich herum auf dem Rasen in Reichweite meines Arms.

Ich setzte mich in der Frische des Morgens auf und versuchte mich zu erinnern, wie ich dorthin gekommen war und warum ich ein so tiefes Gefühl der Verlassenheit und Verzweiflung hatte. Dann wurden mir die Dinge klar. Bei dem klaren, vernünftigen Tageslicht konnte ich meinen Umständen ins Gesicht sehen. Ich sah die wilde Torheit meiner nächtlichen Raserei und argumentierte mit mir selbst.

›Und wenn das Schlimmste eintritt?‹, fragte ich. ›Nehmen wir an, die Maschine ist verloren – vielleicht zerstört? Dann muss ich ruhig und geduldig sein: den Weg der Menschen lernen. Mir ein klares Bild von der Art und Weise meines Verlustes und den Mitteln zur Beschaffung von Material und Werkzeugen machen, damit ich am Ende vielleicht eine neue bauen kann. Das wäre vielleicht meine einzige Hoffnung, aber besser als zu verzweifeln. Und trotz allem war es eine schöne und seltsame Welt. Aber wahrscheinlich war die Maschine nur weggenommen worden. Trotzdem muss ich ruhig und geduldig sein, ihr Versteck finden und sie mit Gewalt oder List zurückholen.‹

Und damit rappelte ich mich auf und sah mich um, wo ich wohl baden könnte. Ich fühlte mich müde, steif und von der Reise verschmutzt. Die Frische des Morgens ließ mich nach gleicher Frische verlangen. Meine Gefühle waren erschöpft. Als ich meinen Geschäften nachging, wunderte ich mich sogar über meine intensive Aufregung in der Nacht. Ich untersuchte den Boden um den kleinen Rasen herum sorgfältig. Ich vergeudete einige Zeit mit unnützen Fragen, die ich, so gut es mir möglich war, an die kleinen Leute richtete, die vorbeikamen. Keiner von ihnen verstand meine Gesten. Einige waren einfach schwerfällig, andere hielten es für einen Scherz und lachten mich aus. Es war die schwierigste Aufgabe der Welt, meine Hände von ihren hübschen lachenden Gesichtern fernzuhalten. Es war ein törichter Impuls, aber der aus Angst und blinder Wut gezeugte Teufel war schlecht gebändigt und immer noch darauf erpicht, meine Verwirrung auszunutzen.

Die Grasnarbe gab mir einen besseren Ratschlag. Ich fand eine Furche darin, etwa in der Mitte zwischen dem Sockel der Sphinx und den Spuren meiner Füße, wo ich bei meiner Ankunft mit der umgestürzten Maschine gerungen hatte. Es gab noch andere Anzeichen für eine Entfernung, mit seltsamen schmalen Fußabdrücken, wie ich sie mir bei einem Faultier vorstellen könnte. Dies lenkte meine Aufmerksamkeit auf den Sockel. Er war, wie ich glaube gesagt zu haben, aus Bronze. Er war nicht einfach nur ein Block, sondern stark verziert mit tiefen, gerahmten Paneelen auf beiden Seiten. Ich ging hin und klopfte sie ab. Der Sockel war hohl. Als ich die Paneele sorgfältig untersuchte, stellte ich fest, dass sie nicht mit dem Rahmen verbunden waren. Es gab weder Griffe noch Schlüssellöcher, aber möglicherweise ließen sich die Paneele, wenn es sich um Türen handelte, wie ich annahm, von innen öffnen. Eine Sache war mir klar genug. Es bedurfte keiner großen geistigen Anstrengung, um zu folgern, dass sich meine Zeitmaschine in diesem Sockel befand. Aber wie sie dorthin kam, war ein anderes Problem.

Ich sah die Köpfe zweier orange gekleideter Menschen durch die Büsche und unter blühenden Apfelbäumen auf mich zukommen. Ich drehte mich lächelnd zu ihnen um und winkte sie zu mir. Sie kamen, und ich deutete auf den bronzenen Sockel, um meinen Wunsch zu äußern, ihn zu öffnen. Aber bei meiner ersten Geste in diese Richtung verhielten sie sich sehr seltsam. Ich weiß nicht, wie ich Ihnen ihren Ausdruck vermitteln soll. Stellen Sie sich vor, Sie würden einer zartbesaiteten Frau gegenüber eine grob unpassende Geste machen – so würden sie aussehen. Sie gingen weg, als hätten sie die letztmögliche Beleidigung erhalten. Als Nächstes versuchte ich es mit einem süß aussehenden kleinen Kerl in Weiß, mit genau demselben Ergebnis. Irgendwie führte sein Verhalten dazu, dass ich mich schämte. Aber wie Sie wissen, wollte ich die Zeitmaschine haben, und so versuchte ich es noch einmal bei ihm. Als er abdrehte, wie die anderen auch, gewann mein Temperament die Oberhand. In drei Schritten war ich hinter ihm, packte ihn am losen Teil seines Gewandes um den Hals und begann ihn in Richtung Sphinx zu zerren. Dann sah ich das Entsetzen und den Widerwillen in seinem Gesicht, und plötzlich ließ ich ihn los.

Aber ich war noch nicht besiegt. Ich schlug mit meiner Faust gegen die Bronzepaneele. Ich glaubte, etwas im Inneren zu hören – um genau zu sein, glaubte ich, ein Geräusch wie ein Kichern zu hören – aber ich muss mich geirrt haben. Dann holte ich einen großen Kieselstein aus dem Fluss und hämmerte so lange darauf herum, bis ich eine Spirale in den Verzierungen plattgedrückt hatte und der Grünspan sich in pulverförmigen Flocken ablöste. Die zarten kleinen Leute müssen mein Hämmern in stürmischen Ausbrüchen eine Meile entfernt auf beiden Seiten gehört haben, aber es kam nichts dabei heraus. Ich sah eine Schar von ihnen an den Hängen, die mich verstohlen ansahen. Heiß und müde setzte ich mich hin und beobachtete den Ort. Aber ich war zu unruhig, um lange zu wachen; ich bin zu abendländisch für eine lange Nachtwache. Ich könnte jahrelang an einem Problem arbeiten, aber vierundzwanzig Stunden lang untätig zu warten – das ist eine andere Sache.

Nach einiger Zeit stand ich auf und ging ziellos durch die Büsche wieder in Richtung des Hügels. ›Geduld‹, sagte ich zu mir selbst. ›Wenn du deine Maschine wiederhaben willst, musst du diese Sphinx in Ruhe lassen. Wenn sie dir die Maschine wegnehmen wollen, nützt es wenig, wenn du ihre Bronzepaneele zerstörst, und wenn nicht, bekommst du sie zurück, sobald du sie verlangen kannst. Zwischen all diesen unbekannten Dingen vor einem solchen Rätsel zu sitzen ist hoffnungslos. Das ist der Weg der Monomanie. Stell dich dieser Welt. Lerne ihre Wege, beobachte sie, hüte dich vor allzu voreiligen Vermutungen über ihre Bedeutung. Am Ende wirst du Hinweise auf all das finden.‹

Plötzlich kam mir die Komik der Situation in den Sinn: der Gedanke an die Jahre, die ich mit Studium und Arbeit verbracht hatte, um in das künftige Zeitalter zu gelangen, und jetzt meine leidenschaftliche Angst, aus ihm herauszukommen. Ich hatte mir die komplizierteste und hoffnungsloseste Falle gestellt, die je ein Mensch ersonnen hat. Obwohl es auf meine eigenen Kosten ging, konnte ich mir nicht helfen. Ich lachte laut auf.

Als ich durch den großen Palast ging, schien es mir, dass die kleinen Leute mich mieden. Vielleicht war es meine Einbildung, vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass ich an die bronzenen Tore hämmerte. Ich war mir jedoch ziemlich sicher, dass sie mir aus dem Weg gingen. Ich achtete jedoch darauf, keine Besorgnis zu zeigen und sie nicht zu verfolgen, und im Laufe von ein oder zwei Tagen kehrten die Dinge wieder zum alten Stand zurück. Ich machte so viele Fortschritte in der Sprache, wie ich konnte, und trieb meine Erkundungen hier und da voran. Entweder hatte ich etwas übersehen oder ihre Sprache war allzu einfach – sie bestand fast ausschließlich aus konkreten Substantiven und Verben. Es schien nur wenige, wenn überhaupt, abstrakte Begriffe zu geben, und auch die bildliche Sprache wurde kaum verwendet. Ihre Sätze waren in der Regel einfach und bestanden aus zwei Wörtern, und ich konnte nur die einfachsten Sätze wiedergeben oder verstehen. Ich beschloss, den Gedanken an meine Zeitmaschine und das Geheimnis der Bronzetüren unter der Sphinx so weit wie möglich in eine Ecke des Gedächtnisses zu verdrängen, bis mein wachsendes Wissen mich auf natürliche Weise zu ihnen zurückführen würde. Doch ein gewisses Gefühl, Sie werden verstehen, fesselte mich in einem Kreis von einigen Meilen um den Punkt meiner Ankunft.

Soweit ich sehen konnte, zeigte die ganze Welt denselben überschwänglichen Reichtum wie das Themse-Tal. Von jedem Hügel aus, den ich erklomm, sah ich dieselbe Fülle an prächtigen Gebäuden, die in Material und Stil unendlich variierten. Dasselbe Dickicht an immergrünen Tannen, dieselben blütenreichen Bäume und Baumfarne. Hier und da glänzte das Wasser wie Silber, und dahinter erhob sich das Land in blaue, sanfte Hügel, die in der Klarheit des Himmels verschwanden. Eine Besonderheit, die meine Aufmerksamkeit erregte, waren einige runde Brunnen, von denen einige, wie mir schien, sehr tief waren. Einer davon lag an dem Weg, der den Hügel hinaufführte, dem ich bei meinem ersten Spaziergang gefolgt war. Wie die anderen war er mit Bronze umrandet, kunstvoll gearbeitet und durch eine kleine Kuppel vor dem Regen geschützt. Als ich an der Seite dieser Brunnen saß und in die Dunkelheit hinabblickte, konnte ich weder einen Wasserschimmer sehen noch mit einem brennenden Streichholz eine Spiegelung hervorrufen. Aber in allen hörte ich ein bestimmtes Geräusch: ein dumpfes Klopfen, wie das Schlagen eines großen Motors, und ich entdeckte am Aufflackern meiner Streichhölzer, dass ein ständiger Luftstrom die Schächte hinunterströmte. Außerdem warf ich ein Stück Papier in den Schlund eines der Schächte, und anstatt langsam hinunterzuflattern, wurde es sofort schnell aus dem Blickfeld gesaugt.

Nach einiger Zeit kam ich dazu, diese Brunnen mit hohen Türmen in Verbindung zu bringen, die hier und da an den Hängen standen; denn über ihnen gab es oft ein solches Flimmern in der Luft, wie man es an einem heißen Tag über einem sonnenverbrannten Strand sieht. Alles zusammengenommen ließ mich auf ein ausgedehntes unterirdisches Belüftungssystem schließen, dessen wahre Bedeutung ich mir nur schwer vorstellen konnte. Zunächst war ich geneigt, es mit den sanitären Anlagen dieser Menschen in Verbindung zu bringen. Das war eine naheliegende Schlussfolgerung, aber sie war absolut falsch.

Und hier muss ich zugeben, dass ich während meiner Zeit in dieser realen Zukunft sehr wenig über Abflüsse, Glocken, Transportmittel und ähnliche Annehmlichkeiten gelernt habe. In einigen dieser Visionen von Utopien und kommenden Zeiten, die ich gelesen habe, gibt es eine Unmenge an Details über Gebäude und soziale Einrichtungen und so weiter. Aber während solche Details leicht zu erhalten sind, wenn man sich die ganze Welt in seiner Fantasie vorstellt, sind sie für einen wirklichen Reisenden inmitten solcher Realitäten, wie ich sie hier vorfand, völlig unzugänglich. Stellen Sie sich die Geschichte Londons vor, die ein Besucher aus Zentralafrika, zu seinem Stamm mitnehmen würde. Was wüsste er von Eisenbahngesellschaften, von sozialen Bewegungen, von Telefon- und Telegrafendrähten, von der Parcels Delivery Company, von Postanweisungen und dergleichen? Aber wir sollten doch wenigstens bereit sein, ihm diese Dinge zu erklären! Und selbst von dem, was er wusste, wie viel konnte er seinem unbereisten Freund begreiflich oder glaubhaft machen? Man bedenke, wie schmal die Kluft zwischen einem Afrikaner und einem Europäer unserer Zeit ist, und wie groß der Abstand zwischen mir und denen des Goldenen Zeitalters! Ich habe vieles wahrgenommen, was ich nicht gesehen habe und was zu meinem Trost beigetragen hat, aber abgesehen von einem allgemeinen Eindruck der automatischen Organisation fürchte ich, dass ich Ihnen nur sehr wenig von dem Unterschied vermitteln kann.

Was zum Beispiel die Bestattungen betrifft, so konnte ich weder Anzeichen für Krematorien noch für Gräber entdecken. Aber es kam mir der Gedanke, dass es möglicherweise irgendwo außerhalb des Bereichs meiner Erkundung Friedhöfe (oder Krematorien) geben könnte. Auch dies war eine Frage, die ich mir bewusst stellte, und meine Neugier war in diesem Punkt zunächst völlig unbefriedigt. Die Sache verwirrte mich, und ich sah mich veranlasst, eine weitere Bemerkung zu machen, die mich noch mehr verwirrte: dass es unter diesem Volk keine Alten und Gebrechlichen gab.

Ich muss gestehen, dass meine Zufriedenheit mit meinen ersten Theorien über eine automatische Zivilisation und eine dekadente Menschheit nicht lange anhielt. Aber ich konnte an nichts anderes denken. Lassen Sie mich meine Schwierigkeiten darlegen. Die verschiedenen großen Paläste, die ich erkundet hatte, waren reine Wohnräume, große Speisesäle und Schlafgemächer. Ich konnte keine Maschinen, keine Geräte irgendeiner Art finden. Dennoch waren diese Menschen in angenehme Stoffe gekleidet, die von Zeit zu Zeit erneuert werden mussten, und ihre Sandalen waren, obwohl sie nicht verziert waren, ziemlich komplexe Exemplare von Metallarbeiten. Irgendwie müssen solche Dinge ja hergestellt werden. Und die kleinen Leute zeigten keinerlei Anzeichen einer kreativen Neigung. Es gab keine Läden, keine Werkstätten, keine Anzeichen für Importe. Sie verbrachten ihre ganze Zeit damit, behutsam zu spielen, im Fluss zu baden, halb spielerisch Liebe zu machen, Obst zu essen und zu schlafen. Ich konnte nicht sehen, wie die Dinge am Laufen gehalten wurden.

Dann wieder die Zeitmaschine: etwas, von dem ich nicht wusste, was es war, hatte sie in den hohlen Sockel der Weißen Sphinx gebracht. Aber warum? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Auch diese wasserlosen Brunnen, diese flackernden Säulen. Ich fühlte, dass mir ein Hinweis fehlte. Ich fühlte mich … wie soll ich es ausdrücken? Stellen Sie sich vor, Sie würden eine Inschrift finden, mit Sätzen hier und da in hervorragendem Englisch, und dazwischen andere, die aus Wörtern, ja sogar aus Buchstaben bestehen, die Ihnen völlig unbekannt sind. Nun, am dritten Tag meines Besuchs präsentierte sich mir die Welt von achthundertzweitausendsiebenhundertundeins auf diese Weise!

An diesem Tag habe ich auch eine Art Freundschaft geschlossen. Es geschah, als ich einigen kleinen Leuten beim Baden in einem seichten Gewässer zusah, dass einer von ihnen einen Krampf bekam und stromabwärts zu treiben begann. Die Hauptströmung war ziemlich schnell, aber selbst für einen mäßigen Schwimmer nicht zu stark. Sie werden also eine Vorstellung von der seltsamen Unzulänglichkeit dieser Geschöpfe bekommen, wenn ich Ihnen sage, dass keiner den geringsten Versuch unternahm, das schwach schreiende kleine Ding zu retten, das vor ihren Augen ertrank. Als ich dies bemerkte, zog ich eilig meine Kleider aus, watete an einer tieferen Stelle hinein, fing das arme Bisschen auf und zog es sicher an Land. Ein leichtes Reiben der Gliedmaßen brachte sie bald wieder auf die Beine, und ich hatte die Genugtuung zu sehen, dass es ihr gut ging, bevor ich sie verließ. Ich hatte ihre Art so gering eingeschätzt, dass ich keine Dankbarkeit von ihr erwartete. Doch damit lag ich falsch.

Dies geschah am Morgen. Am Nachmittag traf ich meine kleine Frau – wie ich glaube, dass es war – als ich von einer Erkundung in Richtung meines Zentrums zurückkehrte, und sie empfing mich mit Freudenschreien und überreichte mir eine große Blumengirlande – offensichtlich für mich und nur für mich gemacht. Das hat meine Fantasie beflügelt. Möglicherweise hatte ich mich einsam gefühlt. Auf jeden Fall tat ich mein Bestes, um meine Wertschätzung für das Geschenk zu zeigen. Bald saßen wir zusammen in einer kleinen Steinlaube und unterhielten uns, wobei wir hauptsächlich lächelten. Die Freundlichkeit des Geschöpfes wirkte auf mich genauso wie die eines Kindes. Wir reichten uns gegenseitig Blumen, und sie küsste mir die Hände. Ich tat dasselbe bei ihr. Dann versuchte ich zu sprechen und fand heraus, dass ihr Name Weena war, was, obwohl ich nicht weiß, was er bedeutet, irgendwie passend genug erschien. Das war der Beginn einer merkwürdigen Freundschaft, die eine Woche dauerte, und endete – wie ich Ihnen erzählen werde!

Sie war wie ein Kind. Sie wollte immer bei mir sein. Sie versuchte, mir überallhin zu folgen, und bei meiner nächsten Reise wollte ich sie am liebsten ermüden und sie schließlich erschöpft und ziemlich klagend zurücklassen. Aber die Probleme der Welt mussten gemeistert werden. Ich war nicht in die Zukunft gekommen, sagte ich mir, um eine kleine Liebelei zu führen. Doch ihr Kummer, als ich sie verließ, war sehr groß, ihre Vorhaltungen beim Abschied waren manchmal rasend, und ich glaube, alles in allem hatte ich so viel Mühe wie Trost durch ihre Hingabe. Ich dachte, es sei nur kindliche Zuneigung, die sie an mir festhalten ließ. Bis es zu spät war, wusste ich nicht genau, was ich ihr angetan hatte, als ich sie verließ. Und bis es zu spät war, verstand ich auch nicht, was sie für mich war. Denn dadurch, dass sie mich nur zu mögen schien und auf ihre schwache, vergebliche Art zeigte, dass sie sich um mich sorgte, gab das kleine Püppchen von einem Geschöpf meiner Rückkehr in die Gegend der Weißen Sphinx fast das Gefühl nach Hause zu kommen, und ich hielt Ausschau nach ihrer winzigen Gestalt aus Weiß und Gold, sobald ich über den Hügel kam.

Von ihr lernte ich auch, dass die Angst die Welt noch nicht verlassen hatte. Bei Tageslicht war sie furchtlos, und hatte das seltsamste Vertrauen zu mir; denn einmal, in einem törichten Augenblick, machte ich ihr drohende Grimassen, und sie lachte nur darüber. Aber sie fürchtete die Dunkelheit, fürchtete Schatten, fürchtete schwarze Dinge. Die Dunkelheit war für sie das einzig Schreckliche. Es war ein besonders leidenschaftliches Gefühl, das mich zum Nachdenken und Beobachten brachte. Ich entdeckte dann unter anderem, dass sich diese kleinen Leute nach Einbruch der Dunkelheit in den großen Häusern versammelten und in Herden schliefen. Wenn man ihnen ohne Licht entgegentrat, versetzte man sie in einen Tumult der Beunruhigung. Ich habe nach Einbruch der Dunkelheit nie einen im Freien oder einen allein schlafenden Menschen in den Häusern gefunden. Doch ich war immer noch so ein Dummkopf, dass ich die Lektion dieser Angst nicht verstand, und trotz Weenas Verzweiflung bestand ich darauf, nicht in der Nähe dieser schlummernden Menschenmengen zu schlafen. Es beunruhigte sie sehr, aber am Ende siegte ihre seltsame Zuneigung zu mir, und in fünf der Nächte unserer Bekanntschaft, einschließlich der letzten Nacht, schlief sie mit ihrem Kopf auf meinem Arm. Aber meine Geschichte entgleitet mir, während ich von ihr erzähle.

Es muss in der Nacht vor ihrer Rettung gewesen sein, als ich bei Tagesanbruch geweckt wurde. Ich war unruhig gewesen und hatte geträumt, dass ich ertrunken war und dass Seeanemonen mit ihren weichen Palpen über mein Gesicht tasteten. Ich erwachte mit einem Schreck und mit der seltsamen Vorstellung, dass ein graues Tier gerade aus der Kammer gestürmt sei. Ich versuchte wieder einzuschlafen, aber ich fühlte mich unruhig und unbehaglich. Es war jene graue Stunde, in der die Dinge gerade aus der Dunkelheit hervorkriechen, in der alles farblos und klar und doch unwirklich ist. Ich stand auf, ging hinunter in die große Halle und trat auf die Steinplatten vor dem Palast. Ich dachte, ich würde aus der Not eine Tugend machen und den Sonnenaufgang sehen.

Der Mond ging unter, und das abnehmende Mondlicht und die erste Blässe der Morgendämmerung vermischten sich zu einem gespenstischen Halbdunkel. Die Sträucher waren tiefschwarz, der Boden düster grau, der Himmel farb- und trostlos. Und oben auf dem Hügel glaubte ich Gespenster zu sehen. Mehrmals sah ich weiße Gestalten, als mein Blick über den Hang flog. Zweimal glaubte ich, ein einzelnes weißes, affenartiges Wesen zu sehen, das ziemlich schnell den Hügel hinauflief, und einmal sah ich in der Nähe der Ruinen eine dreiköpfige Gruppe von ihnen, die einen dunklen Körper trug. Sie bewegten sich eilig. Ich sah nicht, was aus ihnen wurde. Es schien, als wären sie in den Büschen verschwunden. Die Morgendämmerung war noch undeutlich, das müssen Sie verstehen. Ich fühlte dieses kühle, unsichere Gefühl des frühen Morgens, das Sie vielleicht kennen. Ich zweifelte an meinen Augen.

Als der östliche Himmel heller wurde und das Licht des Tages und seine lebendige Färbung wieder auf die Welt zurückkehrten, suchte ich die Umgebung aufmerksam ab. Aber ich sah keine Spur von meinen weißen Gestalten. Sie waren nur Geschöpfe des Halblichts. ›Das müssen Gespenster gewesen sein‹, sagte ich. ›Ich frage mich, woher sie kamen‹. Denn mir kam ein seltsamer Gedanke von Grant Allen in den Sinn, der mich amüsierte. Wenn jede Generation stirbt und Geister hinterlässt, so argumentierte er, wird die Welt schließlich von ihnen überfüllt sein. Nach dieser Theorie wären sie in etwa achthunderttausend Jahren unzählig geworden, und es war kein großes Wunder, vier auf einmal zu sehen. Aber der Scherz war unbefriedigend, und ich dachte den ganzen Morgen an diese Figuren, bis Weenas Rettung sie aus meinem Kopf vertrieb. Ich assoziierte sie auf eine unbestimmte Weise mit dem weißen Tier, das ich bei meiner ersten leidenschaftlichen Suche nach der Zeitmaschine aufgeschreckt hatte. Aber Weena war ein angenehmer Ersatz. Trotzdem sollten sie bald einen viel tödlicheren Besitz von meinem Geist ergreifen.

Ich glaube, ich habe schon gesagt, dass das Wetter in diesem Goldenen Zeitalter viel heißer war als in unserem. Ich kann es nicht erklären. Es mag sein, dass die Sonne heißer war oder die Erde näher an der Sonne. Es ist üblich, anzunehmen, dass die Sonne in Zukunft immer kälter wird. Aber die Menschen, die mit solchen Spekulationen wie denen des jüngeren Darwin nicht vertraut sind, vergessen, dass die Planeten schließlich einer nach dem anderen in den Mutterkörper zurückfallen müssen. Wenn diese Katastrophen eintreten, wird die Sonne mit neuer Energie erstrahlen, und es kann sein, dass ein innerer Planet dieses Schicksal erlitten hat. Was auch immer der Grund sein mag: Tatsache ist, dass die Sonne sehr viel heißer war, als wir sie kennen.

Nun, an einem sehr heißen Morgen – ich glaube, es war mein vierter – als ich in einer kolossalen Ruine in der Nähe des großen Hauses, in dem ich schlief und mich ernährte, Schutz vor der Hitze und dem grellen Licht suchte, geschah etwas Seltsames. Ich kletterte zwischen den Steinhaufen hindurch und fand ein schmales Mauerwerk, dessen End- und Seitenfenster durch umgestürzte Steinmassen versperrt waren. Im Gegensatz zu der Helligkeit draußen erschien es mir zunächst undurchdringlich dunkel. Ich betrat es tastend, denn der Wechsel von Licht zu Finsternis ließ Farbflecken vor mir tanzen. Plötzlich blieb ich wie gebannt stehen. Ein Augenpaar, das durch die Reflexion gegen das Tageslicht leuchtete, beobachtete mich aus der Dunkelheit heraus.

Die alte instinktive Furcht vor wilden Tieren überkam mich. Ich ballte die Hände und blickte unverwandt in die glühenden Augäpfel. Ich hatte Angst, mich umzudrehen. Dann kam mir der Gedanke an die absolute Sicherheit, in der die Menschheit zu leben schien, in den Sinn. Und dann erinnerte ich mich an diese seltsame Furcht vor der Dunkelheit. Ich überwand meine Angst einigermaßen, trat einen Schritt vor und sprach. Ich gebe zu, dass meine Stimme rau und unbeherrscht war. Ich streckte meine Hand aus und berührte etwas Weiches. Sofort zuckten die Augen zur Seite, und etwas Weißes rannte an mir vorbei. Ich drehte mich mit dem Herzen im Mund um und sah eine seltsame kleine affenähnliche Gestalt, die, mit auf merkwürdige Weise gesenktem Kopf, über den sonnenbeschienenen Platz hinter mir rannte. Sie stieß gegen einen Granitblock, taumelte zur Seite und war im nächsten Moment in einem schwarzen Schatten unter einem anderen Haufen zerstörten Mauerwerks verborgen.

Mein Eindruck von ihr ist natürlich unvollkommen, aber ich weiß, dass sie mattweiß war und seltsame große graurote Augen hatte; außerdem hatte sie flachsblonde Haare auf dem Kopf und auf dem Rücken. Aber, wie gesagt, sie lief zu schnell, als dass ich es genau hätte sehen können. Ich kann nicht einmal sagen, ob sie auf allen Vieren lief oder nur mit sehr tief gehaltenen Unterarmen. Nach einem Augenblick des Innehaltens folgte ich ihr in den zweiten Trümmerhaufen. Zuerst konnte ich sie nicht finden, aber nach einiger Zeit stieß ich in der tiefen Dunkelheit auf eine jener runden, brunnenähnlichen Öffnungen, von denen ich Ihnen erzählt habe: halb verschlossen durch eine umgestürzte Säule. Da kam mir plötzlich ein Gedanke. Könnte dieses Ding in dem Schacht verschwunden sein? Ich zündete ein Streichholz an, und als ich hinunterschaute, sah ich ein kleines, weißes, sich bewegendes Wesen mit großen, leuchtenden Augen, das mich unentwegt ansah, während es sich zurückzog. Es ließ mich erschaudern. Es war einer menschlichen Spinne so ähnlich! Es kletterte die Wand hinunter, und jetzt sah ich zum ersten Mal eine Reihe von metallenen Fuß- und Handstützen, die eine Art Leiter im Schacht bildeten. Das Licht verbrannte mir die Finger, fiel mir aus der Hand und erlosch beim Fallen, und als ich ein neues anzündete, war das kleine Monster verschwunden.

Ich weiß nicht, wie lange ich dasaß und diesen Brunnen hinunterschaute. Es dauerte eine Weile, bis ich mich davon überzeugen konnte, dass dieses Ding, das ich gesehen hatte, menschlich war. Aber allmählich dämmerte mir die Wahrheit: dass der Mensch nicht eine einzige Gattung geblieben war, sondern sich in zwei verschiedene Tiere differenziert hatte: dass meine anmutigen Kinder der Oberwelt nicht die einzigen Nachkommen unserer Generation waren, sondern dass dieses bleiche, obszöne, nächtliche Ding, das vor mir aufgeblitzt war, ebenfalls Erbe aller Zeitalter war.

Ich dachte an die flackernden Säulen und an meine Theorie einer unterirdischen Lüftung. Ich begann, ihre wahre Bedeutung zu erahnen. Und was, so fragte ich mich, hatte dieser Lemur in meinem Plan einer perfekt ausgewogenen Organisation zu suchen? Was hatte er mit der trägen Gelassenheit der schönen Oberweltler zu tun? Und was war dort unten, am Fuße des Schachtes, verborgen? Ich setzte mich auf den Rand des Brunnens und sagte mir, dass es jedenfalls nichts zu fürchten gäbe und dass ich hinabsteigen müsse, um meine Schwierigkeiten zu lösen. Und doch hatte ich große Angst zu gehen! Während ich noch zögerte, kamen zwei der schönen Oberweltler in ihrem Liebesspiel durch das Tageslicht in den Schatten gerannt. Das Männchen verfolgte das Weibchen und warf ihr im Laufen Blumen zu.

Sie schienen beunruhigt zu sein, als sie mich mit dem Arm an der umgestürzten Säule, in den Brunnen blickend, fanden. Offenbar galt es als unhöflich, diese Öffnungen zu bemerken; denn als ich auf sie zeigte und versuchte, in ihrer Sprache eine Frage dazu zu stellen, waren sie noch sichtlich beunruhigter und wandten sich ab. Aber sie interessierten sich für meine Streichhölzer, und ich zündete einige an, um sie zu belustigen. Ich versuchte noch einmal mit ihnen über den Brunnen zu reden, und scheiterte erneut. So verließ ich sie bald und wollte zu Weena zurückkehren, um zu sehen, was ich von ihr erfahren könnte. Aber mein Verstand war bereits in Aufruhr. Meine Vermutungen und Eindrücke glitten und rutschten zu einer neuen Einstellung. Ich hatte jetzt einen Hinweis auf die Bedeutung dieser Brunnen, auf die Belüftungstürme, auf das Geheimnis der Geister; ganz zu schweigen von einem Hinweis auf die Bedeutung der Bronzetore und das Schicksal der Zeitmaschine! Und ganz vage gab es einen Hinweis auf die Lösung des wirtschaftlichen Problems, das mich verwirrt hatte.

Das war die neue Sichtweise. Offensichtlich war diese zweite Art von Mensch unterirdisch. Es waren vor allem drei Umstände, die mich zu der Annahme veranlassten, dass ihr seltenes Auftauchen an der Oberfläche das Ergebnis einer lange andauernden unterirdischen Lebensweise war. Erstens war da das gebleichte Aussehen, das die meisten Tiere haben, die überwiegend im Dunkeln leben – die weißen Fische in den Höhlen von Kentucky zum Beispiel. Zum anderen, die großen Augen mit ihrer Fähigkeit Licht zu reflektieren. Ein typisches Merkmal nachtaktiver Tiere, wie Eulen und Katzen. Und schließlich die offensichtliche Verwirrung im Sonnenschein, die eilige, aber unbeholfene Flucht in den dunklen Schatten und die eigentümliche Haltung des Kopfes im Licht – all das bestärkte die Theorie einer extremen Empfindlichkeit der Netzhaut.

Unter meinen Füßen muss die Erde also gewaltig untertunnelt sein, und diese Untertunnelungen waren der Lebensraum der neuen Rasse. Das Vorhandensein von Belüftungsschächten und Brunnen an den Berghängen – überall, außer entlang des Flusstals – zeigte, wie weitreichend ihre Verzweigungen waren. Was lag also näher, als anzunehmen, dass in dieser künstlichen Unterwelt die Arbeiten verrichtet wurden, die für den Komfort der Rasse des Tageslichts notwendig waren? Der Gedanke war so einleuchtend, dass ich ihn sofort akzeptierte und mich mit der Frage beschäftigte, wie es zu dieser Spaltung der menschlichen Gattung kam. Ich wage zu behaupten, dass Sie die Form meiner Theorie erahnen werden, obwohl ich für mich selbst sehr bald spürte, dass sie weit hinter der Wahrheit zurückblieb.

Zunächst schien es mir, ausgehend von den Problemen unserer Zeit, sonnenklar zu sein, dass die allmähliche Vergrößerung des gegenwärtigen, nur vorübergehenden und sozialen Unterschieds zwischen Kapitalisten und Arbeitern der Schlüssel zur gesamten Situation ist. Zweifelsohne wird es Ihnen grotesk genug erscheinen – und absolut unglaublich! Und doch, gibt es eine Tendenz, den unterirdischen Raum für die weniger dekorativen Zwecke der Zivilisation zu nutzen: es gibt zum Beispiel die Metropolitan Railway in London, es gibt neue elektrische Eisenbahnen, es gibt U-Bahnen, es gibt unterirdische Arbeitsräume und Restaurants, und sie nehmen zu und vermehren sich. Offensichtlich, so dachte ich, hatte diese Tendenz zugenommen, bis die Industrie allmählich ihr Geburtsrecht im Himmel verloren hatte. Ich meine, dass sie sich immer tiefer in immer größere unterirdische Fabriken zurückgezogen hat und immer mehr Zeit darin verbracht hat, bis sie am Ende …! Lebt ein Arbeiter im Osten nicht auch heute noch unter so künstlichen Bedingungen, dass er praktisch von der natürlichen Oberfläche der Erde abgeschnitten ist?

Wiederum führt die ausschließende Tendenz der reicheren Leute – die zweifellos auf die zunehmende Verfeinerung ihrer Bildung und die wachsende Kluft zwischen ihnen und der rohen Gewalt der Armen zurückzuführen ist – bereits dazu, dass in ihrem Interesse beträchtliche Teile der Landoberfläche geschlossen werden. Um London herum zum Beispiel ist vielleicht die Hälfte des schöneren Landes gegen Eindringlinge verschlossen. Und dieselbe wachsende Kluft – die auf die Länge und die Kosten des höheren Bildungsprozesses und die zunehmenden Möglichkeiten und Verlockungen zu raffinierten Gewohnheiten seitens der Reichen zurückzuführen ist – wird dazu führen, dass der Austausch zwischen den Klassen, nämlich die Förderung durch Heirat, die derzeit die Spaltung unserer Spezies entlang der Linien der sozialen Schichtung verzögert, immer seltener wird. Am Ende wird es also oberirdisch die Besitzenden geben, die nach Vergnügen, Komfort und Schönheit streben, und unterirdisch die Habenichtse, die Arbeiter, die sich ständig an die Bedingungen ihrer Arbeit anpassen. Sobald sie dort waren, mussten sie zweifellos Miete zahlen, und zwar nicht wenig, für die Belüftung ihrer Höhlen, und wenn sie sich weigerten, würden sie verhungern oder wegen Zahlungsrückständen erstickt werden. Diejenigen von ihnen, die so beschaffen waren, dass sie unglücklich und aufsässig waren, würden sterben, und am Ende, wenn das Gleichgewicht dauerhaft ist, würden die Überlebenden so gut an die Bedingungen des unterirdischen Lebens angepasst und auf ihre Weise so glücklich werden, wie die Menschen der Oberwelt an die ihren. Wie mir schien, folgten die verfeinerte Schönheit und die bleiche Blässe ganz natürlich.

Der große Triumph der Menschlichkeit, von dem ich geträumt hatte, nahm in meiner Vorstellung eine andere Gestalt an. Es war kein solcher Triumph der moralischen Erziehung und der allgemeinen Zusammenarbeit, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Stattdessen sah ich eine echte Aristokratie, die mit einer perfektionierten Wissenschaft bewaffnet war und das industrielle System von heute zu einem logischen Abschluss brachte. Ihr Triumph war nicht einfach ein Triumph über die Natur, sondern ein Triumph über die Natur und den Mitmenschen. Dies – ich muss Sie warnen – war meine damalige Theorie. Ich hatte keinen geeigneten Cicerone nach dem Muster der Utopischen Bücher. Meine Erklärung mag absolut falsch sein. Ich halte sie dennoch für die plausibelste. Aber selbst unter dieser Annahme müsste diese letztlich erreichte ausgewogene Zivilisation ihren Zenit längst überschritten haben und nun weit in den Verfall geraten sein. Die allzu vollkommene Sicherheit der Oberweltler hatte zu einer langsamen Bewegung der Degeneration, zu einem allgemeinen Schwinden von Größe, Kraft und Intelligenz geführt. Das konnte ich bereits deutlich genug sehen. Was mit den Unterirdischen geschehen war, ahnte ich noch nicht, aber nach dem, was ich von den Morlocks – so nannte man diese Wesen übrigens – gesehen hatte, konnte ich mir vorstellen, dass die Veränderung des Menschentyps noch viel tiefgreifender war als bei den ›Eloi‹, der schönen Rasse, die ich bereits kannte.

Dann kamen lästige Zweifel auf. Warum hatten die Morlocks meine Zeitmaschine gestohlen? Denn ich war mir sicher, dass sie es waren, die sie gestohlen hatten. Und warum konnten die Eloi, wenn sie die Meister waren, mir die Maschine nicht zurückgeben? Und warum hatten sie so große Angst vor der Dunkelheit? Ich begann, wie gesagt, Weena über diese Unterwelt zu befragen, aber auch hier wurde ich enttäuscht. Zuerst wollte sie meine Fragen nicht verstehen, und bald weigerte sie sich, sie zu beantworten. Sie zitterte, als ob das Thema unerträglich wäre. Und als ich sie bedrängte, vielleicht ein wenig zu hart, brach sie in Tränen aus. Es waren die einzigen Tränen, außer meinen eigenen, die ich in diesem Goldenen Zeitalter gesehen habe. Als ich sie sah, hörte ich abrupt auf, mich um die Morlocks zu kümmern, und war nur noch damit beschäftigt, diese Zeichen des menschlichen Erbes aus Weenas Augen zu verbannen. Und schon bald lächelte sie und klatschte in die Hände, während ich feierlich ein Streichholz anzündete.

Kapitel 6

Der Brunnen

Lesezeit ca. 11 min

»Es mag Ihnen seltsam erscheinen, aber es dauerte zwei Tage, bis ich den neu gefundenen Hinweisen auf die offensichtlich richtige Weise nachgehen konnte. Ich spürte eine seltsame Abneigung gegen diese bleichen Körper. Sie hatten genau die halb verblichene Farbe der Würmer und Dinge, die man in einem zoologischen Museum in Spiritus konserviert sieht. Und sie fühlten sich schmutzig kalt an. Wahrscheinlich war meine Abneigung größtenteils auf den wohlwollenden Einfluss der Eloi zurückzuführen, deren Abscheu vor den Morlocks ich nun zu schätzen begann.

In der nächsten Nacht schlief ich nicht gut. Wahrscheinlich war meine Gesundheit ein wenig gestört. Ich war von Ratlosigkeit und Zweifeln geplagt. Ein- oder zweimal hatte ich ein Gefühl intensiver Angst, für das ich keinen eindeutigen Grund erkennen konnte. Ich erinnere mich, wie ich mich lautlos in den großen Saal schlich, wo die kleinen Leute im Mondlicht schliefen – in dieser Nacht war Weena unter ihnen – und ich fühlte mich durch ihre Anwesenheit beruhigt. Schon damals kam mir in den Sinn, dass, wenn der Mond im Laufe einiger Tage sein letztes Viertel durchschreiten und die Nächte dunkler werden würden, das Auftauchen dieser unangenehmen Kreaturen von unten, dieser gebleichten Lemuren, dieses neuen Ungeziefers, das das alte ersetzt hatte, häufiger sein könnte. Und an diesen beiden Tagen hatte ich das unruhige Gefühl eines Menschen, der sich vor einer unvermeidlichen Pflicht drückt. Ich war mir sicher, dass die Zeitmaschine nur durch kühnes Eindringen in diese unterirdischen Geheimnisse wiedergefunden werden konnte. Doch ich konnte mich dem Geheimnis nicht stellen. Wenn ich nur einen Begleiter gehabt hätte, wäre es anders gewesen. Aber ich war so schrecklich allein, und selbst das Hinabklettern in die Dunkelheit des Brunnens erschreckte mich. Ich weiß nicht, ob Sie mein Gefühl verstehen werden, aber ich fühlte mich nie in meinem Rücken gedeckt.

Es war vielleicht diese Unruhe, diese Unsicherheit, die mich bei meinen Entdeckungsreisen immer weiter weg trieb. Als ich nach Südwesten in Richtung des ansteigenden Landes ging, das heute Combe Wood heißt, sah ich in der Ferne, in Richtung Banstead des 19. Jahrhunderts, ein riesiges grünes Gebilde, das sich von allem unterschied, was ich bis dahin gesehen hatte. Es war größer als die größten Paläste oder Ruinen, die ich kannte, und die Fassade hatte ein orientalisches Aussehen: die Oberfläche hatte den Glanz sowie den blassgrünen Farbton, eine Art Blaugrün, einer bestimmten Art von chinesischem Porzellan. Dieser Unterschied im Aussehen deutete auf eine unterschiedliche Verwendung hin, und ich hatte Lust, weiterzugehen und zu erkunden. Aber es wurde schon spät, und ich hatte den Ort nach einer langen und ermüdenden Umrundung erreicht; also beschloss ich, das Abenteuer auf den nächsten Tag zu verschieben, und kehrte zur Begrüßung und zu den Streicheleinheiten der kleinen Weena zurück. Doch am nächsten Morgen erkannte ich deutlich genug, dass meine Neugier auf den Palast aus grünem Porzellan eine Selbsttäuschung war, die es mir ermöglichte, mich um einen weiteren Tag vor einer Erfahrung zu drücken, die ich fürchtete. Ich beschloss, ohne weitere Zeit zu verlieren, den Abstieg zu wagen, und machte mich am frühen Morgen auf den Weg zu einem Brunnen in der Nähe der Ruinen aus Granit und Aluminium.

Die kleine Weena lief mit mir. Sie tanzte neben mir zum Brunnen, aber als sie sah, wie ich mich über die Öffnung beugte und nach unten schaute, wirkte sie seltsam verunsichert. ›Auf Wiedersehen, kleine Weena‹, sagte ich und küsste sie; dann setzte ich sie ab und begann, über der Brüstung nach den Kletterhaken zu suchen. Eher hastig, wie ich zugeben muss, denn ich fürchtete, dass mich der Mut verlassen könnte! Zuerst sah sie mir erstaunt zu. Dann stieß sie einen jämmerlichen Schrei aus, rannte zu mir und begann, mit ihren kleinen Händen an mir zu ziehen. Ich glaube, ihr Widerstand hat mich eher angespornt, weiterzumachen. Ich schüttelte sie ab, vielleicht ein wenig grob, und im nächsten Moment war ich im Schlund des Brunnens. Ich sah ihr besorgtes Gesicht über der Brüstung und lächelte, um sie zu beruhigen. Dann musste ich auf die instabilen Haken hinunterblicken, an denen ich mich festhielt.

Ich musste einen Schacht von vielleicht zweihundert Metern Länge hinunterklettern. Der Abstieg erfolgte mit Hilfe von Metallstangen, die von den Seiten des Schachtes abstanden, und da diese an die Bedürfnisse eines Lebewesens angepasst waren, das viel kleiner und leichter war als ich, war ich schnell verkrampft und ermüdet von dem Abstieg. Und nicht nur ermüdet! Eine der Stangen verbog sich plötzlich unter meinem Gewicht und hätte mich fast in die Finsternis unter mir geschleudert. Einen Moment lang hing ich an einer Hand, und nach dieser Erfahrung wagte ich es nicht, mich wieder auszuruhen. Obwohl meine Arme und mein Rücken sehr schmerzten, kletterte ich so schnell wie möglich den steilen Abhang hinunter. Als ich nach oben blickte, sah ich die Öffnung, eine kleine blaue Scheibe, in der ein Stern zu sehen war, während der Kopf der kleinen Weena als runder schwarzer Vorsprung zu sehen war. Das dröhnende Geräusch einer Maschine unter mir wurde lauter und bedrückender. Alles bis auf die kleine Scheibe oben war tiefschwarz, und als ich wieder aufblickte, war Weena verschwunden.

Ich fühlte mich sehr unwohl. Ich dachte daran, den Schacht wieder hinaufzusteigen und die Unterwelt in Ruhe zu lassen. Aber noch während ich darüber nachdachte, stieg ich weiter hinab. Endlich sah ich mit großer Erleichterung einen Fuß rechts von mir, ein schmales Loch in der Wand auftauchen. Ich schwang mich hinein und stellte fest, dass es sich um die Öffnung eines schmalen horizontalen Tunnels handelte, in dem ich mich hinlegen und ausruhen konnte. Es war nicht zu früh. Meine Arme taten weh, mein Rücken war verkrampft, und ich zitterte durch die andauernde Angst vor einem Sturz. Außerdem hatte die ununterbrochene Dunkelheit eine betrübende Wirkung auf meine Augen. Die Luft war erfüllt vom Pochen und Brummen der Maschinen, die Luft in den Schacht pumpten.

Ich weiß nicht, wie lange ich lag. Ich wurde von einer sanften Hand geweckt, die mein Gesicht berührte. Als ich in der Dunkelheit aufstand, griff ich nach meinen Streichhölzern, und als ich hastig eines anzündete, sah ich drei gebückte weiße Gestalten, die jener ähnelten, die ich oben in der Ruine gesehen hatte und die sich hastig vor dem Licht zurückzogen. Da sie in einer für mich undurchdringlichen Dunkelheit lebten, waren ihre Augen ungewöhnlich groß und empfindlich, so wie die Pupillen der abyssischen Fische, und sie reflektierten das Licht auf dieselbe Weise. Ich zweifle nicht daran, dass sie mich in dieser lichtlosen Dunkelheit sehen konnten und sie schienen keine Angst vor mir zu haben, außer vor dem Licht. Aber sobald ich ein Streichholz anzündete, um sie zu sehen, flohen sie unaufhörlich und verschwanden in dunklen Gossen und Tunneln, aus denen ihre Augen mich auf die seltsamste Weise anstarrten.

Ich versuchte, sie zu rufen, aber die Sprache, die sie sprachen, war offenbar eine andere als die der Menschen der Oberwelt, sodass ich auf mich allein gestellt war, und der Gedanke an Flucht vor Erkundung kam mir schon damals in den Sinn. Aber ich sagte mir: ›Du bist ganz nah dran‹, und während ich mich durch den Tunnel tastete, wurde das Geräusch der Maschinen immer lauter. Bald fielen die Wände von mir ab, und ich kam in einen großen offenen Raum. Als ich ein weiteres Streichholz anzündete, sah ich, dass ich eine riesige, gewölbte Höhle betreten hatte, die sich jenseits meines Lichtes in völlige Dunkelheit erstreckte. Der Blick, den ich davon hatte, war so viel, wie man beim Anzünden eines Streichholzes sehen kann.

Zwangsläufig ist meine Erinnerung vage. Große Gestalten wie große Maschinen erhoben sich aus der Dunkelheit und warfen groteske schwarze Schatten, in denen gespenstische Morlocks Schutz vor dem grellen Licht fanden. Der Ort war stickig und bedrückend, und der schwache Geruch von frisch vergossenem Blut lag in der Luft. Etwas weiter unten in der Mitte des Raumes stand ein kleiner Tisch aus weißem Metall, auf dem etwas stand, das ein Mahl zu sein schien. Die Morlocks waren auf jeden Fall Fleischfresser! Ich erinnere mich, dass ich mich schon damals fragte, welches große Tier überlebt haben könnte, um die rote Keule zu liefern, die ich sah. Es war alles sehr undeutlich: der schwere Geruch, die großen, nichtssagenden Gebilde, die obszönen Gestalten, die in den Schatten lauerten und nur darauf warteten, dass die Dunkelheit wieder über mich herfiel! Dann brannte das Streichholz ab, verbrannte mir die Finger und fiel zu Boden, ein zappelnder roter Fleck in der Finsternis.

Seitdem habe ich darüber nachgedacht, wie schlecht ich für solch ein Erlebnis gerüstet war. Als ich mit der Zeitmaschine angefangen hatte, war ich von der absurden Annahme ausgegangen, dass die Menschen der Zukunft uns in allen ihren Gerätschaften sicher unendlich weit voraus sein würden. Ich war ohne Waffen, ohne Medizin, ohne etwas zum Rauchen – manchmal vermisste ich den Tabak furchtbar – und sogar ohne genügend Streichhölzer gekommen. Hätte ich doch nur an eine Kodak gedacht! Ich hätte diesen Anblick der Unterwelt in einer Sekunde blitzen und ihn in aller Ruhe untersuchen können. Aber so stand ich nur mit den Waffen und den Kräften da, mit denen die Natur mich ausgestattet hatte – mit Händen, Füßen und Zähnen, und mit den vier Streichhölzern, die mir noch blieben.

Ich hatte Angst, mich in der Dunkelheit zwischen all diesen Maschinen hindurchzudrängen, und erst bei meinem letzten Lichtblick entdeckte ich, dass mein Vorrat an Streichhölzern zur Neige gegangen war. Bis zu diesem Moment war mir nie in den Sinn gekommen, dass es notwendig war, sie zu sparen, und ich hatte fast die Hälfte der Schachtel vergeudet, um die Oberweltler zu verblüffen, für die Feuer eine Neuheit war. Nun hatte ich, wie gesagt, noch vier übrig, und während ich im Dunkeln stand, berührte eine Hand die meine. Schlaffe Finger tasteten über mein Gesicht, und ich nahm einen eigenartigen unangenehmen Geruch wahr. Ich glaubte, den Atem einer Schar dieser furchtbaren kleinen Wesen um mich herum zu hören. Ich spürte, wie die Streichholzschachtel in meiner Hand sanft gelöst wurde, und andere Hände hinter mir an meiner Kleidung zupften. Das Gefühl, dass diese unsichtbaren Kreaturen mich untersuchten, war unbeschreiblich unangenehm. Die plötzliche Erkenntnis, dass ich ihre Denk- und Handlungsweisen nicht kannte, wurde mir in der Dunkelheit sehr deutlich. Ich schrie sie so laut an, wie ich konnte. Sie entfernten sich, und dann spürte ich, wie sie sich mir wieder näherten. Sie klammerten sich noch fester an mich und flüsterten sich gegenseitig seltsame Laute zu. Ich zitterte heftig und schrie erneut – ziemlich unharmonisch. Diesmal waren sie nicht so ernsthaft erschrocken und gaben ein seltsames Lachen von sich, als sie wieder auf mich zukamen. Ich muss gestehen, dass ich schreckliche Angst hatte. Ich beschloss, ein weiteres Streichholz anzuzünden und im Schutz des Lichtes zu flüchten. Das tat ich auch, und indem ich das Flackern mit einem Stück Papier aus meiner Tasche vergrößerte, gelang mir der Rückzug in den engen Tunnel. Doch kaum war ich hineingegangen, wurde mein Licht ausgeblasen, und in der Dunkelheit konnte ich die Morlocks hören, die wie der Wind in den Blättern raschelten und wie der Regen prasselten, als sie mir nacheilten.

Im nächsten Moment wurde ich von mehreren Händen umklammert, und es war nicht zu übersehen, dass sie versuchten, mich zurückzuschleppen. Ich zündete ein weiteres Licht an und fuchtelte damit vor ihren geblendeten Gesichtern herum. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie ekelhaft unmenschlich sie aussahen – diese blassen, kinnlosen Gesichter und großen, lidlosen, rosagrauen Augen –, als sie in ihrer Blindheit und Verwirrung starrten. Aber ich blieb nicht, um zu schauen, das verspreche ich euch: Ich zog mich wieder zurück, und als mein zweites Streichholz erloschen war, zündete ich mein drittes an. Es war schon fast abgebrannt, als ich die Öffnung des Schachtes erreichte. Ich legte mich auf den Rand, denn das Pochen der großen Pumpe unter mir machte mich schwindlig. Dann tastete ich seitlich nach den hervorstehenden Haken, und als ich das tat, wurden meine Füße von hinten gepackt und ich wurde heftig nach hinten gezerrt. Ich zündete mein letztes Streichholz an … es ging unkontrolliert aus. Aber jetzt hatte ich meine Hand an den Kletterstangen, und mit einem heftigen Tritt befreite ich mich aus den Klauen der Morlocks und kletterte rasch den Schacht hinauf, während sie zurückblieben und mir blinzelnd nachschauten: alle bis auf einen kleinen Wicht, der mir ein Stück weit folgte und sich beinahe meinen Stiefel als Trophäe sicherte.

Dieser Aufstieg kam mir unendlich lang vor. Auf den letzten fünf oder zehn Metern überkam mich eine tödliche Übelkeit. Ich hatte die größten Schwierigkeiten, mich zu halten. Die letzten Meter waren ein furchtbarer Kampf gegen diese Ohnmacht. Mehrmals schwamm mir der Kopf, und ich spürte alle Empfindungen des Fallens. Schließlich schaffte ich es aber doch irgendwie über den Brunnenkopf und taumelte aus der Ruine in das blendende Sonnenlicht. Ich fiel auf mein Gesicht. Sogar der Boden roch süß und sauber. Ich erinnere mich, wie Weena meine Hände und Ohren küsste, und an die Stimmen der anderen Eloi. Dann wurde ich bewusstlos.

Kapitel 7

Der Grüne Palast

Lesezeit ca. 12 min

»Jetzt schien ich in der Tat in einer schlimmeren Lage zu sein als zuvor. Bis dahin hatte ich, abgesehen von dem nächtlichen Kummer über den Verlust der Zeitmaschine, die Hoffnung auf ein endgültiges Entkommen gehabt, aber diese Hoffnung wurde durch diese neuen Entdeckungen erschüttert. Bisher hatte ich mich lediglich durch die kindliche Einfalt der kleinen Leute und durch einige unbekannte Kräfte behindert gefühlt, die ich nur zu verstehen brauchte, um sie zu überwinden, aber da war ein ganz neues Element in der widerwärtigen Beschaffenheit der Morlocks – etwas Unmenschliches und Bösartiges. Instinktiv verabscheute ich sie. Zuvor hatte ich mich gefühlt wie ein Mensch, der in eine Grube gefallen war: meine Sorge galt der Grube und der Frage, wie ich aus ihr herauskommen würde. Jetzt fühlte ich mich wie ein Tier in einer Falle, dessen Feind bald über es herfallen würde.

Der Feind, den ich fürchtete, mag Sie überraschen. Es war die Dunkelheit des Neumondes. Weena hatte mir dies durch einige zunächst unverständliche Bemerkungen über die Dunklen Nächte in den Kopf gesetzt. Es war nun nicht mehr so schwierig zu erraten, was die kommenden Dunklen Nächte bedeuten könnten. Der Mond war am Schwinden: Jede Nacht gab es ein längeres Intervall der Dunkelheit. Und nun verstand ich zumindest ansatzweise den Grund für die Angst der kleinen Oberwelt-Menschen vor der Dunkelheit. Ich fragte mich vage, welch üblen Schandtaten die Morlocks bei Neumond wohl begehen würden. Ich war mir jetzt ziemlich sicher, dass meine zweite Hypothese völlig falsch war. Die Menschen der Oberen Welt mögen einst die bevorzugte Aristokratie gewesen sein und die Morlocks ihre mechanischen Diener: aber das ist schon lange vorbei. Die beiden Spezies, die aus der Evolution des Menschen hervorgegangen waren, waren auf dem Weg zu einer völlig neuen Beziehung oder hatten sie bereits erreicht. Die Eloi waren, wie die karolingischen Könige, zu einer schönen Nutzlosigkeit verkommen. Sie besaßen die Erde nur noch unter Vorbehalt, denn die Morlocks, die seit unzähligen Generationen unter der Erde lebten, fanden die Tageslichtoberfläche schließlich unerträglich. Die Morlocks stellten ihre Kleidung her, folgerte ich, und betreuten sie in ihren gewohnten Bedürfnissen, vielleicht durch das Überleben einer alten Gewohnheit des Dienstes. Sie taten es so, wie ein stehendes Pferd mit dem Fuß scharrt, oder wie ein Mann es genießt, Tiere im Sport zu töten: weil alte und vergangene Notwendigkeiten es dem Organismus eingeprägt hatten. Aber offensichtlich war die alte Ordnung bereits zum Teil umgekehrt. Die Nemesis der Zartbesaiteten schlich sich immer schneller voran. Vor langer Zeit, vor Tausenden von Generationen, hatte der Mensch seinen Bruder Mensch aus der Behaglichkeit und dem Sonnenschein verdrängt. Und nun kam dieser Bruder verändert zurück! Die Eloi hatten bereits begonnen, eine alte Lektion neu zu lernen. Sie lernten die Furcht wieder kennen. Und plötzlich tauchte in meinem Kopf die Erinnerung an das Fleisch auf, das ich in der Unterwelt gesehen hatte. Es erschien mir seltsam, wie es in meinen Gedanken auftauchte: nicht wie von der Strömung meiner Meditationen aufgewühlt, sondern fast wie eine Frage von außen. Ich versuchte, mich an die Form der Frage zu erinnern. Ich hatte ein vages Gefühl von etwas Vertrautem, aber ich konnte nicht sagen, was es war.

Doch so hilflos die kleinen Leute angesichts ihrer geheimnisvollen Angst auch sein mögen, ich war anders beschaffen. Ich stamme aus unserem Zeitalter, aus der reifen Blütezeit des Menschengeschlechts, in der die Angst nicht lähmt und das Mysterium seinen Schrecken verloren hat. Ich würde mich zumindest verteidigen. Ohne weiteres Zögern beschloss ich, mich zu bewaffnen und mir eine Festung zu schaffen, in der ich schlafen konnte. Mit dieser Zuflucht als Basis konnte ich dieser fremden Welt mit etwas von der Zuversicht begegnen, die ich verloren hatte, als ich erkannte, welchen Kreaturen ich Nacht für Nacht ausgesetzt war. Ich spürte, dass ich nie wieder schlafen konnte, bis mein Bett vor ihnen sicher war. Es schauderte mich vor Entsetzen, wenn ich daran dachte, wie sie mich bereits untersucht haben mussten.

Während des Nachmittags wanderte ich durch das Tal der Themse, fand aber nichts, was mir als schwer zugänglich erschien. Alle Gebäude und Bäume schienen für so geschickte Kletterer, wie die Morlocks nach ihren Brunnen zu urteilen sein müssen, leicht zu erklimmen. Dann kamen mir die hohen Zinnen des Palastes aus grünem Porzellan und der polierte Glanz seiner Mauern wieder in den Sinn, und am Abend nahm ich Weena wie ein Kind auf meine Schulter und stieg die Hügel in Richtung Südwesten hinauf. Die Entfernung hatte ich auf sieben oder acht Meilen geschätzt, aber es müssen eher achtzehn gewesen sein. Ich hatte den Ort zum ersten Mal an einem feuchten Nachmittag gesehen, an dem die Entfernungen trügerisch klein sind. Außerdem war der Absatz eines meiner Schuhe locker, und ein Nagel hatte sich durch die Sohle gebohrt – es waren bequeme alte Schuhe, die ich in der Wohnung trug –, sodass ich lahmte. Und es war schon lange nach Sonnenuntergang, als ich in Sichtweite des Palastes kam, der sich schwarz gegen das blasse Gelb des Himmels abzeichnete.

Weena hatte sich riesig gefreut, als ich anfing, sie zu tragen, aber nach einer Weile wollte sie, dass ich sie runterließ, und lief neben mir her, wobei sie ab und zu mit beiden Händen Blumen pflückte, um sie in meine Taschen zu stecken. Meine Taschen hatten Weena schon immer verwundert, aber schließlich war sie zu dem Schluss gekommen, dass sie eine exzentrische Art von Vase für Blumenschmuck waren. Wenigstens nutzte sie sie zu diesem Zweck. Und da fällt mir ein! Als ich meine Jacke wechselte, fand ich …«

Der Zeitreisende hielt inne, steckte die Hand in die Tasche und legte schweigend zwei verwelkte Blumen, die großen weißen Malven nicht unähnlich waren, auf den kleinen Tisch. Dann nahm er seine Erzählung wieder auf.

»Als sich die Abenddämmerung über die Welt legte und wir über den Hügelkamm in Richtung Wimbledon gingen, wurde Weena müde und wollte zu dem Haus aus grauem Stein zurückkehren. Aber ich wies sie auf die fernen Zinnen des Palastes aus grünem Porzellan hin und gab ihr zu verstehen, dass wir dort Zuflucht vor ihrer Angst suchten. Sie kennen die große Pause, die vor der Dämmerung über die Dinge kommt? Sogar die Brise in den Bäumen verstummt. Für mich hat diese abendliche Stille immer einen Hauch von Erwartung. Der Himmel war klar, abgelegen und leer, bis auf ein paar horizontale Streifen weit unten im Sonnenuntergang. In dieser Nacht nahm die Erwartung die Farbe meiner Ängste an. In dieser düsteren Stille schienen meine Sinne auf übernatürliche Weise geschärft. Ich glaubte sogar, die Höhlung des Bodens unter meinen Füßen zu spüren, ja, ich konnte fast die Morlocks auf ihrem Ameisenhaufen sehen, wie sie hin und her liefen und auf die Dunkelheit warteten. In meiner Aufregung stellte ich mir vor, dass sie mein Eindringen in ihre Höhlen als eine Kriegserklärung auffassen würden. Und warum hatten sie meine Zeitmaschine mitgenommen?

So gingen wir in der Stille weiter, und die Dämmerung vertiefte sich in die Nacht. Das klare Blau in der Ferne verblasste, und ein Stern nach dem anderen kam zum Vorschein. Der Boden wurde düster und die Bäume schwarz. Weenas Ängste und ihre Müdigkeit wuchsen in ihr. Ich nahm sie in meine Arme, sprach mit ihr und streichelte sie. Dann, als die Dunkelheit immer tiefer wurde, legte sie ihre Arme um meinen Hals und drückte ihr Gesicht fest an meine Schulter, während sie die Augen schloss. So gingen wir einen langen Abhang hinunter in ein Tal, und dort, im Halbdunkel, wäre ich fast in einen kleinen Fluss gelaufen. Ich watete hindurch und ging auf der gegenüberliegenden Seite des Tals hinauf, vorbei an einer Reihe von schlafenden Häusern und einer Statue – einem Faun oder einer ähnlichen Figur, nur ohne Kopf. Auch hier gab es Akazien. Bis jetzt hatte ich noch nichts von den Morlocks gesehen, aber es war noch früh in der Nacht, und die dunkleren Stunden, bevor der alte Mond aufging, sollten noch kommen.

Von der Spitze des nächsten Hügels aus sah ich einen dichten Wald, der sich weit und schwarz vor mir ausbreitete. Ich zögerte bei diesem Anblick. Ich konnte kein Ende erkennen, weder rechts noch links. Ich fühlte mich müde – vor allem meine Füße taten mir weh. Ich ließ Weena vorsichtig von meiner Schulter herunter, als ich stehen blieb, und setzte mich ins Gras. Ich konnte den Palast aus grünem Porzellan nicht mehr sehen und war mir über die Richtung unsicher. Ich schaute in die Dichte des Waldes und überlegte, was er wohl verbergen könnte. Unter diesem dichten Gewirr von Ästen würde man die Sterne nicht sehen können. Selbst wenn dort keine andere Gefahr lauern würde – eine Gefahr, auf die ich meine Fantasie nicht loslassen wollte –, gäbe es immer noch all die Wurzeln, über die man stolpern konnte, und die Baumstümpfe, gegen die man stoßen konnte.

Ich war sehr müde nach den Aufregungen des Tages, und so beschloss ich, mich der Gefahr nicht zu stellen, sondern die Nacht auf dem offenen Hügel zu verbringen.

Weena, so stellte ich zu meiner Freude fest, schlief fest. Ich wickelte sie vorsichtig in meine Jacke und setzte mich neben sie, um auf den Mondaufgang zu warten. Der Hügel war still und verlassen, aber aus dem Dunkel des Waldes kam ab und zu ein Rauschen von Lebewesen. Über mir leuchteten die Sterne, denn die Nacht war sehr klar. Ich empfand ein gewisses Gefühl von freundlichem Trost in ihrem Funkeln. Alle alten Sternbilder waren jedoch vom Himmel verschwunden: jene langsame Bewegung, die in hundert Menschenleben nicht wahrnehmbar ist, hatte sie längst in ungewohnten Gruppierungen neu angeordnet. Aber die Milchstraße, so schien es mir, war immer noch dasselbe zerfledderte Band aus Sternenstaub wie früher. Südlich davon (wie ich es beurteilte) befand sich ein sehr heller roter Stern, der mir neu war; er war sogar noch prächtiger als unser eigener grüner Sirius. Und inmitten all dieser schillernden Lichtpunkte leuchtete ein heller Planet freundlich und beständig wie das Gesicht eines alten Freundes.

Der Anblick dieser Sterne ließ plötzlich meine eigenen Sorgen und alle Schwere des irdischen Lebens in den Hintergrund treten. Ich dachte an ihre unermessliche Entfernung und das langsame, unausweichliche Abdriften ihrer Bewegungen aus der unbekannten Vergangenheit in die unbekannte Zukunft. Ich dachte an den großen Präzessionszyklus, den der Pol der Erde beschreibt. Nur vierzig Mal hatte sich diese stille Umdrehung in all den Jahren, die ich zurückgelegt hatte, ereignet. Und während dieser wenigen Umdrehungen waren alle Aktivitäten, alle Traditionen, die komplexen Organisationen, die Nationen, Sprachen, Literaturen, Bestrebungen, ja sogar die bloße Erinnerung an den Menschen, wie ich ihn kannte, aus der Existenz gefegt worden. Stattdessen gab es diese schwachen Kreaturen, die ihre hohe Abstammung vergessen hatten, und die weißen Dinge, vor denen ich mich fürchtete. Ich dachte an die Große Angst, die zwischen den beiden Arten herrschte, und zum ersten Mal, mit einem plötzlichen Schaudern, wurde mir klar, was das Fleisch, das ich gesehen hatte, sein könnte. Doch es war zu grausam! Ich schaute auf die kleine Weena, die neben mir schlief, ihr Gesicht weiß und sternartig unter den Sternen, und verwarf den Gedanken sofort wieder.

In dieser langen Nacht lenkte ich mich so gut es ging von den Morlocks ab und vertrieb mir die Zeit damit, mir vorzustellen, dass ich in dem neuen Durcheinander Zeichen der alten Sternbilder finden könnte. Der Himmel war sehr klar, abgesehen von einer dunstigen Wolke oder so. Zweifellos döste ich manchmal. Dann, als ich weiterwachte, wurde der Himmel im Osten schwächer, wie der Widerschein eines farblosen Feuers, und der alte Mond ging auf: dünn, spitz und weiß. Und dicht dahinter, ihn überholend und überströmend, kam die Morgendämmerung: zuerst blass, dann rosa und warm werdend. Keine Morlocks hatten sich uns genähert. In der Tat hatte ich in dieser Nacht keinen auf dem Hügel gesehen. Und in der Zuversicht des neuen Tages schien es mir fast, dass meine Angst unbegründet gewesen war. Ich stand auf und stellte fest, dass mein Fuß am Knöchel geschwollen war und unter der Ferse schmerzte; also setzte ich mich wieder hin, zog meine Schuhe aus und warf sie weg.

Ich weckte Weena, und wir gingen hinunter in den Wald, der jetzt grün und angenehm war, statt schwarz und abschreckend. Wir fanden einige Früchte, mit denen wir unser Fasten brachen. Bald trafen wir andere der zierlichen Wesen, die im Sonnenlicht lachten und tanzten, als gäbe es in der Natur die Nacht nicht. Und dann dachte ich noch einmal an das Fleisch, das ich gesehen hatte. Ich war mir nun sicher, was es war, und aus tiefstem Herzen bedauerte ich dieses letzte schwache Rinnsal aus der großen Flut der Menschheit. Offensichtlich war den Morlocks irgendwann im langen Zeitalter des menschlichen Verfalls die Nahrung ausgegangen. Möglicherweise hatten sie sich von Ratten und ähnlichem Ungeziefer ernährt. Selbst heute ist der Mensch bei seiner Nahrung weit weniger wählerisch und exklusiv als früher – weit weniger als jeder Affe. Sein Vorurteil gegen Menschenfleisch ist kein tief verwurzelter Instinkt. Und so sind diese unmenschlichen Kinder der Menschheit … ! Ich versuchte, die Sache mit wissenschaftlichem Geist zu betrachten. Immerhin waren sie weniger menschlich und weiter entfernt als unsere kannibalischen Vorfahren vor drei- oder viertausend Jahren. Und die Intelligenz, die diesen Zustand zu einer Qual gemacht hätte, war verschwunden. Warum sollte ich mir Gedanken machen? Diese Eloi waren bloß gemästetes Vieh, das die ameisenartigen Morlocks hüteten und ausbeuteten – wahrscheinlich für die Zucht sorgten. Und da war Weena, die an meiner Seite tanzte!

Dann versuchte ich, mich vor dem Schrecken zu bewahren, der über mich hereinbrach, indem ich ihn als eine strenge Strafe für den menschlichen Egoismus betrachtete. Der Mensch hatte sich damit begnügt, in Leichtigkeit und Vergnügen von der Arbeit seiner Mitmenschen zu leben, hatte die Notwendigkeit zu seiner Parole und Entschuldigung gemacht, und in der Fülle der Zeit war die Notwendigkeit zu ihm nach Hause gekommen. Ich versuchte es sogar mit einer Carlyleschen Verachtung dieser erbärmlichen Aristokratie im Verfall. Aber diese Geisteshaltung war unmöglich. Wie groß ihr intellektueller Zerfall auch sein mochte, die Eloi hatten sich zu viel von der menschlichen Form bewahrt, um nicht meine Sympathie zu beanspruchen und mich zwangsläufig zu einem Teilhaber an ihrem Zerfall und ihrer Angst zu machen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur sehr vage Vorstellungen von dem Weg, den ich einschlagen sollte. Mein erstes Ziel war es, einen sicheren Zufluchtsort zu finden und mir Waffen aus Metall oder Stein zu basteln. Diese Notwendigkeit war unmittelbar. Als Nächstes hoffte ich, mir eine Möglichkeit zu verschaffen, Feuer zu machen, um eine Fackel zur Hand zu haben; denn ich wusste, dass nichts wirksamer gegen diese Morlocks sein würde. Dann wollte ich mir eine Vorrichtung ausdenken, um die Bronzetüren unter der Weißen Sphinx aufzubrechen. Mir schwebte ein Rammbock vor. Ich war der Überzeugung, dass, wenn ich durch diese Türen eindringen und einen Lichtschein vor mir her tragen könnte, ich die Zeitmaschine entdecken und entkommen würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Morlocks stark genug waren, sie weit weg zu bewegen. Ich hatte mir vorgenommen, Weena in unsere eigene Zeit mitzunehmen. Und während ich über solche Pläne nachdachte, setzte ich unseren Weg zu dem Gebäude fort, das meine Fantasie als unsere Behausung auserkoren hatte.

Kapitel 8

Das Museum

Lesezeit ca. 12 min

»Als wir uns dem Palast aus grünem Porzellan gegen Mittag näherten, fanden wir ihn verlassen und verfallen vor. In den Fenstern waren nur noch zackige Überbleibsel von Glas zu sehen, und große Teile der grünen Verkleidung waren von dem korrodierten Metallrahmen abgefallen. Das Gebäude lag hoch oben auf einer Grasnarbe, und als ich nach Nordosten blickte, bevor ich es betrat, war ich überrascht, eine große Flussmündung oder sogar einen Bach zu sehen, wo sich meines Erachtens einst Wandsworth und Battersea befunden haben mussten. Damals dachte ich darüber nach – obwohl ich den Gedanken nie weiterverfolgt habe –, was mit den Lebewesen im Meer geschehen sein könnte; oder gerade geschah.

Das Material des Palastes erwies sich bei der Untersuchung tatsächlich als Porzellan, und auf der Vorderseite sah ich eine Inschrift in einer unbekannten Schrift. Dummerweise dachte ich, dass Weena mir bei der Deutung helfen könnte, aber ich erfuhr nur, dass ihr die bloße Idee des Schreibens nie in den Sinn gekommen war. Sie kam mir immer menschlicher vor, als sie war, vielleicht weil ihre Zuneigung so menschlich war.

Hinter der großen Tür – die offen und zerbrochen war – fanden wir anstelle der üblichen Halle eine lange Galerie, die von vielen Seitenfenstern erhellt wurde. Auf den ersten Blick fühlte ich mich an ein Museum erinnert. Der geflieste Boden war dick mit Staub bedeckt, und eine bemerkenswerte Ansammlung verschiedenster Gegenstände war in dieselbe graue Decke gehüllt. Dann entdeckte ich in der Mitte des Saals einen seltsamen, hageren Körper, der eindeutig der untere Teil eines riesigen Skeletts war. An den schrägen Füßen erkannte ich, dass es sich um eine ausgestorbene Kreatur nach dem Vorbild des Megatheriums handelte. Der Schädel und die oberen Knochen lagen daneben im dichten Staub, und an einer Stelle, wo Regenwasser durch ein Leck im Dach eingedrungen war, war das Ding selbst abgetragen worden. Weiter hinten in der Galerie lag das riesige Skelett eines Brontosaurus. Meine Museumshypothese wurde bestätigt. Als ich zur Seite ging, entdeckte ich etwas, das wie ein schräges Regal aussah, und als ich den dicken Staub entfernte, fand ich die altbekannten Vitrinen aus unserer Zeit. Aber sie müssen luftdicht gewesen sein, denn einige ihrer Inhalte waren gut erhalten.

Offensichtlich standen wir inmitten der Ruinen eines modernen South Kensington! Hier befand sich scheinbar die paläontologische Abteilung. Es muss eine prächtige Ansammlung von Fossilien gewesen sein, obwohl der unvermeidliche Prozess des Verfalls, der eine Zeit lang aufgehalten worden war und durch das Aussterben von Bakterien und Pilzen neunundneunzig Hundertstel seiner Kraft verloren hatte, dennoch mit äußerster Gewissheit, wenn auch mit äußerster Langsamkeit, an all ihren Schätzen wieder am Werk war. Hier und da fand ich Spuren der kleinen Leute in Form von seltenen Fossilien, die in Stücke gebrochen oder in Fäden auf Schilf aufgefädelt waren. Und in einigen Fällen waren die Kisten von den Morlocks gewaltsam entfernt worden. Der Ort war sehr still. Der dichte Staub dämpfte unsere Schritte. Weena, die gerade einen Seeigel an der schrägen Scheibe einer Vitrine hinunterrollte, kam, als ich mich umschaute, und nahm ganz leise meine Hand und stellte sich neben mich.

Anfangs war ich so überrascht von diesem uralten Monument eines intellektuellen Zeitalters, dass ich nicht über die Möglichkeiten nachdachte, die es bot. Selbst meine Sorge um die Zeitmaschine wich ein wenig aus meinem Kopf.

Der Größe nach zu urteilen, hatte dieser Palast aus grünem Porzellan viel mehr zu bieten als eine paläontologische Galerie: vielleicht historische Galerien, vielleicht sogar eine Bibliothek! Für mich, zumindest in meiner jetzigen Situation, wären diese weitaus interessanter als dieses Spektakel verfallener Geologie. Bei meiner Erkundung fand ich eine weitere kurze Galerie, die quer zur ersten verlief. Diese schien den Mineralien gewidmet zu sein, und der Anblick eines Schwefelblocks ließ mich an Schießpulver denken. Aber ich konnte keinen Salpeter finden, auch keine Nitrate irgendeiner Art. Zweifellos hatten sie sich schon vor langer Zeit aufgelöst. Doch der Schwefel blieb mir im Gedächtnis und brachte mich auf eine Idee. Was den übrigen Inhalt der Galerie betrifft, so war er zwar im Großen und Ganzen der am besten erhaltene von allen, die ich gesehen habe, aber ich hatte wenig Interesse daran. Ich bin kein Spezialist für Mineralogie und ging weiter in einen sehr ruinösen Gang, der parallel zum ersten Saal verlief, den ich betreten hatte. Offenbar war diese Abteilung der Naturgeschichte gewidmet, aber alles war schon lange nicht mehr zu erkennen. Ein paar verschrumpelte und geschwärzte Überreste von einst ausgestopften Tieren, vertrocknete Mumien in Gläsern, die einst Alkohol enthielten, ein brauner Staub von abgestorbenen Pflanzen: das war alles! Das tat mir leid, denn ich hätte gerne die offensichtlichen Anpassungen verfolgt, durch die die Eroberung der belebten Natur erreicht worden war. Dann kamen wir zu einer Galerie von schlicht kolossalen Ausmaßen, die aber merkwürdigerweise schlecht beleuchtet war und deren Boden von dem Ende, an dem ich eintrat, in einem leichten Winkel nach unten verlief. In Abständen hingen weiße Kugeln von der Decke, von denen viele gesprungen und zerbrochen waren, was darauf schließen ließ, dass der Raum ursprünglich künstlich beleuchtet worden war. Hier war ich mehr in meinem Element, denn links und rechts von mir ragten die riesigen Gebilde großer Maschinen auf, alle stark verrostet und viele davon kaputt, aber einige waren noch ziemlich vollständig. Sie wissen, dass ich eine gewisse Schwäche für Mechanismen habe, und ich war geneigt, zwischen diesen zu verweilen, zumal sie größtenteils rätselhaft waren und ich nur vage Vermutungen darüber anstellen konnte, wozu sie dienten. Ich stellte mir vor, dass ich, wenn ich ihre Rätsel lösen könnte, in den Besitz von Kräften käme, die mir gegen die Morlocks von Nutzen sein könnten.

Plötzlich kam Weena ganz nah an meine Seite. So plötzlich, dass sie mich erschreckte. Wäre sie nicht gewesen, hätte ich wohl gar nicht bemerkt, dass der Boden der Galerie schräg war. Das Ende, an dem ich hereinkam, befand sich ein gutes Stück über der Erde und wurde von wenigen schlitzartigen Fenstern beleuchtet. Je weiter man nach unten ging, desto mehr stieß der Boden an diese Fenster, bis schließlich vor jedem Fenster eine Grube wie in einem Londoner Haus entstand und oben nur noch ein schmaler Streifen Tageslicht zu sehen war. Ich ging langsam weiter und rätselte über die Maschinen und war zu sehr mit ihnen beschäftigt, um die allmähliche Abnahme des Lichts zu bemerken, bis Weenas zunehmende Beunruhigung meine Aufmerksamkeit erregte. Da sah ich, dass die Galerie schließlich in einer dichten Dunkelheit endete. Ich zögerte, und als ich mich umschaute, sah ich, dass der Staub weniger dicht und seine Oberfläche weniger gleichmäßig war. Weiter weg, in Richtung der Dunkelheit, schien er durch eine Reihe von kleinen, schmalen Fußspuren unterbrochen zu sein. Mein Gefühl für die unmittelbare Anwesenheit der Morlocks wurde dadurch wieder wach. Ich spürte, dass ich meine Zeit mit der akademischen Untersuchung von Maschinen verschwendete. Ich erinnerte mich daran, dass es bereits weit fortgeschrittener Nachmittag war und dass ich immer noch keine Waffe, keinen Unterschlupf und keine Möglichkeit hatte, ein Feuer zu machen. Und dann hörte ich unten in der entlegenen Schwärze der Galerie ein merkwürdiges Getrappel und die gleichen seltsamen Geräusche, die ich unten im Brunnen gehört hatte.

Ich nahm Weenas Hand. Dann, von einer plötzlichen Idee ergriffen, verließ ich sie und wandte mich einer Maschine zu, aus der ein Hebel herausragte, der denen eines Stellwerks nicht unähnlich war. Ich kletterte auf das Gestell, nahm diesen Hebel in die Hand und drückte ihn mit meinem ganzen Gewicht zur Seite. Plötzlich begann Weena, die verlassen im Mittelgang stand, zu wimmern. Ich hatte die Stärke des Hebels richtig eingeschätzt, denn er brach nach einer Minute der Anstrengung, und ich kam zu ihr zurück, mit einem Streitkolben in der Hand, der meiner Meinung nach für jeden Morlock-Schädel, dem ich begegnen würde, mehr als ausreichend war. Und ich sehnte mich sehr danach, einen Morlock oder so zu töten. Sehr unmenschlich, denken Sie vielleicht, seine eigenen Nachkommen töten zu wollen! Aber irgendwie war es unmöglich, in diesen Dingen irgendeine Menschlichkeit zu spüren. Nur mein Widerwille, Weena zu verlassen, und die Überzeugung, dass meine Zeitmaschine leiden könnte, wenn ich meine Mordlust stillte, hielten mich davon ab, direkt in die Galerie zu gehen und die Bestien zu töten, die ich hörte.

Mit dem Streitkolben in der einen und Weena in der anderen Hand verließ ich die Galerie und betrat eine andere, noch größere, die mich auf den ersten Blick an eine mit zerschlissenen Fahnen behängte Militärkapelle erinnerte. Die braunen und verkohlten Fetzen, die an den Seiten hingen, erkannte ich bald als die verfallenden Überreste von Büchern. Sie waren schon lange zerfallen, und jeder Anschein von Schrift hatte sie verlassen. Aber hier und da gab es verzogene Bretter und gesprungene Metallverschlüsse, die die Geschichte gut genug erzählten. Wäre ich ein Literat gewesen, hätte ich vielleicht eine Moralpredigt über die Sinnlosigkeit allen Ehrgeizes gehalten. Aber so war es die enorme Verschwendung von Arbeit, von der diese düstere Wildnis aus verrottendem Papier zeugte, die mir am meisten ins Auge stach. Ich muss gestehen, dass ich damals vor allem an die »Philosophical Transactions« und meine eigenen siebzehn Arbeiten über physikalische Optik dachte.

Wir gingen eine breite Treppe hinauf und gelangten in einen Raum, der vielleicht einmal eine Galerie für technische Chemie war. Und hier hatte ich nicht wenig Hoffnung auf nützliche Entdeckungen. Außer an einem Ende, wo das Dach eingestürzt war, war diese Galerie gut erhalten. Ich ging eifrig zu jeder unversehrten Vitrine. Und endlich, in einer der wirklich luftdichten Vitrinen, fand ich eine Schachtel Streichhölzer. Hoffnungsvoll probierte ich sie aus. Sie waren einwandfrei. Sie waren nicht einmal feucht. Ich wandte mich an Weena. ›Tanz‹, rief ich ihr in ihrer eigenen Sprache zu. Denn jetzt hatte ich tatsächlich eine Waffe gegen die schrecklichen Kreaturen, die wir fürchteten. Und so tanzte ich in diesem verfallenen Museum auf dem dicken, weichen Staubteppich zu Weenas großer Freude feierlich eine Art gemischten Tanz und pfiff dabei »The Land of the Leal« so fröhlich, wie ich konnte. Zum Teil war es ein bescheidener Cancan, zum Teil ein Stepptanz, zum Teil ein Rock-Tanz (soweit es mein Frack zuließ), und zum Teil originell. Denn ich bin von Natur aus erfinderisch, wie Sie wissen.

Ich denke immer noch, dass das Überdauern dieser Streichholzschachtel, so außergewöhnlich es auch war, für mich ein großes Glück bedeutete.

Doch seltsamerweise fand ich eine weitaus unwahrscheinlichere Substanz, und zwar Kampfer. Ich fand ihn in einem versiegelten Gefäß, das, wie ich annehme, zufällig wirklich hermetisch verschlossen war. Zuerst dachte ich, es handele sich um Paraffin, und schlug das Glas entsprechend ein. Aber der Geruch von Kampfer war unverkennbar. Diese flüchtige Substanz hatte den allgemeinen Verfall überlebt, vielleicht über viele tausend Jahrhunderte. Es erinnerte mich an ein Sepia-Gemälde, das ich einmal gesehen hatte und das aus der Tinte eines fossilen Belemniten gemalt worden war, der vor Millionen von Jahren verendet und versteinert sein musste. Ich wollte es schon wegwerfen, aber dann fiel mir ein, dass es brennbar war und mit einer guten, hellen Flamme brannte – dass es in der Tat eine ausgezeichnete Kerze wäre –, und somit steckte ich es in meine Tasche. Ich fand jedoch keinen Sprengstoff und auch kein Mittel, um die Bronzetüren aufzubrechen. Meine eiserne Brechstange war bis jetzt das Hilfreichste, was ich gefunden hatte. Trotzdem verließ ich die Galerie freudig erregt.

Ich kann Ihnen nicht die ganze Geschichte dieses langen Nachmittags erzählen. Es würde eine große Gedächtnisleistung erfordern, um meine Erkundungen überhaupt in der richtigen Reihenfolge wiederzugeben. Ich erinnere mich an eine lange Galerie rostiger Waffenständer und wie ich zwischen meiner Brechstange und einem Beil oder einem Schwert schwankte. Beides konnte ich jedoch nicht mitnehmen, und meine Eisenstange war gegen die Bronzetore am besten geeignet. Es gab eine Reihe von Gewehren und Pistolen. Die meisten waren verrostet, aber viele waren aus neuem Metall und noch einigermaßen intakt. Aber die Patronen und das Pulver, die es vielleicht einmal gegeben hatte, waren zu Staub verrottet. Eine Ecke, die ich sah, war verkohlt und zersplittert; vielleicht, so dachte ich, durch eine Explosion unter den Proben. An einer anderen Stelle befand sich eine riesige Ansammlung von Götzenbildern – polynesische, mexikanische, griechische, phönizische, aus allen Ländern der Erde, wie mir schien. Und hier, einem unwiderstehlichen Impuls folgend, schrieb ich meinen Namen auf die Nase eines südamerikanischen Specksteinmonsters, das mir besonders gut gefiel.

Je länger der Abend dauerte, desto mehr ließ mein Interesse nach. Ich ging durch eine Galerie nach der anderen, staubig, schweigend, oft ruinös, die Exponate manchmal nur ein Haufen Rost und Braunkohle, manchmal frischer. An einem Ort befand ich mich plötzlich in der Nähe des Modells einer Zinnmine, und dann entdeckte ich zufällig, in einer luftdichten Vitrine, zwei Dynamitpatronen! Ich rief ›Heureka!‹ und zerschlug die Vitrine vor Freude. Dann kamen Zweifel. Ich zögerte. Ich wählte eine kleine Seitengalerie und machte meinen Versuch. Nie habe ich eine solche Enttäuschung empfunden, als ich fünf, zehn, fünfzehn Minuten auf eine Explosion wartete, die nicht kam. Natürlich waren die Dinger Attrappen, wie ich aufgrund ihrer Anwesenheit hätte vermuten können. Ich glaube wirklich, dass ich, wäre es nicht so gewesen, unkontrolliert losgestürmt wäre und die Sphinx, die Bronzetüren und (wie sich herausstellte) meine Chancen, die Zeitmaschine zu finden, allesamt ins Nichts gesprengt hätte.

Danach, glaube ich, kamen wir zu einem kleinen offenen Hof innerhalb des Palastes. Er war mit Rasen ausgelegt und hatte drei Obstbäume. Wir ruhten uns aus und erfrischten uns. Gegen Sonnenuntergang begann ich über unsere Lage nachzudenken. Die Nacht brach über uns herein, und mein unzugängliches Versteck musste noch gefunden werden. Aber das beunruhigte mich jetzt nur noch wenig. Ich besaß etwas, das vielleicht die beste aller Verteidigungsmaßnahmen gegen die Morlocks war – ich hatte Streichhölzer! Ich hatte auch den Kampfer in meiner Tasche, falls ein Feuer benötigt wurde. Es schien mir das Beste zu sein, die Nacht im Freien zu verbringen, geschützt durch ein Feuer. Am Morgen galt es, die Zeitmaschine zu besorgen. Dazu hatte ich bisher nur meinen eisernen Streitkolben. Aber jetzt, mit meinem wachsenden Wissen, hatte ich eine ganz andere Einstellung zu diesen Bronzetüren. Bis jetzt hatte ich davon abgesehen, sie aufzubrechen, hauptsächlich wegen des Geheimnisses auf der anderen Seite. Sie hatten auf mich nie einen besonders massiven Eindruck gemacht, und ich hoffte, dass meine Eisenstange für diese Aufgabe nicht ganz ungeeignet war.

Kapitel 9

Das Feuer

Lesezeit ca. 13 min

»Wir verließen den Palast, als die Sonne noch zum Teil über dem Horizont stand. Ich war entschlossen, die Weiße Sphinx am nächsten Morgen in aller Frühe zu erreichen, und noch vor Einbruch der Dunkelheit wollte ich den Wald durchqueren, der mich auf der letzten Reise aufgehalten hatte. Mein Plan war, in dieser Nacht so weit wie möglich zu gehen und dann im Schutz des Feuers zu schlafen. Während wir weiterzogen, sammelte ich Stöcke und getrocknetes Gras, das ich sah. So beladen kamen wir langsamer voran, als ich es erwartet hatte, und außerdem war Weena müde. Auch ich wurde von Schläfrigkeit geplagt, sodass es bereits tiefe Nacht war, als wir den Wald erreichten. Auf dem buschigen Hügel am Waldrand wäre Weena stehen geblieben, weil sie die Dunkelheit vor uns fürchtete, aber ein eigenartiges Gefühl von drohendem Unheil, das mir eigentlich als Warnung hätte dienen sollen, trieb mich weiter. Ich hatte eine Nacht und zwei Tage lang nicht geschlafen und war fiebrig und reizbar. Ich spürte, wie der Schlaf über mich kam, und mit ihm die Morlocks.

Während wir zögerten, sah ich zwischen den schwarzen Büschen hinter uns drei kauernde Gestalten, die sich dunkel von der Schwärze abhoben. Um uns herum gab es Gestrüpp und langes Gras, und ich fühlte mich nicht sicher vor ihrer heimtückischen Annäherung. Der Wald, so schätzte ich, war weniger als eine Meile breit. Wenn wir ihn bis zum kahlen Hang durchqueren könnten, gäbe es dort, wie mir schien, einen weitaus sichereren Rastplatz; ich dachte, dass ich mit meinen Streichhölzern und meinem Kampfer meinen Weg durch den Wald erhellen könnte. Es war jedoch klar, dass ich, wenn ich mit meinen Händen Streichhölzer anzünden wollte, auf mein Brennholz verzichten musste; also legte ich es eher widerwillig ab. Und dann kam mir der Gedanke, dass ich unsere Freunde dahinter in Erstaunen versetzen würde, indem ich es anzündete. Ich sollte die schreckliche Torheit dieses Vorhabens entdecken, aber es kam mir als genialer Schachzug in den Sinn, um unseren Rückzug zu decken.

Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal darüber nachgedacht haben, wie selten Flammen in Abwesenheit von Menschen und in einem gemäßigten Klima sein müssen. Die Hitze der Sonne ist selten stark genug, um zu brennen, selbst wenn sie durch Tautropfen gebündelt wird, wie es in tropischeren Gegenden manchmal der Fall ist. Blitze können einschlagen und schwärzen, aber sie führen selten zu einem Flächenbrand. Verwesende Pflanzen können gelegentlich durch die Hitze ihrer Gärung schwelen, aber das führt selten zu Flammen. In dieser Dekadenz war auch die Kunst des Feuermachens auf der Erde vergessen worden. Die roten Zungen, die an meinem Holzhaufen leckten, waren für Weena etwas völlig Neues und Fremdes.

Sie wollte hinrennen und damit spielen. Ich glaube, sie hätte sich hineingeworfen, wenn ich sie nicht zurückgehalten hätte. Aber ich fing sie auf und stürzte mich, trotz ihres Gestrampels, mutig in den Wald. Ein Stück weit erhellte der Schein meines Feuers den Weg. Als ich zurückblickte, konnte ich durch die dicht gedrängten Stämme hindurch sehen, dass sich das Feuer von meinem Stöckchenhaufen aus auf die angrenzenden Büsche ausgebreitet hatte und eine gebogene Feuerlinie das Gras des Hügels hinaufkroch. Ich lachte darüber und drehte mich wieder zu den dunklen Bäumen vor mir um. Es war sehr schwarz, und Weena klammerte sich krampfhaft an mich, aber es gab, als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, immer noch genügend Licht, um die Stämme zu umgehen. Über uns war es einfach nur schwarz, außer dass hier und da durch eine Lücke, ein Stück des fernen, blauen Himmels auf uns herabschien. Ich zündete keines meiner Streichhölzer an, weil ich keine Hand frei hatte. Auf dem linken Arm trug ich meine Kleine, in der rechten Hand hatte ich meine Eisenstange.

Ein Stück weit hörte ich nichts als das Knacken der Zweige unter meinen Füßen, das leise Rauschen des Windes über mir, meinen eigenen Atem und das Pochen der Blutgefäße in meinen Ohren. Dann schien ich ein Getrappel um mich herum zu vernehmen. Grimmig schritt ich weiter. Das Getrappel wurde deutlicher, und dann vernahm ich dasselbe merkwürdige Geräusch und dieselben Stimmen, die ich in der Unterwelt gehört hatte. Offensichtlich waren es mehrere Morlocks, und sie kamen immer näher. Tatsächlich spürte ich in einer weiteren Minute ein Ziehen an meinem Mantel, dann etwas an meinem Arm. Und Weena zitterte heftig und wurde ganz still.

Es war Zeit für ein Streichholz. Aber um eins zu bekommen, musste ich sie absetzen. Das tat ich, und während ich in meiner Tasche herumfummelte, begann in der Dunkelheit ein Kampf um meine Knie, völlig geräuschlos ihrerseits und mit den gleichen seltsamen gurrenden Lauten der Morlocks. Weiche kleine Hände krabbelten über meinen Mantel und meinen Rücken und berührten sogar meinen Hals. Dann kratzte das Streichholz und zischte. Ich hielt es flackernd in der Hand und sah die weißen Rücken der Morlocks zwischen die Bäume flüchten. Eilig holte ich einen Klumpen Kampfer aus meiner Tasche und machte mich bereit, ihn anzuzünden, sobald das Streichholz nachließ. Dann sah ich Weena an. Sie lag mit dem Gesicht zum Boden, umklammerte meine Füße und war völlig bewegungslos. Mit einem plötzlichen Schrecken beugte ich mich zu ihr hinunter. Sie schien kaum noch zu atmen. Ich zündete den Kampferblock an und warf ihn auf den Boden, und als er zersprang und aufflammte und die Morlocks und die Schatten zurücktrieb, kniete ich nieder und hob sie hoch. Der Wald dahinter schien erfüllt von der Bewegung und dem Gemurmel einer großen Gesellschaft!

Sie schien in Ohnmacht gefallen zu sein. Ich legte sie vorsichtig auf meine Schulter und erhob mich, um weiterzugehen, und dann kam mir eine schreckliche Erkenntnis. Beim Manövrieren mit meinen Streichhölzern und Weena hatte ich mich mehrmals umgedreht, und nun hatte ich nicht die leiseste Ahnung, in welcher Richtung mein Weg lag. Nach allem, was ich wusste, konnte es sein, dass ich dem Palast aus grünem Porzellan zugewandt war. Mir stand der kalte Schweiß auf der Stirn. Ich musste schnell überlegen, was ich tun sollte. Ich beschloss, ein Feuer zu machen und dort zu lagern, wo wir waren. Ich setzte Weena, die immer noch regungslos dalag, auf einen bemoosten Baumstamm, und als mein erster Kampferklumpen nachließ, begann ich eilig Stöcke und Blätter zu sammeln. Hier und da leuchteten aus der Dunkelheit um mich herum die Augen der Morlocks wie Karfunkel.

Der Kampfer flackerte und erlosch. Ich zündete ein Streichholz an, und als ich das tat, stürzten zwei weiße Gestalten, die sich Weena genähert hatten, hastig davon. Einer war von dem Licht so geblendet, dass er direkt auf mich zukam, und ich spürte, wie seine Knochen unter dem Schlag meiner Faust knirschten. Er stieß einen Schrei des Entsetzens aus, taumelte ein Stück und fiel um. Ich zündete ein weiteres Stück Kampfer an und fuhr fort, mein Lagerfeuer zu machen. Bald bemerkte ich, wie trocken das Laub über mir war, denn seit meiner Ankunft in der Zeitmaschine, also seit einer Woche, hatte es nicht mehr geregnet. Anstatt die Bäume nach heruntergefallenen Zweigen abzusuchen, sprang ich hoch und riss Äste herunter. Bald hatte ich ein rauchiges Feuer aus grünem Holz und trockenen Stöcken, und ich konnte meinen Kampfer sparen. Dann drehte ich mich zu Weena um, die neben meinem eisernen Streitkolben lag. Ich versuchte alles, um sie wiederzubeleben, aber sie lag da wie eine Tote. Ich konnte mich nicht einmal vergewissern, ob sie noch atmete oder nicht.

Der Rauch des Feuers schlug mir entgegen, meine Glieder wurden plötzlich schwerer und schwerer. Außerdem lag der Dampf von Kampfer in der Luft. Mein Feuer würde erst in etwa einer Stunde wieder aufgefüllt werden müssen. Ich fühlte mich nach meiner Anstrengung sehr müde und setzte mich hin. Auch aus dem Wald drang ein dumpfes Gemurmel, das ich nicht verstand. Ich schien nur zu nicken und die Augen zu öffnen. Aber alles war dunkel, und die Morlocks hatten ihre Hände auf mir. Ich schüttelte ihre klammernden Finger ab und tastete hastig in meiner Tasche nach der Streichholzschachtel, und – sie war weg! Dann packten ihre Hände mich wieder und schlossen sich um mich. In einem Augenblick wusste ich, was geschehen war. Ich hatte geschlafen, und mein Feuer war erloschen, und die Bitterkeit des Todes kam über meine Seele. Der Wald schien erfüllt vom Geruch brennenden Holzes. Ich wurde am Hals, an den Haaren und an den Armen gepackt und heruntergezogen. Es war unbeschreiblich schrecklich, in der Dunkelheit all diese weichen Geschöpfe auf mir zu spüren. Ich hatte das Gefühl, in einem monströsen Spinnennetz zu sein. Ich wurde überwältigt und ging zu Boden. Ich spürte, wie kleine Zähne an meinem Hals knabberten. Ich drehte mich um, und dabei kam meine Hand an meinen eisernen Hebel. Das gab mir Kraft. Ich kämpfte mich hoch, schüttelte die menschlichen Ratten von mir ab und stieß mit der kurzen Stange dorthin, wo ich ihre Gesichter vermutete. Ich spürte das saftige Nachgeben von Fleisch und Knochen unter meinen Schlägen, und einen Moment lang war ich frei.

Das seltsame Hochgefühl, das so oft einen harten Kampf zu begleiten scheint, kam über mich. Ich wusste, dass sowohl ich als auch Weena verloren waren, aber ich war entschlossen, die Morlocks für ihre Mahlzeit bezahlen zu lassen. Ich stand mit dem Rücken an einem Baum und schwang die Eisenstange vor mir. Der ganze Wald war erfüllt von ihrem Aufruhr und ihren Schreien. Eine Minute verging. Ihre Stimmen schienen immer lauter zu werden, und ihre Bewegungen wurden schneller. Doch keiner kam in Reichweite. Ich stand da und starrte in die Finsternis. Dann kam plötzlich Hoffnung auf. Was, wenn die Morlocks Angst hatten? Und kurz darauf geschah etwas Seltsames. Die Dunkelheit schien heller zu werden. Ganz schwach begann ich die Morlocks um mich herum zu sehen – drei, angeschlagen zu meinen Füßen – und dann erkannte ich mit ungläubigem Erstaunen, dass die anderen in einem unaufhörlichen Strom, wie es schien, hinter mir hervor und durch den Wald vor mir davonliefen. Und ihre Rücken schienen nicht mehr weiß, sondern rötlich zu sein. Als ich gaffend dastand, sah ich, wie ein kleiner roter Funke durch eine Lücke im Sternenlicht zwischen den Ästen schwebte und verschwand. Und da verstand ich den Geruch von brennendem Holz, das dumpfe Murmeln, das jetzt zu einem böigen Tosen anschwoll, das rote Leuchten und die Flucht der Morlocks.

Als ich hinter meinem Baum hervortrat und zurückblickte, sah ich durch die schwarzen Säulen der näheren Bäume die Flammen des brennenden Waldes. Es war mein erstes Feuer, das mich verfolgte. Ich suchte nach Weena, aber sie war verschwunden. Das Zischen und Knistern hinter mir, der explosive Knall, als jeder neue Baum in Flammen aufging, ließen mir wenig Zeit zum Nachdenken. Die Eisenstange noch immer in der Hand, folgte ich dem Weg der Morlocks. Es war ein knappes Rennen. Einmal krochen die Flammen so schnell zu meiner Rechten vor, dass ich überflügelt wurde und nach links ausweichen musste. Endlich kam ich auf eine kleine Lichtung, und als ich das tat, stolperte ein Morlock auf mich zu, rannte an mir vorbei und direkt ins Feuer!

Und nun sah ich das Unheimlichste und Schrecklichste von allem, was ich in diesem zukünftigen Zeitalter zu sehen bekam. Die ganze Lichtung war durch den Widerschein des Feuers taghell erleuchtet. In der Mitte befand sich ein Hügel, der von einem verbrannten Weißdorn überragt wurde. Dahinter befand sich ein weiterer Arm des brennenden Waldes, aus dem sich bereits gelbe Zungen schlängelten, die die Lichtung vollständig mit einem Zaun aus Feuer umgaben. Auf dem Hügel standen etwa dreißig oder vierzig Morlocks, geblendet vom Licht und der Hitze, die in ihrer Verwirrung hin- und herwuselten. Zuerst erkannte ich nicht, dass sie blind waren, und schlug in einem Anfall von Angst wütend mit meiner Stange nach ihnen, als sie sich mir näherten, und tötete einen und verkrüppelte mehrere andere. Aber als ich die Gesten eines von ihnen beobachtete, wie sie unter dem Weißdorn gegen den roten Himmel tasteten, und ihr Stöhnen hörte, war ich mir ihrer absoluten Hilflosigkeit und ihres Elends in dem grellen Licht sicher, und ich schlug nicht mehr auf sie ein.

Doch hin und wieder kam einer direkt auf mich zu und löste ein bebendes Entsetzen aus, sodass ich mich beeilte, ihm auszuweichen. Irgendwann ließen die Flammen etwas nach, und ich fürchtete, dass die üblen Kreaturen mich bald sehen könnten. Ich dachte daran, den Kampf zu beginnen, indem ich einige von ihnen tötete, bevor dies geschah, aber das Feuer brach wieder hell aus, und ich ließ davon ab. Ich ging auf dem Hügel zwischen ihnen umher und wich ihnen aus, um eine Spur von Weena zu finden. Aber Weena war verschwunden.

Schließlich setzte ich mich auf den Gipfel des Hügels und beobachtete diese seltsame, unglaubliche Gesellschaft von blinden Wesen, die hin und her tappten und sich gegenseitig unheimliche Geräusche zuriefen, während der Schein des Feuers auf sie einschlug. Die sich windenden Rauchschwaden zogen über den Himmel, und durch die spärlichen Fetzen des roten Baldachins, die so fern waren, als gehörten sie zu einem anderen Universum, leuchteten die kleinen Sterne. Zwei oder drei Morlocks stolperten auf mich zu, und ich schlug sie mit meinen Fäusten zurück, während ich zitterte.

Die meiste Zeit dieser Nacht war ich überzeugt, dass es ein Albtraum war. Ich biss mich und schrie in dem leidenschaftlichen Wunsch, aufzuwachen. Ich schlug mit den Händen auf den Boden, stand auf und setzte mich wieder hin, wanderte hin und her und setzte mich wieder hin. Dann rieb ich mir die Augen und flehte Gott an, mich aufwachen zu lassen. Dreimal sah ich, wie die Morlocks in einer Art Agonie ihre Köpfe senkten und sich in die Flammen stürzten. Doch endlich, über dem abklingenden Rot des Feuers, über den strömenden Massen des schwarzen Rauches, den weiß und schwarz werdenden Baumstümpfen und der schwindenden Zahl dieser düsteren Kreaturen, erschien das weiße Licht des Tages.

Ich suchte erneut nach Spuren von Weena, aber es gab keine. Es war klar, dass sie ihren armen kleinen Körper im Wald zurückgelassen hatten. Ich kann nicht beschreiben, wie sehr mich der Gedanke erleichterte, dass sie dem schrecklichen Schicksal, das ihr bestimmt schien, entgangen war. Als ich daran dachte, war ich fast geneigt, ein Massaker an den hilflosen Abscheulichkeiten um mich herum anzurichten, aber ich hielt mich zurück. Der Hügel war, wie ich schon sagte, eine Art Insel im Wald. Von seinem Gipfel aus konnte ich nun durch einen Rauchschleier den Palast aus grünem Porzellan erkennen, und von dort aus konnte ich mich zur Weißen Sphinx orientieren. Und so ließ ich den Rest dieser verdammten Seelen, die immer noch hin und her liefen und stöhnten, zurück, während der Tag immer klarer wurde, band mir etwas Gras um die Füße und humpelte über rauchende Asche und zwischen schwarzen Stämmen, die immer noch innerlich vor Feuer pulsierten, auf das Versteck der Zeitmaschine zu. Ich ging langsam, denn ich war fast so erschöpft wie lahm, und der schreckliche Tod der kleinen Weena tat mir unendlich leid. Es schien ein überwältigendes Unglück zu sein. Jetzt, in diesem alten, vertrauten Zimmer, ist es eher wie die Trauer eines Traums als ein tatsächlicher Verlust. Aber an diesem Morgen war ich wieder absolut einsam – schrecklich allein. Ich begann, an mein Haus, an diesen Kamin und an einige von Ihnen zu denken, und mit solchen Gedanken kam eine Sehnsucht, die schmerzhaft war.

Aber als ich über die rauchende Asche unter dem hellen Morgenhimmel ging, machte ich eine Entdeckung. In meiner Hosentasche befanden sich noch einige lose Streichhölzer. Die Schachtel muss ausgelaufen sein, bevor sie verloren ging.

Kapitel 10

Die Flucht

Lesezeit ca. 5 min

»Gegen acht oder neun Uhr morgens kam ich an denselben Sitz aus gelbem Metall, von dem aus ich am Abend meiner Ankunft die Welt betrachtet hatte. Ich dachte an meine voreiligen Schlüsse an jenem Abend und konnte mir ein bitteres Lachen über mein Vertrauen nicht verkneifen. Hier war dieselbe schöne Szenerie, dasselbe üppige Laub, dieselben prächtigen Paläste und herrlichen Ruinen, derselbe silberne Fluss, der zwischen seinen fruchtbaren Ufern floss. Die fröhlichen Gewänder der schönen Menschen bewegten sich zwischen den Bäumen hin und her. Einige badeten genau an der Stelle, an der ich Weena gerettet hatte, und das versetzte mir plötzlich einen heftigen Stich ins Herz. Und wie Narben in der Landschaft erhoben sich die Kuppeln über den Wegen in die Unterwelt. Jetzt verstand ich, was all die Schönheit der Menschen in der Überwelt verbarg. Ihr Tag war sehr angenehm, so angenehm wie der Tag des Viehs auf der Weide. Wie das Vieh kannten sie keine Feinde und bereiteten sich nicht auf die Not vor. Und ihr Ende war dasselbe.

Ich war betrübt, als ich daran dachte, wie kurz der Traum des menschlichen Intellekts gewesen war. Er hatte Selbstmord begangen. Er hatte sich unbeirrt auf Bequemlichkeit und Komfort eingestellt, auf eine ausgeglichene Gesellschaft mit Sicherheit und Dauerhaftigkeit als Leitmotiv, er hatte seine Hoffnungen erfüllt – um letztendlich hier zu landen. Einst mussten Leben und Besitz fast absolute Sicherheit erreicht haben. Der Reiche war seines Reichtums und seines Komforts sicher, der Arbeiter seines Lebens und seiner Arbeit. Zweifellos gab es in dieser perfekten Welt kein Arbeitslosenproblem, keine soziale Frage, die ungelöst geblieben wäre. Und es war eine große Ruhe eingekehrt.

Es ist ein Naturgesetz, das wir übersehen, dass intellektuelle Vielseitigkeit die Kompensation für Veränderung, Gefahr und Ärger ist. Ein Tier, das in perfekter Harmonie mit seiner Umgebung lebt, ist ein perfekter Mechanismus. Die Natur appelliert nie an die Intelligenz, bis Gewohnheit und Instinkt nutzlos sind. Es gibt keine Intelligenz, wo es keine Veränderung gibt und keine Notwendigkeit zur Veränderung besteht. Intelligenz haben nur die Tiere, die einer großen Vielfalt von Bedürfnissen und Gefahren begegnen müssen.

So wie ich es sehe, war der Mensch in der Oberwelt zu seiner schwachen Schönheit und in der Unterwelt zu bloßer mechanischer Industrie gedriftet. Aber diesem vollkommenen Zustand fehlte selbst für die mechanische Vollkommenheit etwas – absolute Beständigkeit. Offensichtlich war die Ernährung der Unterwelt, wie auch immer sie zustande kam, im Laufe der Zeit aus den Fugen geraten. Mutter Notwendigkeit, die einige tausend Jahre lang aufgehalten worden war, kam zurück und begann unten. Da die Unterwelt mit Maschinen in Berührung war, die, so perfekt sie auch sein mochten, immer noch ein wenig Nachdenken außerhalb der Gewohnheit erforderten, hatte sie sich wahrscheinlich zwangsläufig etwas mehr Initiative als die Oberwelt bewahrt – wenn auch weniger von jedem anderen menschlichen Wesenszug. Und wenn anderes Fleisch sie im Stich ließ, wandten sie sich dem zu, was die alte Gewohnheit bis dahin verboten hatte. So sage ich, sah ich es bei meinem letzten Blick auf die Welt von achthundertzweitausendsiebenhundertundeins. Es mag eine so falsche Erklärung sein, wie sie der sterbliche Verstand nur erfinden kann. So hat sich die Sache mir dargestellt, und so gebe ich sie Ihnen.

Nach den Strapazen, Aufregungen und Schrecken der vergangenen Tage und trotz meines Kummers waren dieser Sitz, die ruhige Aussicht und das warme Sonnenlicht sehr angenehm. Ich war sehr müde und schläfrig, und bald ging mein Grübeln in ein Dösen über. Als ich mich dabei ertappte, befolgte ich meinen eigenen Rat und breitete mich auf dem Rasen aus, um in einen langen und erholsamen Schlaf zu versinken.

Ich wachte kurz vor Sonnenuntergang auf. Ich fühlte mich nun sicher, nicht von den Morlocks beim Schlafen erwischt zu werden, streckte mich und ging den Hügel hinunter in Richtung der Weißen Sphinx. In der einen Hand hatte ich meine Brechstange, mit der anderen spielte ich mit den Streichhölzern in meiner Tasche.

Und nun geschah etwas sehr Unerwartetes. Als ich mich dem Sockel der Sphinx näherte, stellte ich fest, dass die Bronzetüren offen waren. Sie waren in Rillen hinuntergerutscht. Ich blieb vor ihnen stehen und zögerte, einzutreten.

Im Inneren befand sich eine kleine Wohnung, und auf einem erhöhten Platz in der Ecke stand die Zeitmaschine. Ich hatte die kleinen Hebel in meiner Tasche. Hier also, nach all meinen aufwendigen Vorbereitungen für die Belagerung der Weißen Sphinx, erwartete mich eine widerstandslose Kapitulation. Ich warf meine Eisenstange weg und bereute es fast, sie nicht benutzt zu haben.

Ein plötzlicher Gedanke schoss mir durch den Kopf, als ich mich zum Zugang hinunterbeugte. Wenigstens einmal verstand ich die geistigen Handlungen der Morlocks. Ich unterdrückte einen starken Lachanfall und schritt durch den bronzenen Rahmen zur Zeitmaschine. Ich war überrascht, dass sie sorgfältig geölt und gereinigt worden war. Seitdem habe ich den Verdacht, dass die Morlocks sie sogar teilweise zerlegt hatten, während sie auf ihre undurchsichtige Weise versuchten, ihren Zweck zu begreifen.

Als ich nun dastand und sie untersuchte, wobei mir die bloße Berührung der Apparatur Freude bereitete, geschah das, was ich erwartet hatte. Die Bronzetafeln glitten plötzlich hoch und schlugen mit einem Klirren gegen den Rahmen. Ich saß im Dunkeln – gefangen. So dachten die Morlocks. Daraufhin kicherte ich vergnügt.

Ich hörte schon ihr murmelndes Lachen, als sie auf mich zukamen. In aller Ruhe versuchte ich, das Streichholz anzuzünden. Ich musste nur noch die Hebel ansetzen und dann wie ein Geist verschwinden. Aber ich hatte eine Kleinigkeit übersehen. Die Streichhölzer waren von der abscheulichen Sorte, die nur mit der Schachtel brennen.

Sie können sich vorstellen, wie mir die Ruhe abhandenkam. Die kleinen Unmenschen waren mir dicht auf den Fersen. Einer berührte mich. Ich schlug in der Dunkelheit mit den Hebeln nach ihnen und begann, in den Sattel der Maschine zu klettern. Dann kam eine Hand auf mich zu und dann noch eine. Dann musste ich einfach gegen ihre hartnäckigen Finger nach meinen Hebeln kämpfen und gleichzeitig nach den Bolzen tasten, auf die sie passten. Einen hätten sie mir sogar fast entrissen. Als er mir aus der Hand glitt, musste ich in der Dunkelheit mit dem Kopf dagegen stoßen – ich konnte den Schädel des Morlocks klingeln hören –, um ihn wiederzubekommen. Ich glaube, dieses letzte Gerangel war knapper als der Kampf im Wald.

Aber endlich war der Hebel angebracht und wurde umgelegt. Die klammernden Hände glitten von mir ab. Die Dunkelheit fiel von meinen Augen ab. Ich fand mich in demselben grauen Licht und Tumult wieder, den ich bereits beschrieben habe.

Kapitel 11

Das Ende

Lesezeit ca. 9 min

»Ich habe euch bereits von der Übelkeit und der Verwirrung erzählt, die mit Zeitreisen einhergehen. Und dieses Mal saß ich nicht richtig im Sattel, sondern seitlich und in einer instabilen Weise. Für eine unbestimmte Zeit klammerte ich mich an die Maschine, während sie schwankte und vibrierte, ganz ohne darauf zu achten, wie ich vorankam, und als ich mich dazu brachte, wieder auf die Ziffernblätter zu schauen, war ich erstaunt, wo ich angekommen war. Ein Zifferblatt zeigt Tage an, ein anderes Tausende von Tagen, ein weiteres Millionen von Tagen und ein weiteres Tausende von Millionen. Anstatt die Hebel nach unten, hatte ich sie nach oben gelegt, um mit ihnen vorwärts zu fahren, und als ich auf die Anzeigen blickte, stellte ich fest, dass der Tausenderzeiger sich so schnell bewegte wie der Sekundenzeiger einer Uhr – in die Zukunft.

Während ich weiterfuhr, schlich sich eine merkwürdige Veränderung über das Erscheinungsbild der Dinge. Das pochende Grau wurde dunkler; dann – obwohl ich immer noch mit ungeheurer Geschwindigkeit unterwegs war – kehrte die blinkende Abfolge von Tag und Nacht, die normalerweise ein Zeichen für ein langsameres Tempo war, zurück und wurde immer deutlicher. Dies verwirrte mich anfangs sehr. Der Wechsel von Tag und Nacht wurde immer langsamer, ebenso wie der Lauf der Sonne über den Himmel, bis er sich über Jahrhunderte zu erstrecken schien. Schließlich breitete sich ein gleichmäßiges Zwielicht über der Erde aus, das nur ab und zu durchbrochen wurde, wenn ein Komet über den dunklen Himmel flimmerte. Der Lichtstreifen, der die Sonne angedeutet hatte, war längst verschwunden, denn sie hatte aufgehört unterzugehen – sie stieg und fiel lediglich im Westen und wurde immer breiter und röter. Jede Spur des Mondes war verschwunden. Das Kreisen der Sterne, das immer langsamer wurde, war schleichenden Lichtpunkten gewichen. Endlich, einige Zeit bevor ich anhielt, blieb die Sonne, rot und sehr groß, regungslos am Horizont stehen, eine riesige Kuppel, die mit einer dumpfen Hitze glühte und ab und zu einen kurzen Moment des Erlöschens erlebte. Einmal leuchtete sie für kurze Zeit wieder heller, aber sie kehrte schnell wieder zu ihrer dumpfen roten Hitze zurück. Ich erkannte an dieser Verlangsamung des Auf- und Untergangs, dass das Werk des Gezeitensogs vollbracht war. Die Erde war mit einer Seite zur Sonne zur Ruhe gekommen, so wie in unserer Zeit der Mond der Erde zugewandt ist. Sehr vorsichtig, denn ich erinnerte mich an meinen früheren Kopfüber-Sturz, begann ich, meine Bewegung umzukehren. Die kreisenden Zeiger wurden langsamer und langsamer, bis der Tausender sich nicht mehr zu bewegen schien und der Tageszeiger nicht mehr nur ein Nebel auf seiner Skala war. Noch langsamer, bis die schemenhaften Umrisse eines trostlosen Strandes sichtbar wurden.

Ich hielt ganz vorsichtig an, setzte mich auf die Zeitmaschine und sah mich um. Der Himmel war nicht länger blau. Im Nordosten war er tiefschwarz, und aus der Schwärze leuchteten hell und beständig die blassen weißen Sterne. Über mir war er tief indischrot und sternenlos, und nach Südosten hin wurde er immer heller bis hin zu einem glühenden Scharlachrot, wo, vom Horizont durchschnitten, der riesige Rumpf der Sonne lag, rot und unbeweglich. Die Felsen um mich herum waren von einer rauen rötlichen Farbe, und die einzige Spur von Leben, die ich zunächst sehen konnte, war die intensiv grüne Vegetation, die jeden vorspringenden Punkt an ihrer Südostseite bedeckte. Es war dasselbe satte Grün, das man auf Waldmoos oder auf Flechten in Höhlen sieht: Pflanzen, die wie diese in einem ewigen Zwielicht wachsen.

Die Maschine stand an einem abfallenden Strand. Das Meer dehnte sich im Südwesten aus und erhob sich als scharfer, heller Horizont gegen den fahlen Himmel. Es gab keine Brecher und keine Wellen, da kein Windhauch sich regte. Nur eine leichte, ölige Woge hob und senkte sich wie ein sanftes Atmen und zeigte, dass das ewige Meer noch in Bewegung und lebendig war. Und am Rand, wo sich das Wasser manchmal brach, lag eine dicke Verkrustung aus Salz – rosa unter dem grellen Himmel. In meinem Kopf herrschte ein Gefühl der Beklemmung, und ich merkte, dass ich sehr schnell atmete. Das Gefühl erinnerte mich an meine einzige Erfahrung beim Bergsteigen, und daher schätzte ich die Luft als dünner ein als jetzt.

Weit oben auf dem einsamen Hang hörte ich einen schrillen Schrei und sah, wie etwas wie ein riesiger weißer Schmetterling schräg und flatternd in den Himmel stieg und kreisend über einigen niedrigen Hügeln dahinter verschwand. Der Klang seiner Stimme war so kläglich, dass ich erschauderte und mich noch fester auf die Maschine setzte. Als ich mich wieder umschaute, sah ich, dass sich ganz in der Nähe etwas, das ich für eine rötliche Felsmasse gehalten hatte, langsam auf mich zubewegte. Dann sah ich, dass es sich in Wirklichkeit um eine monströse krabbenartige Kreatur handelte. Können Sie sich eine Krabbe vorstellen, die so groß ist wie der Tisch dort, mit ihren vielen Beinen, die sich langsam und unsicher bewegen, mit ihren großen Klauen schwenkend, mit ihren langen Antennen, die wie die Peitschen von Fuhrleuten aussehen, und mit ihren gestielten Augen, die dich auf beiden Seiten ihrer metallischen Vorderseite anstarren? Ihr Rücken war geriffelt und mit unschönen Beulen verziert, und hier und da war er mit einer grünlichen Verkrustung überzogen. Ich konnte die vielen Palpen ihres Mundes sehen, die zuckten, wenn sie sich bewegte.

Während ich auf diese unheimliche Erscheinung starrte, die auf mich zukroch, spürte ich ein Kitzeln auf meiner Wange, als ob eine Fliege sich dort niedergelassen hätte. Ich versuchte, sie mit der Hand wegzuwischen, aber im nächsten Moment kehrte sie zurück, und fast sofort kam eine weitere an mein Ohr. Ich schlug nach ihr und erwischte etwas Fadenartiges. Es wurde mir schnell aus der Hand gerissen. Zu Tode erschrocken drehte ich mich um und sah, dass ich die Antenne einer anderen Monsterkrabbe ergriffen hatte, die direkt hinter mir stand. Ihre bösen Augen zappelten auf ihren Stielen, ihr Maul war voller Verlangen, und ihre riesigen, unbeholfenen Klauen, die mit einem Algenschleim beschmiert waren, stürzten sich auf mich. Im Nu war meine Hand am Hebel, und ich hatte einen Monat zwischen mich und diese Ungeheuer gebracht. Aber ich befand mich immer noch an demselben Strand, und ich sah sie jetzt deutlich, sobald ich anhielt. Dutzende von ihnen schienen hier und da im düsteren Licht zwischen den belaubten Flächen von intensivem Grün herumzukriechen.

Ich kann das Gefühl der abscheulichen Trostlosigkeit, die über der Welt lag, nicht wiedergeben. Der rote Himmel im Osten, die Schwärze im Norden, das salzige Tote Meer, der steinige Strand, auf dem es von diesen fauligen, sich langsam bewegenden Ungeheuern wimmelte, das einheitliche, giftig aussehende Grün der Flechten, die dünne Luft, die in der Lunge schmerzt: all das trug zu einer entsetzlichen Wirkung bei. Ich ging hundert Jahre weiter, und da war dieselbe rote Sonne – ein wenig größer, ein wenig trüber –, dasselbe sterbende Meer, dieselbe kühle Luft und dieselbe Menge erdiger Krustentiere, die zwischen dem grünen Unkraut und den roten Felsen hin und her krochen. Und am Himmel im Westen sah ich eine gekrümmte, blasse Linie wie einen riesigen Neumond.

So reiste ich weiter, hielt immer wieder an, in großen Schritten von tausend oder mehr Jahren, angezogen vom Geheimnis des Schicksals der Erde, und beobachtete mit einer seltsamen Faszination, wie die Sonne am westlichen Himmel größer und trüber wurde und das Leben der alten Erde abebbte. Schließlich, nach mehr als dreißig Millionen Jahren, hatte die riesige rotglühende Kuppel der Sonne fast ein Zehntel des dunklen Himmels verdeckt. Dann hielt ich erneut inne, denn die krabbelnde Schar der Krebse war verschwunden, und der rote Strand wirkte bis auf seine leuchtend grünen Lebermoose und Flechten leblos. (Und jetzt war er weiß gesprenkelt.) Eine bittere Kälte überfiel mich. Seltene weiße Flocken wirbelten immer wieder herab. In nordöstlicher Richtung lag der grelle Schnee im Sternenlicht des schwarzen Himmels, und ich konnte einen gewellten Hügelkamm sehen, der rosa-weiß war. Entlang des Meeresrandes gab es Eisfransen und treibende Massen weiter draußen, aber die Hauptfläche dieses salzigen Ozeans, ganz blutig unter dem ewigen Sonnenuntergang, war noch nicht gefroren.

Ich blickte mich um, um zu sehen, ob es noch Spuren von tierischem Leben gab. Eine gewisse undefinierbare Befürchtung hielt mich noch im Sattel der Maschine. Aber ich sah nichts, was sich bewegte, weder in der Erde noch im Himmel noch im Meer. Allein der grüne Schleim auf den Felsen zeugte davon, dass das Leben noch nicht erloschen war. Im Meer war eine flache Sandbank aufgetaucht, und das Wasser hatte sich vom Strand zurückgezogen. Ich glaubte, ein schwarzes Objekt auf dieser Bank herumflattern zu sehen, aber es wurde regungslos, als ich es ansah, und ich entschied, dass mein Auge getäuscht worden war und dass das schwarze Objekt nur ein Felsen war. Die Sterne am Himmel waren sehr hell und schienen mir nur wenig zu funkeln.

Plötzlich bemerkte ich, dass sich der kreisförmige Umriss der Sonne nach Westen hin verändert hatte, dass eine Einbuchtung in der Kurve erschienen war. Ich sah, wie sie größer wurde. Vielleicht eine Minute lang starrte ich fassungslos auf diese Schwärze, die sich über den Tag schlich, und dann wurde mir klar, dass eine Finsternis begann. Entweder der Mond oder der Planet Merkur zogen an der Sonnenscheibe vorbei. Natürlich hielt ich es zunächst für den Mond, aber vieles spricht dafür, dass es sich in Wirklichkeit um den Transit eines inneren Planeten handelte, der sehr nahe an der Erde vorbeizog.

Die Dunkelheit nahm rasch zu, ein kalter Wind begann in auffrischenden Böen aus dem Osten zu wehen, und die herabfallenden weißen Flocken in der Luft wurden zahlreicher. Vom Rand des Meeres kam ein Plätschern und Flüstern. Jenseits dieser leblosen Geräusche war die Welt still. Still? Es wäre schwer, diese Stille zu beschreiben. Alle Geräusche der Menschen, das Blöken der Schafe, die Schreie der Vögel, das Summen der Insekten, das Rauschen, das den Hintergrund unseres Lebens bildet – all das war vorbei. Mit zunehmender Dunkelheit wurden die wirbelnden Flocken immer zahlreicher und tanzten vor meinen Augen, und die Kälte der Luft wurde immer intensiver. Schließlich verschwanden die weißen Gipfel der fernen Berge, einer nach dem anderen, in der Schwärze. Die Brise steigerte sich zu einem stöhnenden Wind. Ich sah den schwarzen Kernschatten der Sonnenfinsternis auf mich zukommen. Im nächsten Moment waren nur noch die blassen Sterne zu sehen. Alles andere war strahlungslose Finsternis. Der Himmel war vollkommen schwarz.

Ein Grauen vor dieser großen Dunkelheit überkam mich. Die Kälte, die mich bis ins Mark traf, und der Schmerz, den ich beim Atmen spürte, überwältigten mich. Ich zitterte, und eine tödliche Übelkeit ergriff mich. Dann erschien, wie ein glühender Bogen am Himmel, der Rand der Sonne. Ich stieg von der Maschine, um mich zu erholen. Ich fühlte mich schwindlig und unfähig, den Rückweg anzutreten. Während ich krank und verwirrt dastand, sah ich wieder das sich bewegende Ding auf der Sandbank – jetzt war es unzweifelhaft ein sich bewegendes Ding – gegen das rote Wasser des Meeres. Es war ein rundes Ding, vielleicht so groß wie ein Fußball, vielleicht auch größer, und Tentakel hingen von ihm herab; es schien schwarz zu sein im Gegensatz zu dem blutroten Wasser, und es hüpfte unruhig umher. Dann fühlte ich, dass ich ohnmächtig wurde. Aber eine schreckliche Furcht davor, hilflos in diesem fernen und schrecklichen Zwielicht zu liegen, hielt mich aufrecht, während ich auf den Sattel kletterte.

Kapitel 12

Zurück und Davon

Lesezeit ca. 9 min

»So kam ich zurück. Lange Zeit muss ich gefühllos auf der Maschine gelegen haben. Die blinkende Abfolge der Tage und Nächte wurde wieder aufgenommen, die Sonne wurde wieder golden, der Himmel blau. Ich atmete mit größerer Freiheit. Die schwankenden Konturen des Landes verebbten und flossen. Die Zeiger des Zifferblattes drehten sich rückwärts. Endlich sah ich die düsteren Schatten von Häusern, die Zeugnisse der dekadenten Menschheit. Auch diese veränderten sich und gingen vorüber, und andere kamen. Als die Millionenskala auf Null stand, verlangsamte ich mein Tempo. Ich begann, unsere eigene unbedeutende und vertraute Architektur zu erkennen, der Tausenderzeiger lief zum Ausgangspunkt zurück, die Nacht und der Tag flatterten langsamer und langsamer. Dann kamen die alten Mauern des Labors um mich herum. Ganz sachte verlangsamte ich nun den Mechanismus.

Ich sah eine Kleinigkeit, die mir seltsam vorkam. Ich glaube, ich habe Ihnen schon gesagt, dass Mrs. Watchett, als ich mich auf den Weg machte, bevor meine Geschwindigkeit sehr hoch wurde, quer durch den Raum lief, und zwar, wie es mir schien, wie eine Rakete. Als ich zurückkehrte, durchquerte ich erneut diese Minute, in der sie das Labor durchquerte. Aber jetzt schien jede ihrer Bewegungen die genaue Umkehrung der vorherigen zu sein. Die Tür am unteren Ende öffnete sich, und sie glitt leise das Labor hinauf, mit dem Rücken voran, und verschwand hinter der Tür, durch die sie zuvor eingetreten war. Kurz davor schien ich Hillyer einen Moment lang zu sehen, aber er war wie ein Blitz vorbei.

Dann hielt ich die Maschine an und sah um mich herum wieder das alte vertraute Labor, meine Werkzeuge, meine Geräte, so wie ich sie verlassen hatte. Ich stieg sehr schwankend aus und setzte mich auf meine Bank. Mehrere Minuten lang zitterte ich heftig. Dann wurde ich ruhiger. Ich war wieder in meiner alten Werkstatt, genau so, wie sie gewesen war. Ich hätte dort schlafen können, und alles wäre nur ein Traum gewesen.

Und doch, nicht ganz! Die Maschine war in der südöstlichen Ecke des Labors gestartet und war im Nordwesten wieder zum Stehen gekommen: an der Wand, wo Sie sie gesehen haben. Das ist die genaue Entfernung von meiner kleinen Rasenfläche bis zum Sockel der Weißen Sphinx, in den die Morlocks meine Maschine getragen hatten.

Eine Zeit lang war mein Gehirn wie gelähmt. Dann stand ich auf und kam durch den Gang hierher, humpelnd, denn meine Ferse schmerzte noch immer, und ich fühlte mich äußerst beschmutzt. Ich sah die Pall Mall Gazette auf dem Tisch neben der Tür. Ich stellte fest, dass das Datum tatsächlich heute war, und schaute auf die Uhr, um zu sehen, dass es fast acht Uhr war. Ich hörte Ihre Stimmen und das Klappern von Tellern. Ich zögerte – ich fühlte mich so krank und schwach. Dann roch ich gutes, gesundes Fleisch und öffnete die Tür zu Ihnen. Den Rest kennen Sie ja. Ich habe mich gewaschen und gegessen, und jetzt erzähle ich Ihnen die Geschichte.

Ich weiß«, sagte er nach einer Pause, »dass dies alles für Sie absolut unglaublich sein wird. Für mich ist das einzig Unglaubliche, dass ich heute Abend hier in diesem alten, vertrauten Zimmer bin, in Ihre freundlichen Gesichter schaue und Ihnen diese seltsamen Abenteuer erzähle.«

Er sah den Mediziner an. »Nein. Ich kann nicht erwarten, dass Sie es glauben. Halten Sie es für eine Lüge – oder eine Prophezeiung. Sagen wir, ich habe es in der Werkstatt geträumt. Nehmen Sie an, ich habe über das Schicksal unserer Rasse spekuliert, bis ich diese Fiktion ausgebrütet habe. Betrachten Sie meine Behauptung ihrer Wahrheit als einen bloßen Kunstgriff, um ihr Interesse zu steigern. Und wenn Sie es als Geschichte betrachten, was halten Sie davon?«

Er nahm seine Pfeife und klopfte, in seiner gewohnten Art und Weise nervös, auf die Gitterstäbe des Kamins. Einen Moment lang herrschte Stille. Dann begannen die Stühle zu knarren und die Schuhe auf dem Teppich zu scharren.

Ich wandte meinen Blick vom Gesicht des Zeitreisenden ab und sah mich nach seinen Zuhörern um. Sie saßen im Dunkeln, und kleine Farbflecken schwammen vor ihnen. Der Mediziner schien in die Betrachtung unseres Gastgebers vertieft zu sein. Der Redakteur blickte angestrengt auf das Ende seiner Zigarre – die sechste. Der Journalist fummelte nach seiner Uhr. Die anderen waren, soweit ich mich erinnere, regungslos.

Der Redakteur stand mit einem Seufzer auf. »Wie schade, dass Sie keine Geschichten schreiben«, sagte er und legte dem Zeitreisenden die Hand auf die Schulter.

»Sie glauben es nicht?«

»Nun –«

»Dachte ich mir.«

Der Zeitreisende wandte sich an uns. »Wo sind die Streichhölzer?«, fragte er. Er zündete eines an und sprach über seine Pfeife hinweg, wobei er paffte. »Um die Wahrheit zu sagen … Ich kann es selbst kaum glauben … Und doch …«

Sein Blick fiel fragend auf die verwelkten weißen Blumen auf dem kleinen Tisch. Dann drehte er die Hand, die seine Pfeife hielt, um, und ich sah, dass er einige halb verheilte Narben auf seinen Knöcheln betrachtete.

Der Mediziner erhob sich, kam zur Lampe und untersuchte die Blumen. »Das Gynäzeum ist seltsam«, sagte er.

Der Psychologe beugte sich vor, um zu sehen, und hielt seine Hand nach einem Exemplar aus.

»Ich will gehängt sein, wenn es nicht Viertel vor eins ist«, sagte der Journalist. »Wie sollen wir nach Hause kommen?«

»Es gibt genug Droschken am Bahnhof«, sagte der Psychologe.

»Das ist eine merkwürdige Sache«, sagte der Mediziner, »in der Tat kenne ich die natürliche Ordnung dieser Blumen nicht. Darf ich sie haben?«

Der Zeitreisende zögerte. »Gewiss nicht.«

»Wo haben Sie sie wirklich her?«, fragte der Mediziner.

Der Zeitreisende schlug die Hand vor den Kopf. Er sprach wie jemand, der versucht, eine Idee festzuhalten, die ihm entgleitet. »Sie wurden mir von Weena in die Tasche gesteckt, als ich durch die Zeit reiste.« Er blickte sich im Raum um. »Ich will verdammt sein, wenn es nicht so ist. Dieser Raum und Sie und die Atmosphäre eines jeden Tages sind zu viel für mein Gedächtnis. Habe ich jemals eine Zeitmaschine gebaut, oder ein Modell einer Zeitmaschine? Oder ist das alles nur ein Traum? Man sagt, das Leben sei ein Traum, ein kostbarer, manchmal armseliger Traum, aber einen anderen, der nicht passt, kann ich nicht ertragen. Das ist Wahnsinn. Und woher kommt der Traum? … Ich muss mir diese Maschine ansehen. Wenn es eine gibt!«

Er nahm die Lampe schnell auf und trug sie, rot flackernd, durch die Tür in den Korridor. Wir folgten ihm. Dort, im flackernden Licht der Lampe, stand die Maschine, gedrungen, hässlich und schief; ein Ding aus Messing, Ebenholz, Elfenbein und durchscheinend schimmerndem Quarz. Sie fühlte sich fest an – ich streckte meine Hand aus und befühlte das Geländer – und hatte braune Flecken und Schlieren auf dem Elfenbein, und Gras- und Moosreste auf den unteren Teilen, und ein Geländer war schief gebogen.

Der Zeitreisende stellte die Lampe auf der Bank ab und fuhr mit der Hand über das beschädigte Geländer. »Jetzt ist alles in Ordnung«, sagte er. »Die Geschichte, die ich Ihnen erzählt habe, war wahr. Es tut mir leid, dass ich Sie hierher in die Kälte gebracht habe.« Er nahm die Lampe in die Hand, und wir kehrten in absolutem Schweigen in das Raucherzimmer zurück.

Er kam mit uns in die Halle und half dem Redakteur in seinen Mantel. Der Mediziner schaute ihm ins Gesicht und sagte ihm nach einigem Zögern, dass er an Überarbeitung leide, woraufhin er herzlich lachte. Ich erinnere mich, wie er in der offenen Tür stand und gute Nacht rief.

Ich teilte mir ein Taxi mit dem Redakteur. Er hielt die Erzählung für eine »protzige Lüge«. Ich für meinen Teil war nicht in der Lage, eine Schlussfolgerung zu ziehen. Die Geschichte war so fantastisch und unglaublich, die Erzählweise so glaubwürdig und nüchtern.

Ich lag fast die ganze Nacht wach und dachte darüber nach. Ich beschloss, am nächsten Tag hinzugehen und den Zeitreisenden wiederzusehen. Man sagte mir, er sei im Labor, und da ich mich im Haus gut zurechtfand, ging ich zu ihm hinauf. Das Labor war jedoch leer. Ich starrte eine Minute lang auf die Zeitmaschine, streckte meine Hand aus und berührte den Hebel. Daraufhin schwankte die plumpe, massiv aussehende Masse wie ein vom Wind geschüttelter Galgen. Ihre Instabilität erschreckte mich zutiefst, und ich hatte eine seltsame Erinnerung an die Kindertage, in denen es mir verboten war, mich einzumischen. Ich kehrte durch den Korridor zurück. Der Zeitreisende begegnete mir im Raucherzimmer. Er trug einen kleinen Fotoapparat unter dem einen Arm und einen Rucksack unter dem anderen. Er lachte, als er mich sah, und reichte mir einen Ellbogen zum Schütteln. »Ich bin furchtbar beschäftigt«, sagte er, »mit diesem Ding da drin.«

»Aber ist das nicht ein Scherz?« sagte ich. »Reisen Sie wirklich durch die Zeit?«

»Ja, das tue ich – wirklich und wahrhaftig.« Und er schaute mir offen in die Augen. Er zögerte. Sein Blick wanderte durch den Raum. »Ich will nur eine halbe Stunde«, sagte er. »Ich weiß, warum Sie gekommen sind, und das ist sehr nett von Ihnen. Es gibt hier ein paar Zeitschriften. Wenn Sie zum Mittagessen bleiben, werde ich Ihnen das Zeitreisen beweisen, mit Proben und allem Drum und Dran. Wenn Sie mir verzeihen, dass ich Sie jetzt verlasse?«

Ich willigte ein, ohne die volle Bedeutung seiner Worte zu begreifen, und er nickte und ging den Korridor hinunter. Ich hörte die Tür des Labors zuschlagen, setzte mich auf einen Stuhl und nahm eine Tageszeitung zur Hand. Was hatte er vor der Mittagszeit zu tun? Plötzlich erinnerte mich eine Anzeige daran, dass ich versprochen hatte, Richardson, den Verleger, um zwei Uhr zu treffen. Ich schaute auf meine Uhr und sah, dass ich diese Verabredung kaum einhalten konnte. Ich stand auf und ging den Gang hinunter, um es dem Zeitreisenden zu sagen.

Als ich die Klinke der Tür in die Hand nahm, hörte ich einen Ausruf, der seltsamerweise am Ende abgeschnitten war, und ein Klicken und einen Aufprall. Ein Luftzug wirbelte um mich herum, als ich die Tür öffnete, und aus dem Inneren kam das Geräusch von zerbrochenem Glas, das auf den Boden fiel. Der Zeitreisende war nicht da. Für einen Moment schien ich eine geisterhafte, undeutliche Gestalt zu sehen, die in einer wirbelnden Masse aus Schwarz und Messing saß – eine Gestalt, die so durchsichtig war, dass die Bank dahinter mit ihren Skizzenblättern ganz deutlich zu erkennen war, aber dieses Phantasma verschwand, als ich mir die Augen rieb. Die Zeitmaschine war verschwunden. Bis auf das nachlassende Aufwirbeln des Staubs war der hintere Teil des Labors leer. Eine Scheibe des Oberlichts war offenbar gerade zerborsten.

Ich empfand ein unangemessenes Erstaunen. Ich wusste, dass etwas Seltsames geschehen war, konnte aber im Moment nicht erkennen, was das Seltsame sein könnte. Als ich so dastand und starrte, öffnete sich die Gartentür, und der Diener erschien.

Wir sahen uns gegenseitig an. Dann kamen mir die ersten Ideen. »Ist Herr … dort hinausgegangen?«, fragte ich.

»Nein, mein Herr. Niemand ist in diese Richtung gegangen. Ich hatte erwartet, ihn hier zu finden.«

Da verstand ich. Auf die Gefahr hin, Richardson zu enttäuschen, blieb ich und wartete auf den Zeitreisenden; ich wartete auf die zweite, vielleicht noch seltsamere Geschichte und auf die Proben und Fotos, die er mitbringen würde. Aber ich fürchte jetzt, dass ich ein Leben lang warten muss. Der Zeitreisende ist vor drei Jahren verschwunden. Und wie inzwischen jeder weiß, ist er nie zurückgekehrt.

Epilog

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Man kann nicht anders, als sich zu fragen: wird er jemals zurückkehren? Vielleicht ist er in die Vergangenheit zurückgekehrt und hat sich unter die bluttrinkenden, haarigen Wilden aus dem Zeitalter des ungeschliffenen Steins gestürzt; in die Abgründe des kreidezeitlichen Meeres oder unter die grotesken Saurier, die riesigen Reptilien aus der Jurazeit. Vielleicht wandert er sogar jetzt – wenn ich diesen Ausdruck verwenden darf – auf einem von Plesiosaurus heimgesuchten oolithischen Korallenriff oder neben den einsamen Salzseen der Triaszeit. Oder ist er vorwärts gegangen, in eines der näheren Zeitalter, in denen die Menschen immer noch Menschen sind, aber die Rätsel unserer eigenen Zeit beantwortet und ihre ermüdenden Probleme gelöst haben? Ich für meinen Teil kann nicht glauben, dass diese letzten Tage des schwachen Experiments, der bruchstückhaften Theorie und der gegenseitigen Zwietracht tatsächlich der Höhepunkt der Menschheit sind! Ich sage, für meinen Teil. Er, das weiß ich – denn die Frage wurde unter uns schon lange vor der Erfindung der Zeitmaschine diskutiert –, dachte nur freudlos an den Fortschritt der Menschheit und sah in dem wachsenden Haufen der Zivilisation nur eine törichte Anhäufung, die am Ende unweigerlich auf ihre Schöpfer zurückfallen und sie zerstören muss. Wenn das so ist, bleibt es uns überlassen, so zu leben, als ob es nicht so wäre. Aber für mich ist die Zukunft immer noch schwarz und leer – sie ist eine riesige Ungewissheit, die an ein paar zufälligen Stellen durch die Erinnerung an seine Geschichte erhellt wird. Und zu meinem Trost habe ich zwei seltsame weiße Blumen bei mir, die jetzt schrumpelig, braun, flach und brüchig sind – um zu bezeugen, dass selbst wenn Geist und Kraft erloschen sind, Dankbarkeit und gegenseitige Zärtlichkeit im Herzen des Menschen weiterleben.